Aktualisiert 05.09.2016 09:54

Krankenkasse CSS

Wer mehr Schritte geht, zahlt weniger Prämie

Sportliche Menschen sind seltener krank, heisst es. Eine Versicherung belohnt daher neu Kunden, die sich täglich bewegen, mit Rabatten.

von
kwo
1 / 5
Das Programm MyStep wurde diesen Sommer eingeführt.

Das Programm MyStep wurde diesen Sommer eingeführt.

Wer viel Sport treibt und sich gesund ernährt, ist aus Sicht der Krankenkassen ein Traumkunde. «Wir können uns auch vorstellen, ein Rabattangebot für Kunden einzuführen, die sich nachweislich gesund ernähren», erklärt Philomena Colatrella von der CSS.

Wer viel Sport treibt und sich gesund ernährt, ist aus Sicht der Krankenkassen ein Traumkunde. «Wir können uns auch vorstellen, ein Rabattangebot für Kunden einzuführen, die sich nachweislich gesund ernähren», erklärt Philomena Colatrella von der CSS.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Wie genau eine Überprüfung der Ernährung der Kunden stattfinden würde, sagte Colatrella im Interview nicht. Foto: eine Händlerin verkauft Salat auf dem Helvetiaplatz in Zürich.

Wie genau eine Überprüfung der Ernährung der Kunden stattfinden würde, sagte Colatrella im Interview nicht. Foto: eine Händlerin verkauft Salat auf dem Helvetiaplatz in Zürich.

Keystone/Gaetan Bally

Fitbit, Garmin, Jawbone: Viele Schweizer setzen auf Sport-Apps und Fitnesstracker, um fitter zu werden. Nicht nur die Hersteller von Fitness-Anwendungen selbst hoffen durch das steigende Gesundheitsinteresse der Bevölkerung auf ein gutes Geschäft. Auch Krankenkassen möchten die Tools verwenden, um ihre Kunden zu mehr Bewegung zu motivieren. Die Überlegung: Wer mehr Sport macht, wird seltener krank – und kostet weniger.

Der Krankenversicherer CSS hat aus diesem Grund letztes Jahr ein Produkt getestet, das Kunden mit einer Zusatzversicherung mit einem Rabatt von 12.40 Franken pro Monat, beziehungsweise 40 Rappen pro Tag, belohnt, Voraussetzung: Sie müssen täglich 10'000 Schritte gehen. So sollen längerfristig die Kosten bei den Prämien gesenkt werden. Definitiv eingeführt wurde das Angebot, das den Namen MyStep trägt, diesen Sommer.

Vertrauen in die Kunden

Kritiker monieren, dass das neue Modell zu Betrug anregen könnte. Schliesslich könnte man sein Fitness-Armband auch einem Kollegen ausleihen, wenn dieser joggen geht. Bei der CSS gibt man sich diesbezüglich locker: «Wir vertrauen bewusst darauf, dass unserer Kunden die Schritte selber machen. Wir sind überzeugt, dass es in ihrem eigenen Interesse ist, sich im Alltag mehr zu bewegen», so eine Sprecherin. Auffälligkeiten gehen die CSS aber nach, um die Ursachen identifizieren zu können.

MyStep entstand aus einer Zusammenarbeit der CSS mit der Universität St. Gallen und der ETH Zürich. Die Kunden, die das Angebot nutzen möchten, müssen gegenüber den verschiedenen Fitnessarmband-Herstellern einwilligen, dass ihre Daten an die CSS übermittelt werden. Die Versicherung wertet die Daten aus, wobei der Datenschutz immer eingehalten werde.

Experte findet Gefallen an Idee

Comparis-Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly gefällt die Idee der CSS: «Grundsätzlich finde ich das Belohnungsmodell, das mit Anreizen arbeitet, gute.» Im Gegensatz zum Zustupf ans Fitness-Abo lasse sich bei MyStep messen, ob jemand tatsächlich Sport gemacht habe oder nicht. Wichtig sei bei solchen Angeboten aber, dass sie frewillig seien und niemanden aufgrund körperlicher Eigenschaften diskriminierten. Auch dem Datenschutz müsse immer Rechnung getragen werden.

Bei Erfolg könnte das Angebot ausgebaut werden. CSS-Chefin Philomena Colatrella sagte zur Einführung: «Wir wollen das Angebot auf weitere Bewegungsarten wie Velofahren und Schwimmen ausweiten. Wir können uns auch vorstellen, ein Rabattangebot für Kunden einzuführen, die sich nachweislich gesund ernähren.» Wie genau eine Überprüfung der Ernährung stattfinden könnte, sagte Colatrella nicht.

Fitnessportal mit Healthscore

Eine Möglichkeit wären Angebote der Firma Dacadoo. Ihr Hauptprodukt: Ein Fitness-Portal inklusive Mobiltelefon-Anwendung, auf dem die Nutzer ihre Angaben zu Geschlecht, Alter, Grösse und Gewicht eingeben. Aus diesen Daten berechnet Dacadoo einen «Healthscore», der den Gesundheitszustand des Nutzers in einem Wert zwischen 1 und 100 ausdrückt. Treibt ein Nutzer viel Sport und isst er gesund, kann er den Score verbessern. Es gilt: je höher, desto besser.

Dacadoo hat mit seinem Angebot vor allem Firmen im Visier. Ein Kunde ist die Recura-Kliniken-Gruppe, die in Ostdeutschland Kliniken und Einrichtungen im Gesundheitsbereich betreibt. Mediensprecherin Mandy Mehlitz sagte zu 20 Minuten, ihr Betrieb erhoffe sich durch den Einsatz der App mehr Aktivität der Mitarbeiter sowohl während der Arbeit als auch in der Freizeit.

Fehler gefunden?Jetzt melden.