Ex-SVPler schiesst gegen Partei - «Wer Masken und Impfung ablehnt, hat nicht alle Tassen im Schrank»
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Ex-SVPler schiesst gegen Partei«Wer Masken und Impfung ablehnt, hat nicht alle Tassen im Schrank»

Karl Zweifel politisierte jahrelang für die Zürcher SVP. Nun gab der Arzt seinen Austritt aus der Partei bekannt: Grund sei die «radikalisierte und total falsche» Haltung gegenüber Covid-19, die die Mehrheit der SVP-Exponenten vertrete. Dennoch legt die Partei an Mitgliedern zu.

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Dr. Karl Zweifel, Rückenspezialist in der Privatklinik Bethanien, hat seinen Austritt aus der SVP angekündigt.

Dr. Karl Zweifel, Rückenspezialist in der Privatklinik Bethanien, hat seinen Austritt aus der SVP angekündigt.

SVP Zürich
Grund ist der «antiwissenschaftliche Schwachsinn», den die Mehrheit der Partei vertrete.

Grund ist der «antiwissenschaftliche Schwachsinn», den die Mehrheit der Partei vertrete.

Klinik Bethanien
Zweifels Kritik richtet sich an prominente Parteimitglieder wie Bundesrat Ueli Maurer…

Zweifels Kritik richtet sich an prominente Parteimitglieder wie Bundesrat Ueli Maurer…

20min/Tarek El Sayed

Darum gehts

  • Der prominente SVP-Vertreter Karl Zweifel hat seinen Austritt aus der Partei bekanntgegeben. Als Grund führt der Mediziner deren «total falsche» Haltung zur Corona-Politik des Bundes an.

  • Wie Zweifel angibt, habe es aus diesem Grund noch viele weitere Austritte gegeben.

  • Allerdings erhält die Zürcher Sektion der SVP auch Zulauf von Impf- und Massnahmen-Skeptikern: Mittlerweile habe die Partei über 10’000 Mitglieder.

Seinen Parteiaustritt kündigte Karl Zweifel auf Facebook an. Als Begründung fügte der 64-Jährige hinzu, es sei der «beschämende und antiwissenschaftliche Schwachsinn, den die Mehrheit in unserer Partei – inklusive Aeschi und Maurer – in Sachen Covid-19 vertritt», der ihn zu diesem Schritt getrieben habe. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» erklärt der einstige Kantons- und Stadtparlamentarier, das Fass zum Überlaufen habe letztlich ein Interview von Bundesrat Ueli Maurer im «SonntagsBlick» gebracht, in dem dieser Sympathie für Impfverweigerer bekundete: «Ich bewege mich auch unter Leuten, die sich nicht impfen lassen wollen. Das sind nicht einfach Spinner und Verschwörungstheoretiker, sondern senkrechte Schweizer, die sagen: Jetzt geht der Staat zu weit.»

Thomas Aeschi, SVP-Fraktionschef im Nationalrat, muss ebenfalls Kritik einstecken: Zweifel bezeichnet ihn als «Balkan-Verehrer», da er noch im Juli Nationen wie Serbien oder Albanien als Vorbilder für die Schweiz gepriesen habe, weil diese ihre Corona-Massnahmen zurückgefahren hätten. «Und jetzt sind 50 Prozent der Intensivpflegebetten voll mit Rückkehrern aus diesen Ländern», so Zweifel.

Der Chirurg, der sich gemäss dem Bericht der Vernunft verpflichtet fühlt, bezeichnet die Politik der SVP beim Thema Covid-19 als «radikalisiert und total falsch». Es habe jeder die Möglichkeit, sich zu informieren – wer dann trotzdem noch Masken und Impfung ablehne, «habe nicht alle Tassen im Schrank». Wenn sich alle impfen lassen würden, könnte das Virus «in sechs bis acht Wochen» weg sein. Auch die Haltung der Partei zur Ehe für alle zeige, dass sich die SVP «mental noch im Mittelalter» befinde.

Während manche in der Partei den Abgang Zweifels bedauern – unter ihnen SVP-Stadtparteipräsident Mauro Tuena – kritisiert etwa Kantonsrat Claudi Schmid den Schritt: Es sei «schwach, sehr schwach», nach zwei Jahren aus dem Kantonsrat abzuhauen. Zweifel sei es «möglicherweise zu anstrengend» gewesen, Gesetze in der Gesundheitspolitik aktiv mitzugestalten.

Profil der SVP-Mitglieder im Wandel

Wie Zweifel gegenüber dem «Tagi» angibt, ist er allerdings nicht der Einzige, der der SVP den Rücken kehrt: So habe die Partei wegen ihrer Haltung zum Umgang mit Corona innert eines Jahres «mehrere Hundert» Mitglieder verloren. Im Bericht wird etwa Thomas Schwendener genannt, der für die SVP 16 Jahre lang im Stadtparlament sass und der nun ebenfalls seinen Austritt angekündigt habe. Exponenten wie Maurer und Thomas Aeschi würden mit ihrer Haltung einen neuen Lockdown riskieren, führt Schwendener an. Das sei unverantwortlich.

Dennoch soll die Partei mitgliedermässig unterm Strich zugelegt haben, da viele neu dazugekommen seien – ebenfalls aufgrund der Corona-Politik der Partei. Laut Benjamin Fischer, dem Präsidenten der kantonalen SVP, liegt die Zahl der Parteigängerinnen und -gänger mittlerweile über 10’000. So soll etwa Mike Burri, ehemaliger SVP-Gemeinderat von Wettswil, der nach Querelen aus der Partei austrat, damit liebäugeln, sich wieder der SVP anzuschliessen: Die Partei sei «die einzige, die etwas gegen die Corona-Massnahmen macht».

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(trx)

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