Placeboeffekt: Wer Markenkleider trägt, arbeitet besser
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PlaceboeffektWer Markenkleider trägt, arbeitet besser

Die richtige Marke kann zu höherem Selbstbewusstsein führen und in Job, Sport oder Schule die Leistung verbessern. Das haben US-Forscher herausgefunden.

von
lin

Viele schwören darauf, bei einem wichtigen beruflichen Termin oder bei einer schwierigen Prüfung ihre besten Kleider zu tragen. Dass die Präsentation mit dem teuren Designeranzug jeweils besser gelingt, könnte mehr als ein Gefühl sein. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der US-Unis Notre Dame und Penn State. Sie gingen der Frage nach, ob der Glaube an einen Einfluss von Marken tatsächlich zu besseren Leistungen führt – und stellten einen positiven Zusammenhang fest.

Für ihre Studie führten die Forscher verschiedene Experimente durch. So nahmen etwa Probanden an einer angeblichen Marktstudie für einen neuen Golfschläger teil. Auf dem Green mussten sie den Golfball mit einem Putter von drei verschiedenen Positionen im Loch versenken. Der einen Hälfte der Teilnehmenden wurde gesagt, dass sie einen neuen Golfschläger von Nike testen. Die andere Hälfte erhielt keine Informationen zur Marke. Alle Teilnehmenden spielten aber mit dem exakt gleichen Golfschläger-Modell. Jene Gruppe, die dachte, dass sie mit einem Nike-Schläger spielen, benötigten signifikant weniger Schläge, um den Golfball im Loch zu versenken. Ihre Leistung war um rund 20 Prozent besser.

Mehr Selbstvertrauen dank Marken

In einem anderen Versuch nahmen verschiedene Teilnehmer an einem kurzen Mathe-Test teil. Den Probanden wurde anschliessend erklärt, dass sie Ohrenstöpsel tragen sollen, um die Ablenkung zu minimieren und die Konzentration zu erhöhen. Alle erhielten dieselben Ohrstöpsel. Allerdings war auf der Hälfte der Verpackungen das Logo einer Gehörschutzmarke aufgedruckt. Wiederum beobachteten die Wissenschaftler: Jene, die dachten, einen Marken-Ohrstöpsel zu benutzen, konnten signifikant mehr Mathe-Aufgaben richtig lösen.

Die Autoren der Studie führten noch weitere ähnliche Experimente durch. Alle bestätigten den Placeboeffekt von Marken. Die Bilanz der Forscher: «Unsere Resultate deuten darauf hin, dass Marken Leistungsangst reduzieren können und so die Leistung steigern.» Marken könnten dazu beitragen, dass sich die Teilnehmenden besser fühlten und über mehr Selbstvertrauen verfügten.

Effekt ist nicht für alle gleich

Allerdings ist dieser Placeboeffekt bei allen Marken gleich ausgeprägt. Damit die Marke einen positiven Effekt hat, muss sie glaubwürdig sein und ein positives Image im Bezug auf die Leistungssteigerung aufweisen. Ein Premiumbrand zu sein, reicht hingegen nicht. So wurde das Golf-Experiment auch mit Schlägern der Marke Gucci durchgeführt. Doch im Gegensatz zum Versuch mit Nike-Schlägern benötigten die Probanden nicht weniger Schläge. Die Wissenschaftler führen das darauf zurück, dass Gucci anders als Nike nicht mit sportlichen Leistungen in Verbindung gebracht wird.

Doch nicht alle Personen können im gleichen Ausmass vom Marken-Placeboeffekt profitieren. Am grössten ist der Effekt laut der Studie auf jene, die nur wenig Erfahrungen auf dem getesteten Gebiet hatten. Bei Experten hingegen haben Marken kaum oder gar keinen Einfluss auf die Leistung. Bei guten Golfern spielt der Hinweis auf die Marke des Schlägers also keine Rolle.

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