Aktualisiert 14.07.2009 21:00

Studie«Wer Kinderpornos schaut, ist meist nicht pädosexuell»

Männer, die sich Kinderpornografie anschauen, vergehen sich nur sehr selten an Kindern.

von
Deborah Rast

Die Studie des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Kanton Zürichs wertete die Strafregistereinträge von 231 Männern aus, die der ­Polizei bei der Grossaktion Genesis gegen Kinderpornografie 2002 ins Netz gegangen waren. Das Resultat: Nur zwei Männer hatten eine Vorstrafe wegen sexueller Übergriffe auf Kinder. Noch eindeutiger zeigt sich das Verhalten der Männer, nachdem sie von der Polizei erwischt wurden: Kein einziger wurde nach 2002 wegen Kindsmissbrauchs verurteilt. Auch kaum jemand wurde danach nochmal wegen Kinderpornografie verzeigt.

«Die meisten Männer, die sich Kinderpornografie anschauen, tun dies aus Langeweile oder weil sie den Reiz des Verbotenen suchen», so der Studienleiter und Forensiker Frank Urbaniok. Nur eine kleine Minderheit der Kinderporno-Konsumenten würden sich tatsächlich sexuell zu Minderjährigen hingezogen fühlen. «Die extrem niedrige Rückfallquote ist ein Riesenerfolg im Kampf gegen die Kinderpornografie», sagt Urbaniok. Das erhöhte Risiko, von der Polizei erwischt zu werden, mindere klar den Anreiz, Kinderpornos zu konsumieren.

Auch Aufklärungskampag­nen seien im Kampf gegen Kinderpornografie von gros­sem Nutzen: «Beim schnellen Klick auf ein Bild im Wohnzimmer vergessen viele, dass hinter Kinderpornografie brutaler sexueller Missbrauch steht.» Nur von der Konsumentenseite her könne der Kinderpornomarkt ausgetrocknet werden.

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