27 Millionen Dollar: Wer kriegt das Kopfgeld für Bin Laden?

Aktualisiert

27 Millionen DollarWer kriegt das Kopfgeld für Bin Laden?

Die USA haben fette Prämien auf die Köpfe von Terroristen ausgesetzt. Der meistgesuchte Mann ist nun tot und damit eigentlich das grösste Kopfgeld aller Zeiten fällig.

von
amc

Die zehnjährige Jagd nach Osama Bin Laden beendete mehr oder weniger ein Tipp, der die Geheimdienste auf die richtige Spur des Terrorpaten führte. Die USA bezahlen seit der Gründung ihres «Rewards for Justice»-Programm 1984 fette Prämien für solche Hinweise. 60 Terroristen schnappten die USA dank der Kopfgelder seither und bezahlten 100 Millionen Dollar aus. Für den Kopf von Osama Bin Laden wären nun eigentlich 27 Millionen Dollar fällig. Unter seinem Bild auf der «Rewards for Justice»-Webseite prangt jedenfalls seit Montag der Vermerk «Verstorben».

Das Kopfgeld wird aber ausgerechnet für den meistgesuchten Mann unter den Schurken wohl nicht ausbezahlt. Aussenministerin Hillary Clinton äusserte sich an einer Medienorientierung nur ausweichend zu diesem Thema: «Angesichts der nötigen Vertraulichkeit im Zusammenhang mit Belohnungen aus dem ‹Rewards for Justice›-Programm kann ich nicht sagen, ob jemand eine Prämie in diesem oder einem anderen Fall erhalten hat», zitiert das «National Public Radio» (NPR) die Aussenministerin. Dass dies in der Vergangenheit der Fall war, ist allerdings angesichts der Bilanz des Programms klar ersichtlich. Das RJP weist beispielsweise aus, dass Geld geflossen ist für die Hinweise auf die Söhne von Saddam Hussein (Uday und Qusay) oder auch für den Verantwortlichen des ersten Anschlages auf den World-Trade-Center 1993, Ramzi Ahmed Yousef.

Von Guantánamo an den Strand von Malibu?

Das Problem bei der Ausbezahlung des Kopfgeldes für Bin Laden scheint also weniger die Vertraulichkeit als vielmehr die Schwierigkeit, dass der Tippgeber dies im Gegensatz zu den bisherigen Informanten nicht ganz freiwillig gemacht hat. Der entscheidende Hinweis ist «in stundenlangen brutalen Verhören in geheimen Übersee-Gefängnissen» aus Al-Kaida-Mitgliedern herausgefoltert worden, wie es in der «New York Times» hiess. Der Name des Kuriers und Vertrauten von Bin Laden – den die Gefolterten nannten – führte die Agenten immer näher an den Terrorpaten. Letztlich waren es pakistanische Agenten im Dienste der CIA, welche den Kurier bis zum Anwesen in Abbottabad verfolgten und so den Aufenthaltsort erfuhren.

Es darf also stark bezweifelt werden, dass das Kopfgeld für Osama Bin Laden irgendwann auf ein Bankkonto fliesst. Einerseits, weil nicht eine Person für die Ergreifung verantwortlich ist, andererseits müssen gemäss NPR die Geheimdienste die Namen ihrer Informanten verraten, wenn diese Anspruch auf das Kopfgeld haben wollen. Die Regierung prüft die Namen und löst dann die Überweisungen aus. Angesichts der Tatsache, dass die wichtigste Information offenbar von Häftlingen in Guantánamo und anderen Folter-Gefängnissen kam, bleibt das Geld wohl auf der Bank. In den Augen der US-Regierung ist der richtige Ort für die Herren in den orangen Overalls schliesslich ein Gefängnis und kaum eine Villa am Strand von Malibu. Immerhin gibt es noch eine Chance auf ein lukratives Kopfgeld: Die mutmassliche neue Nummer eins bei Al-Kaida - Ayman al-Zawahiri - ist 25 Millionen Dollar wert.

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