Homeoffice statt Bettruhe: «Wer krank arbeitet, wird später gesund»

Aktualisiert

Homeoffice statt Bettruhe«Wer krank arbeitet, wird später gesund»

Arbeiten bedeutet für den Körper Stress. Ein Facharzt rät deshalb davon ab, krank Homeoffice zu machen.

von
B. Zanni
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Auch wer nur erhöhte Temperatur habe, aber Gliederschmerzen und eine tropfende Nase, sollte sich schonen, statt zu arbeiten, sagt Peter Wespi, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin in der Huusarztpraxis Früebli in Dielsdorf.

Auch wer nur erhöhte Temperatur habe, aber Gliederschmerzen und eine tropfende Nase, sollte sich schonen, statt zu arbeiten, sagt Peter Wespi, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin in der Huusarztpraxis Früebli in Dielsdorf.

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Im Krankheitsfall ist neuerdings Arbeiten in den eigenen vier Wänden eine Option.

Im Krankheitsfall ist neuerdings Arbeiten in den eigenen vier Wänden eine Option.

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«Die Arbeitgeber nützen die Möglichkeit viel zu wenig aus, Angestellten, die sich nicht 100 Prozent fit fühlen, eine sogenannte angepasste Tätigkeit vorzuschlagen», sagt Arbeitsmediziner Claude Sidler.

«Die Arbeitgeber nützen die Möglichkeit viel zu wenig aus, Angestellten, die sich nicht 100 Prozent fit fühlen, eine sogenannte angepasste Tätigkeit vorzuschlagen», sagt Arbeitsmediziner Claude Sidler.

ambrugg.ch

Herr Wespi, kranke Angestellte sollen in reduziertem Pensum Homeoffice machen, propagieren Arbeitgeber und Arbeitsmediziner. Ist das gesund?

Das hängt ganz vom Krankheitszustand ab und wie man sich dabei fühlt. Grundsätzlich gilt aber, dass bei Mitarbeitern mit mindestens 38,5 Grad Fieber der Computer abgeschaltet gehört.

Zeigt das Thermometer zwischen 37 und 38,4 Grad Fieber an, darf der Chef also erwarten, dass man Homeoffice macht?

Nicht in jedem Fall. Auch wer nur erhöhte Temperatur hat, aber Gliederschmerzen und eine tropfende Nase, sollte sich schonen. Denn arbeiten ist nicht dasselbe wie im Liegestuhl Zeitung lesen. Deshalb empfehle ich Homeoffice nur in Übergangsphasen als Option. Zum Beispiel dann, wenn man kein Fieber mehr hat, aber immer noch einen ansteckenden Husten.

Sechs von zehn Arbeitnehmern gehen laut einer aktuellen Umfrage des deutschen Marktforschungsinstituts Toluna krank zur Arbeit. Was passiert, wenn man sich ans Arbeitspult schleppt, aber eigentlich am liebsten unter die warme Bettdecke schlüpfen würde?

Die Konzentration ist reduziert und das Risiko, Flüchtigkeitsfehler zu machen, ist höher. Doch Fehler sind nur ein Faktor. Sobald man arbeitet, engagiert man sich auch emotional. Für den Körper bedeutet dies eine Form von Stress. Unter diesen Umständen erholt sich der Körper schlecht. Das Immunsystem arbeitet nicht mehr gleich gut, setzt man sich trotzdem Belastungen aus.

Wird man dann noch kränker?

Nein. Die Viren sind einfach noch länger aktiv. Somit dauert es länger, bis man wieder gesund ist. Ich plädiere nach wie vor dafür, auf Arbeit komplett zu verzichten, fühlt man sich schwächer als sonst. Denn nur mit viel Schlaf kann sich der Körper am besten erholen.

Müssen Angestellte, die krank arbeiten, mit Folgeerkrankungen rechnen?

Nein. Anders sieht es bei Jobs aus, die Körpereinsatz verlangen. Packt zum Beispiel ein Bauarbeiter in angeschlagenem Zustand trotzdem an, riskiert er eine Herzmuskelentzündung. Das ist dann genauso gefährlich wie bei Sportlern, die trotz Fieber trainieren.

Welche Arbeiten sind zumutbar, wenn man krank Homeoffice macht?

Zumutbar sind nur Arbeiten, die der Mitarbeiter ohne Termindruck ausführen kann wie administrative Arbeiten. Klar ist, dass der Mitarbeiter bestimmt, wann Schluss ist, und nicht der Chef.

Was ist mit E-Mails-Schreiben und Telefonieren?

Ich würde davon abraten, E-Mails zu bearbeiten oder zu telefonieren. Diese Tätigkeiten lösen zu grossen Stress aus.

Soll man im Bett arbeiten oder eingewickelt in einen dicken Schal am Pult sitzen?

Dazu sage ich nur so viel: Wer bereits so weit ist, sich solche Dinge zu überlegen, sollte besser im Bett bleiben.

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