Tierheim sucht Abnehmer : Wer möchte eine ehemalige Laborratte bei sich aufnehmen? 

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Tierheim sucht Abnehmer Wer möchte eine ehemalige Laborratte bei sich aufnehmen? 

Ein Tierheim bei Biel gibt Laborratten eine Chance auf ein neues Leben. Das Konzept scheint vielversprechend.

von
Dominique Dussling
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Ein Tierheim in Orpund vermittelt ausgediente Laborratten an Privatpersonen.

Ein Tierheim in Orpund vermittelt ausgediente Laborratten an Privatpersonen.

Carolin Strasser
Wegen ihrer hohen Intelligenz und Neugier sind die Nager bei Verhaltensexperimenten beliebt.

Wegen ihrer hohen Intelligenz und Neugier sind die Nager bei Verhaltensexperimenten beliebt.

Carolin Strasser
Laut dem Tierheim Rosel handelt es sich bei den Ratten mehrheitlich um Tiere, die nicht an Experimenten beteiligt waren.

Laut dem Tierheim Rosel handelt es sich bei den Ratten mehrheitlich um Tiere, die nicht an Experimenten beteiligt waren.

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Darum geht es:

  • Das Tierheim Rosel in Orpund BE sucht ein Daheim für die Laborratten der ETH Lausanne.

  • Eine Vermittlung an ein artgerechtes Zuhause rettet die Tiere vor dem sicheren Tod.

  • Das Projekt war bereits erfolgreich. 300 Ratten der Uni Zürich fanden ein neues Zuhause.

  • Interessentinnen und Interessenten können sich telefonisch beim Tierheim Rosel melden.

Das Tierheim Rosel in Orpund nimmt ausgediente Laborratten auf und vermittelt sie an private Halterinnen und Halter. Die Versuchstiere stammen von der ETH Lausanne, wie das Online-Portal Ajour.ch berichtet. Wegen ihrer hohen Intelligenz und Neugier sind die Nager bei Verhaltensexperimenten beliebt. Bisher wurden die Tiere am Ende ihrer Laufbahn eingeschläfert.

Nun aber spannen Tierschutz und Forschung zusammen, um den Tieren einen neuen Lebensabschnitt zu ermöglichen. Privat platziert werden können nur Ratten, die an Experimenten mit geringem Schweregrad beteiligt waren. Das heisst: Die zur Adoption stehenden Ratten wurden nur Versuchen ausgesetzt, die kurzfristige, leichte Schmerzen oder eine leichte Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens verursachten. Ebenfalls ausgeschlossen sind gentechnisch veränderte Tiere. «Mehrheitlich handelt es sich bei den Ratten um Ausschuss, das heisst um Tiere, die nie zu experimentellen Zwecken eingesetzt wurden», präzisiert Carolin Strasser vom Tierheim Rosel gegenüber 20 Minuten. 

Rehoming hat Potenzial

Die ETH Lausanne ist nicht die erste Forschungsanstalt, die ihre ehemaligen Labortiere an Private abgibt. Die Universität Zürich konnte bereits 300 Ratten vermitteln und somit vor dem Tod bewahren. Dies zeigt das Potenzial des Rehomings. Doch die Zürcher und Berner Ratten sind nur ein Bruchteil der jährlich getöteten Versuchstiere. Durch eine Ausweitung der Initiative könnten nicht nur Ratten, sondern beispielsweise auch Mäuse oder Zebrafische gerettet werden. Neben den Tieren profitieren auch die Forschenden. Sie freuen sich, den Tieren ein neues Leben bieten zu können. 

Eingewöhnung als Haustier

Die Ratten in Orpund werden inzwischen langsam an ihr baldiges Haustier-Leben herangeführt. Die Nagetiere kannten bisher nur Zeitungsstreifen, Plastikhäuschen und Futterpellets. Im Tierheim werden sie beispielsweise an Holz, Heu und an Gemüse gewöhnt.

Möchtest du ehemaligen Laborratten ein Zuhause bieten? Dann melde dich beim Tierheim Rosel in Orpund, Tel. 032 341 85 85.

Tierversuche in der Schweiz

Im Jahr 2020 wurden in der Schweiz 556’107 Versuchstiere eingesetzt. Mäuse werden mit 62 Prozent am häufigsten verwendet. Ratten machen 9,5 Prozent aus, deutlich weniger als Vögel mit 13 Prozent. Fische sind verhältnismässig selten. Der Anteil an Primaten bei Tierversuchen ist mit 190 Einsätzen im Jahr 2020 am geringsten. 

Laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit dürfen Tierversuche nur bewilligt werden, wenn keine Alternativen möglich sind, mit der die Fragestellung beantwortet werden kann. In der Schweiz sind Forschende verpflichtet, Tierversuche auf ein Minimum zu beschränken. In den letzten Jahrzehnten sei es gelungen, die Anzahl Tierversuche von zwei Millionen auf 600‘000 zu reduzieren.

(Quelle: Bericht Tierversuchsstatistik 2020)

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