«Wer nicht mitmachte galt als Weichei»
Aktualisiert

«Wer nicht mitmachte galt als Weichei»

Das Medienecho nach der Publikation von Fotos, die Bundeswehr-Soldaten mit Totenschädeln posierend zeigen, war riesig. Nun äussert sich einer der betroffenen Soldaten in einem Interview.

Der «Bild»-Zeitung vom Freitag gewährte einer der involvierten deutschen Militärs ein Interview. Nach Aussage des Soldats stammt der Schädel, mit dem die Leichenschänder-Fotos angefertigt wurden, nicht aus einem Friedhof sondern aus einer afghanischen Kiesgrube. «Dort haben die Afghanen den Lehm, den sie für ihre Ziegel benötigt haben, abgegraben. Dabei kamen diese ganzen Knochen raus. Es war kein Friedhof, keine Kultstätte!»

Sie hätten bei der Kiesgrube zufällig einen Halt eingelegt, dabei seien die Schädel entdeckt worden. Zuerst habe einer seiner Kameraden den Schädel in die Hand genommen und die zum Teil perversen Fotos angefertigt worden. Niemand sei zum Mitmachen gezwungen worden. Aber: «Wer nicht mitmacht, hätte als Weichei gegolten», sagte der Soldat zu «Bild». Die Leichenschänderei betitelte der Soldat mit «Dumm gelaufen. Blödsinn gemacht. Ich wär besser nicht dabei gewesen.»

In kriegsgeschüttelten Afghanistan selbst wird wegen der Skandal-Bilder übrigens (noch) kein grosses Aufheben gemacht. «Solange die Ausländer die lebendigen Menschen in Ruhe lassen, ist die Schändung der Toten nur halb so schlimm», werden Afghanen im «Tages-Anzeiger» zitiert.

Dem Sender RTL wurden gestern Fotos zugespielt, die deutsche Soldaten erneut in schockierenden Posen mit einem Totenschädel zeigen. Diese Aufnahmen seien jüngeren Datums als die von «Bild» veröffentlichten Bilder, teilte RTL mit.

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