Huonder fordert: Wer keine Kinder will, darf nicht heiraten
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Huonder fordertWer keine Kinder will, darf nicht heiraten

Bischof Huonder will nur noch fromme Katholiken kirchlich trauen. Wer vor den Altar schreiten will, soll nach seinem Willen zuerst einen intensiven Vorbereitungskurs absolvieren.

von
jbu
Wer keine Kinder will, soll nach Huonders Willen nicht mehr in der Kirche die Ringe tauschen dürfen.

Wer keine Kinder will, soll nach Huonders Willen nicht mehr in der Kirche die Ringe tauschen dürfen.

Einmal im Brautkleid zum Altar schreiten: Wer kirchlich heiratet, tut dies heute oft der schönen Kulisse oder der Tradition wegen. Damit soll Schluss sein, fordert das Bistum Chur. «Ungenügend vorbereitete Paare» sollen demnach nicht mehr «kirchlich getraut werden», zitiert die «SonntagsZeitung» aus einer bisher unveröffentlichten Stellungnahme von Vitus Huonder.

Der Bischof des Bistums Chur reagiert damit auf eine Umfrage, die Papst Franziskus derzeit bei Gläubigen in aller Welt durchführen lässt – auch bei Katholiken in der Schweiz. Der Fragebogen widmet sich Themen wie Ehe, Homosexualität, Scheidung oder Verhütung. Huonder liess die Ergebnisse aus seinem Bistum bereits auswerten. Was er sah, gefiel ihm offensichtlich nicht. «Viele Gläubige halten die Kirche in diesem Bereich nicht mehr für glaubwürdig und kompetent», so sein Fazit gemäss dem Zeitungsbericht.

Ohne Kinderwunsch kein Trauschein

In seiner Stellungnahme fordert Huonder deshalb Konsequenzen. Nach seinem Willen soll künftig nur noch den Bund fürs Leben schliessen können, wer eine intensive Ehevorbereitung durchlaufen hat. Das Bistum Chur selbst organisiert solche «etwas intensiveren» Vorbereitungskurse bereits heute. Den Heiratswilligen wird dabei erklärt, was die Ehe nach katholischem Glauben ist. So könne eine katholische Ehe etwa gar nicht zustande kommen, wenn einer oder beide Partner keine Kinder wollten, erklärt Huonders Sprecher Giuseppe Gracia gegenüber der Zeitung.

Lange habe die Kirche sich «aus falscher Scheu» in diesem Thema zurückgehalten, «um bei den Leuten nicht anzuecken», so Gracia weiter. Wenn man den Ergebnissen der päpstlichen Umfrage Glauben schenken darf, zu Recht: Denn die katholische Sexuallehre mit dem Verbot der Verhütung ist demnach einer der Hauptkritikpunkte der befragten Gläubigen im Bistum Chur. Auch liberalere Geistliche in der Schweiz können Huonders Forderung wenig abgewinnen. Paare könnten wegen der geforderten Auflagen auf eine kirchliche Hochzeit verzichten, befürchtet etwa Markus Heil, Diakon und Sprecher der Pfarrei-Initiative Schweiz.

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