Aktualisiert 05.02.2017 16:45

Futterpapst «Wer nicht frühstückt, behandelt sein Auto besser als sich»

Futterpapst Jürg Hösli speckt in seiner heutigen Kolumne mit den bekanntesten Ernährungsmythen ab.

von
Jürg Hösli
Lolostock, iStock

In der Ernährung hat heute sehr viel Angst Einzug gehalten. Unsicherheit ist an der Tagesordnung. Der letzte Beitrag war der Versuch, den Gedankenalltag einiger Menschen überspitzt darzusstellen, und in diesem Beitrag sollen nun Antworten folgen.

Das Frühstück hat auf verschiedenen Ebenen einen wichtigen Einfluss auf unseren Tag. Wir messen mit allen Kunden den individuellen Stoffwechsel und analysieren die Auswirkungen von Sport und Ernährung auf Körperfett, mentale und körperliche Leistungsfähigkeit. Die Resultate zeigen klar: Wer frühstückt, wird mental leistungsfähiger und stressresistenter. Der Stoffwechsel steigt, wir verbrennen mehr Körperfett und haben am Abend weniger Hunger. Das Argument, am Morgen keinen Hunger zu haben, ist nachvollziehbar, doch wer ein paar Tage gefrühstückt hat, der kann es schon nach kurzer Zeit nicht mehr aus dem Alltag wegdenken. Das Frühstück hat zudem einen wichtigen psychologischen Effekt. Wenn wir mit Stress in den Tag starten und für uns selbst keine Zeit nehmen, dann vernachlässigen wir uns und unseren Körper auch eher über den Tag. Wir würden nie in ein Auto einsteigen, ohne es betankt zu haben. Wer nicht frühstückt, der behandelt sein Auto besser als seinen Körper.

Zwischenmahlzeiten werden heute ebenfalls heiss diskutiert. Noch an der Uni habe ich gelernt, dass wir bei übergewichtigen Menschen keine Zwischenmahlzeit anwenden sollten, da der Blutzucker tief gehalten werden sollte. In den letzten Jahren haben wir aber bemerkt, dass dies eben bei vielen Menschen falsch ist. Wer besonders viel Stress oder einen hohen Stoffwechsel, also hohen Verbrauch hat, der sollte auf Früchte, Nüsse, Gemüse als kleine Zwischenmahlzeiten zurückgreifen. Der körperliche Stress wird dadurch reduziert, die folgenden Mahlzeiten, insbesondere das Abendessen, fallen dadurch kleiner aus. Was uns auch erstaunte, ist, dass die Aussage, wer zwischendurch Früchte esse, behindere die Fettverbrennung, schlicht falsch ist, das Gegenteil ist bei diesen «Stresstypen» der Fall. Zwischenmahlzeiten können den Stoffwechsel erhöhen, dann haben wir auch mehr Fettverbrennung. Allein dieses Beispiel zeigt, wie individuell die Ernährung ist.

Wer rund ein Drittel des Tellers Kohlenhydrate zum Mittagessen einnimmt, der hat weniger Lust auf Süsses am späteren Nachmittag oder Abend. Das allein sorgt für eine Reduktion des aufgenommenen Zuckers. Am Abend scheint zudem der Hunger kleiner zu sein. So nehmen wir auch ab, insbesondere am Bauch. Wer übrigens nur ein Drittel des Tellers Kohlenhydrate isst, der wird auch direkt nachher weniger müde als nach einem Teller Pasta.

Wer vor einem intensiven Training keine Kohlenhydrate isst, der wird nie so hart trainieren können und hat so auch einen kleineren Trainingseffekt. Vor einem Training sollten es aber keine Vollkornprodukte sein, sondern Zucker oder schnell verdauliche Kohlenhydrate, weil Vollkornprodukte zu lange im Magen verweilen würden. Ein Laugenbrot mit Bündnerfleisch oder ein veganer Proteinshake mit Banane wäre hier eine tolle Lösung.

Essen nach dem Training – hier gibt es tausend Meinungen. Darum messen wir jeweils auch die Folgen verschiedener Varianten. Kurz gesagt, das Schlimmste für den Körper ist, wenn wir direkt nach dem Training über Stunden nichts mehr essen. Der körperliche Stress wird erhöht, der Stoffwechsel gesenkt, dadurch nimmt längerfristig die Fettverbrennung ab. Zudem vermeiden wir Hungerattacken rund 90 Minuten nach dem Training. Im nächsten Beitrag folgt mehr zu genau diesem Thema.

Jürg Hösli ist Ernährungswissenschaftler, Querdenker und greift gerne kontroverse Themen aus Sport, Psychologie und Ernährung auf. Er ist seit 30 Jahren im Leistungssport, hat Weltmeister und Olympiasieger betreut. Er ist Begründer der Ernährungsdiagnostik und der Schule für Ernährungsdiagnostik erpse in Winterthur. Hösli betreut hier vor allem übergewichtige Klienten und Menschen mit Reizdarm oder Erschöpfungszuständen. Für 20 Minuten schreibt er unter dem Namen Futterpapst Kolumnen.

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