Falls Infektionszahlen steigen - «Wer kein Covid-Zertifikat hat, soll dann in einem separaten Raum essen»
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Falls Infektionszahlen steigen«Wer kein Covid-Zertifikat hat, soll dann in einem separaten Raum essen»

Steigen die Zahlen, sollen die Chefin oder der Chef das Recht haben, von ihren Mitarbeitenden ein Covid-Zertifikat zu verlangen. Wer eins hat, könnte bevorzugt behandelt werden. Das fordert Valentin Vogt, Präsident des Arbeitgeberverbandes.

von
Anja Zingg
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Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, spricht im Interview über die aktuelle Situation. 

Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, spricht im Interview über die aktuelle Situation.

zvg
Immer mehr Personen kehren ins Büro zurück. (Symbolbild)

Immer mehr Personen kehren ins Büro zurück. (Symbolbild)

20min/Celia Nogler
Dies nach teilweise über einem Jahr im Homeoffice. (Symbolbild)

Dies nach teilweise über einem Jahr im Homeoffice. (Symbolbild)

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Für ungeimpfte Angestellte gelten in einigen Betrieben andere Schutzmassnahmen als für geimpfte.

  • Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, hat Verständnis für die Ungleichbehandlung.

  • «Wer kein Covid-Zertifikat hat, also weder geimpft, genesen noch getestet ist, muss gewisse Einschränkungen in Kauf nehmen», so Vogt.

Immer mehr Mitarbeitende kehren vom Homeoffice zurück ins Büro. Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen dürfen Schutzkonzepte selbst gestalten. In einigen Fällen führt das dazu, dass geimpfte und ungeimpfte Personen unterschiedlich behandelt werden. Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, über die Lage am Arbeitsplatz und wieso diese zu mehr Konflikten führen kann.

Herr Vogt, wie ist die Stimmung im Büro, jetzt, wo die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen nach Monaten im Homeoffice wieder zurückkehren?

Die Angestellten kommen aus dem Homeoffice zurück und wünschen sich möglichst viele Freiheiten. Gleichzeitig wollen sie, dass der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin sie schützt, worauf sie natürlich auch ein gesetzliches Anrecht haben. Diese verschiedenen Bedürfnisse bergen ein gewisses Konfliktpotenzial. Die Lage am Arbeitsplatz ist teilweise angespannt.

Welche Bedürfnisse meinen Sie?

Konfliktpunkte sind sicher die Maskenpflicht und die Impfung. Die, die geimpft sind, fühlen sich sicher, wollen zum grossen Teil keine Maske mehr tragen. Denen gegenüber stehen ungeimpfte Personen, die weiterhin fordern, dass sie durch Abstand halten und Masken tragen geschützt werden.

Wie sollen Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen mit dieser Herausforderung umgehen?

Wichtig ist für jeden Betrieb, mit den Mitarbeitenden den Dialog zu suchen und gemeinsam eine Lösung zu finden. Eskalation führt in diesem Fall nicht zum Ziel.

Eskalieren Konflikte schneller als vor der Pandemie?

Nein, das stellen wir nicht fest. Was aber Tatsache ist: Vieles ist neu, vieles ist ungewohnt. Eine Situation wie die jetzige gabs noch nie. Zum Glück herrscht Ferienzeit und es kommen nicht alle Leute gleichzeitig zurück ins Büro.

Beobachten Sie auch, dass gewisse Leute nach einem Jahr zu Hause Mühe haben, wieder mit Kollegen und Kolleginnen zusammenzuarbeiten?

Nein, es gibt vielleicht Einzelfälle, mir sind diese jedoch nicht bekannt.

20 Minuten hat Kenntnis davon, dass ein Handwerksbetrieb nicht geimpften Personen verbietet, im Gesellschaftsraum Mittag zu essen. Die Betroffenen müssen stattdessen am Arbeitsplatz essen. Was denken Sie darüber?

Mittagessen am Arbeitsplatz, wo man arbeitet, geht natürlich nicht. Steigen die Zahlen weiter an, schlage ich vor, dass Personen ohne Covid-Zertifikat in einem separaten Raum essen, wo ein separates Schutzkonzept gilt. Der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin hat die Pflicht, die Gesundheit seiner Angestellten zu schützen.

In einem anderen Fall müssen nicht geimpfte Mitarbeitende den ganzen Tag eine FFP2-Maske tragen. Was denken Sie darüber?

Ich denke, es ist sinnvoll, dass zukünftig Personen ohne Covid-Zertifikat weiterhin eine Maske tragen. Wer ein Zertifikat hat, kann auf die Maske verzichten.

Viele Arbeitnehmende nerven sich, dass sie trotz Impfung noch eine Maske tragen müssen. Verstehen Sie das?

Ja, natürlich verstehe ich, dass eine vollständig geimpfte Person nicht acht Stunden am Tag eine Maske tragen will. Sie ist ja bereits geschützt.

Wäre es nicht diskriminierend, müssten nur noch ungeimpfte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen eine Maske tragen?

Nein. Der Bund überlässt es den einzelnen Betrieben, wie sie die Maskenpflicht umsetzen. Das heissen wir gut, denn in einem Drei-Mann-Handwerkerbetrieb ist die Ausgangslage eine andere als in einem Grossbetrieb. Wenn in einem Betrieb von 100 Leuten 95 geimpft sind, wollen sie nicht wegen fünf Ungeimpften eine Maske tragen. Wer kein Covid-Zertifikat hat, muss in den nächsten Monaten gewisse Einschränkungen in Kauf nehmen und dies ist nicht nur am Arbeitsplatz der Fall.

Sollten der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin einen Impfnachweis verlangen dürfen? Laut Unia verstösst dies gegen das Persönlichkeitsrecht.

Ja, steigen die Infektionszahlen weiter an, sollte der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin das Recht haben, ein Covid-Zertifikat der Mitarbeitenden zu verlangen. Denn, wie soll ein Arbeitgeber oder eine Arbeitgeberin ein passendes Schutzkonzept erstellen, wenn er oder sie die Ausgangslage nicht kennt? Es macht einen Unterschied, ob die Hälfte oder 90 Prozent der Angestellten geimpft, genesen oder getestet sind.

Das Covid-Zertifikat

Wo aktuell ein Zertifikat gebraucht wird

Stand heute unterscheidet der Bund drei verschiedene Bereiche, das Ampelsystem, in denen ein Zertifikat vorausgesetzt wird oder eben nicht.

Grüner Bereich: Zu diesem Bereich zählen Orte des alltäglichen Lebens und Behördenstellen. Hier wird kein Zertifikat gebraucht. Dazu zählen private Veranstaltungen, der öffentliche Verkehr, der Arbeitsplatz, Läden oder Schulen.

Oranger Bereich: Dazu gehören Orte, die von vielen Menschen aufgesucht werden, aber nicht ganz alltäglich sind, zum Beispiel Bars, Freizeit- und Sportbetriebe oder Restaurants. Hier ist ein Zertifikat nicht vorgesehen, falls sich die epidemiologische Lage verschlechtert, kann sich dies aber ändern. Auf freiwilliger Basis dürfen diese Orte ein Zertifikat voraussetzen, so kann auf Schutzmassnahmen wie Masken oder Kapazitätsbeschränkungen verzichtet werden.

Roter Bereich: Nur dank des Zertifikats dürfen diese Bereiche offen haben. Dazu zählen Stand heute Clubs und Grossveranstaltungen.

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