Aktualisiert 11.05.2012 15:35

Diebe am PrangerWer klaut, wird aufgehängt

Wer in der Zürcher Bastel-Boutique Leibundgut stiehlt, landet am Pranger: Fotos der Überwachungskamera werden im Laden an eine Wand gehängt. Die Massnahme ist illegal.

von
Felix Burch

Leibundgut ist Zürichs grösste Bastel- und Dekorationsboutique und bringt ihre Produkte an der Kuttelgasse an bester Lage an die Kundschaft. Auf den ersten Blick ist nichts ungewöhnlich. Zahlt man jedoch an der Kasse, stechen einem an die Wand gehängte Bilder mit gut erkennbaren Gesichtern darauf ins Auge. Die Frage «Was sind das für Menschen?» wird von der Bedienung stets mit «Kunden, die nicht gerne zahlen» beantwortet.

Alex Zumstein, Inhaber von Leibundgut, präzisiert gegenüber 20 Minuten Online: «Es sind von der Überwachungskamera ausgedruckte Screenshots von Leuten, die in unserem Laden gestohlen haben.» Zum einen würden sich die Diebe, falls sie zurückkehren, selber erkennen, zum anderen könnten die Angestellten mit Hilfe der Foto-Wand Diebe leichter identifizieren. «Solche Leute wollen wir nicht im Laden», so Zumstein.

«Wir leben in einem Rechtsstaat»

Wie erfolgreich die Methode ist, kann Zumstein nicht sagen - «sie ist nicht messbar». Neben dem Warensicherungssystem sei es einfach ein weiteres Mittel gegen Ladendiebe und diese seien zahlreich. «Es fehlt jeden Tag etwas, wir unternehmen alles dagegen, was nützen könnte.»

Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) findet diese Art von Pranger nicht zeitgemäss. «Das ist unverhältnismässig. Das Bild-Material gehört in die Hände der Strafverfolgungsbehörde. Wir leben in einem Rechtsstaat», sagt EDÖB-Mediensprecherin Eliane Schmid. Auch wenn sie den Frust der Ladenbesitzer verstehen könne, sei der öffentliche Pranger der falsche Weg.

Ein klarer Verstoss gegen den Datenschutz

Die Massnahme verstösst auch gegen das Datenschutzgesetz. Es könnte zivilrechtlich geklagt werden, selbst wenn dies die Diebe kaum tun dürften. «Würde allerdings fälschlicherweise ein Foto einer Person an der Wand hängen, die nicht gestohlen hat, könnte sie wegen Ehrverletzung klagen», sagt Schmid. Dabei handelt es sich um einen gröberen Verstoss.

Bastelboutique-Besitzer Zumstein sieht das ganze locker. Bisher habe sich niemand beschwert, auch keine offiziellen Stellen. «Falls dieser Fall eintritt, nehmen wir die Bilder weg.» Der Polizei sind keine ähnlichen Fälle bekannt.

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