Aktualisiert 27.06.2019 12:26

Tausende Jobs gefährdet

Wer kauft Globus und Interio von der Migros?

Migros stellt seine Warenhaus-Kette Globus und die Möbelläden Interio mit Tausenden Angestellten zum Verkauf. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

von
Isabel Strassheim
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Steht zum Verkauf: Das Warenhaus Globus. Die 49 Filiialen (inklusive Navyboot) gehören im Moment noch zu Migros.

Steht zum Verkauf: Das Warenhaus Globus. Die 49 Filiialen (inklusive Navyboot) gehören im Moment noch zu Migros.

Keystone/Salvatore di Nolfi
Globus machte 2018 einen Umsatz von 808 Millionen Franken. Werden die Läden vom neuen Besitzer weiterbetrieben, könnte Migros beim Verkaufspreis ein Vielfaches des Umsatzes verlangen.

Globus machte 2018 einen Umsatz von 808 Millionen Franken. Werden die Läden vom neuen Besitzer weiterbetrieben, könnte Migros beim Verkaufspreis ein Vielfaches des Umsatzes verlangen.

Keystone/Gaetan Bally
Der neue Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen will die Genossenschaft strategisch verschlanken. Warenhäuser und auch die Möbelkette Interio haben keinen Platz mehr.

Der neue Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen will die Genossenschaft strategisch verschlanken. Warenhäuser und auch die Möbelkette Interio haben keinen Platz mehr.

Keystone/Walter Bieri

Kommt es zu Entlassungen?

Das hängt davon ab, ob sich Käufer finden, die die Filialen in vollem Umfang weiterbetreiben. Der Verkauf trifft Tausende von Angestellten: In den 49 Globus-Filialen arbeiten 2601 Personen. Diese Zahl gibt das Vollzeitäquivalent an – weil in der Verkaufsbranche aber Teilzeit sehr verbreitet ist, dürfte die Zahl der Mitarbeitenden, die um ihr Stelle bibbern, sehr viel höher sein. Bei Interio stehen 324 Angestellte (auf Vollzeitstellenbasis gerechnet) in den 11 Läden. Und in den von Migros ebenfalls zum Verkauf gestellten Deko-Läden Depot und dem E-Bike-Anbieter M-Way sind es zusammen noch einmal 335.

Wer kommt als Käufer von Globus in Frage?

Die grosse Konkurrentin Coop kommt als erste Verdächtige in den Sinn: Sie hatte 2005 schon die EPA-Warenhäuser gekauft (diese wurden umgewandelt oder geschlossen, die Marke ging unter). Zur Frage nach einem Interesse an Globus oder auch an Interio antwortet Coop-Sprecher Urs Meier nur: «Zu Mitbewerbern und strategischen Fragen äussern wir uns grundsätzlich nicht öffentlich.» Die Kaufhäuser Coop City liegen mit einem Marktanteil von knapp 20 Prozent leicht hinter dem Umsatz von Globus. Schweizer Platzhirsch bei den Warenhäusern ist Manor, dessen Anteil gut 50 Prozent ausmacht. «Wir konzentrieren uns auf den Ausbau unseres digitalen Angebots und arbeiten intensiv daran, unseren Kundinnen und Kunden in den Warenhäusern und online noch attraktivere Sortimente und Services zu bieten», sagt Manor-Sprecher Georg Halter – das klingt kaum nach Kaufinteresse. Für ausländische Interessenten, die das Warenhaus in Zukunft führen werden, dürfte es für eine Genehmigung durch die Wettbewerbskommission leichter sein.

Werden Globus und Interio als Läden und Marken bestehen bleiben?

Vor allem in der Schweiz leiden Warenhäuser und Fachgeschäfte unter dem Onlinehandel und Einkaufstourismus. «Der Strukturwandel und die Konsolidierung im stationären Handel ist eine Realität», sagt Nordal Cavadini, Detailhandelsexperte beim Beratungsunternehmen Oliver Wyman, zu 20 Minuten. Die Marken Globus und Interio hätten eine Chance, wenn sie für die Kunden attraktiver würden: im Laden wie auch online. Die gesamte Detailhandelsbranche verändert sich rasant. Globus hat sich erst vor wenigen Monaten neu getrimmt und statt nur Hugo Boss und Tommy Hilfiger auch teure neue Kultmarken wie Fred Segal oder den Edelanzugsschneider Brioni ins Sortiment genommen. «Das ist zwar eine klare Ansage gegen klassische Wettbewerber und Zalando, aber eine solche Premiumausrichtung braucht auch Kundschaft», sagt Cavadini.

Ist Migros im Sparwahn?

«Die Verkaufsankündigung von Migros ist sicher das Ergebnis einer wohlüberlegten Strategie», sagt ein Branchenkenner. Dahinter stecke nicht nur ein Sparprogramm, sondern der Wunsch, sich für die Zukunft fitter aufzustellen. Tatsache ist aber auch, dass der neue Chef Fabrice Zumbrunnen der Migros rigides Sparen verordnet hat: Die grösste Regio-Genossenschaft Migros Aare plant nun, drei Prozent vom Umsatz – das sind 100 Millionen Franken – einzusparen. Für die Ostschweiz kündigte Migros den Abbau von 90 Jobs an.

Wie viel könnte Migros der Verkauf bringen?

Der grösste Brocken ist Globus, die Warenhäuser machte 2018 einen Umsatz von 808 Millionen Franken. Bei einer Übernahme wird meist ein Vielfaches des Umsatzes gezahlt – Voraussetzung ist dann aber, dass die Warenhäuser weiter betrieben werden. Den Verkaufserlös will Migros nach eigenen Worten dazu verwenden, um «verstärkt in ihre strategischen Geschäftsfelder investieren zu können». Die Genossenschaft hat also weitere grosse Pläne.

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