Terrorangriff Nairobi: Wer kein Arabisch lesen konnte, musste sterben
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Terrorangriff NairobiWer kein Arabisch lesen konnte, musste sterben

Beim Angriff auf das Einkaufszentrum in Nairobi machten die Terroristen offenbar Tests, um fromme Muslime zu verschonen. 30 Geiseln sind noch immer in der Gewalt der Täter.

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tab/gux

Beim Terrorangriff auf das Westgate Einkaufszentrum in der kenianischen Hauptstadt Nairobi soll angeblich neben der bereits vom EDA bestätigten Schweizerin noch ein Schweizer verletzt worden sein.

Laut einem unbekannten Zeugen, der sich gegenüber der Deutschen Depeschenagentur äusserte, wurde dem Schweizer in die Brust geschossen: «Ich wurde angeschossen, war in Panik, hatte keine Ahnung, was ich machen sollte. Ich kroch auf dem Boden, einem Schweizer namens Andrew, der hinter mir war, wurde in die Brust geschossen.» Das EDA kann dies jedoch nicht bestätigen. «Nach unseren Informationen wurde nur eine Schweizerin verletzt», sagt Pressesprecher Pierre-Alain Eltschinger auf Anfrage.

Wer kein Arabisch lesen konnte, starb

In derselben Meldung, die unter anderem auf der Onlinezeitung «The Hindu» publiziert wurde, wird ein weiterer Zeuge zitiert: «Sie warfen eine Granate. Sie zeigten uns arabische Schriftzüge, wenn du sie lesen konntest, warst du sicher. Wenn nicht, schossen sie auf dich.»

Der Augenzeuge Chris Wamalwa musste zusehen, wie vier Männer vor seinen Augen erschossen wurden. «Einer von ihnen, ein Inder, fuhr gerade aus der Garage. Sie schossen auf ihn. Er fiel aus dem Auto. Ich wurde später über den Notausgang im Parkhaus evakuiert.»

Muslime vor Attacke aus Mall eskortiert

Ein Teenager erzählte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, wie er sich tot stellte, um zu überleben. Ein anderer Überlebender berichtet: «Die Attentäter sprachen Arabisch oder Somalisch. Ich sah, wie sie Menschen erschossen, nachdem sie diese etwas fragten.»

Die islamistische Al-Schabaab-Miliz aus Somalia bekannte sich zu dem Anschlag. Via Twitter erklärte die Gruppe unter anderem, die Attentäter hätten vor dem Angriff Muslime aus dem Einkaufzentrum «heraus eskortiert».

Kanadischer Diplomat unter den Todesopfern

Unter den Todesopfern befinden sich zwei französische Staatsbürger, wie das französische Auswärtige Amt jetzt bestätigte. Auch der kanadische Premierminister Stephen Harper bestätigte, dass zwei Kanadier bei dem Angriff ums Leben gekommen seien – darunter ein Diplomat.

Unter den Toten und Verletzten befinden sich auch amerikanische und chinesische Staatsangehörige.

Spezialeinheiten stürmen

Laut CNN werden derzeit jedoch noch immer 30 Geiseln von 10 bis 15 Bewaffneten festgehalten.

Mittlerweile seien israelische Spezialeinheiten in das Westgate Center eingedrungen, zitiert die Nachrichtenagentur AFP eine ungenannte Quelle.

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