Aktualisiert 30.06.2011 09:49

Schwangerschaftsabbruch

«Wer nicht verhütet, soll selbst bezahlen»

Die neue Abtreibungs-Initiative wühlt die Leser von 20 Minuten Online auf. Während die einen Abtreibungen grundsätzlich als «Mord» ablehnen, stellen andere die Notsituation der Betroffenen in den Vordergrund.

von
rus
Nicht nur die Abtreibungsfinanzierung ist bei den Lesern ein heiss diskutiertes Thema, sondern auch die Abtreibungsfrage selbst. Im Bild ein drei Monate alter Fötus auf dem Ultraschallgerät.

Nicht nur die Abtreibungsfinanzierung ist bei den Lesern ein heiss diskutiertes Thema, sondern auch die Abtreibungsfrage selbst. Im Bild ein drei Monate alter Fötus auf dem Ultraschallgerät.

Abtreibungen sollen künftig nicht mehr von der Grundversicherung der Krankenkassen übernommen, sondern über eine Zusatzversicherung oder aus dem eigenen Sack bezahlt werden. Das fordert die Volksinitiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache», die nächste Woche eingereicht wird, wie 20 Minuten Online berichtete. Der Beitrag hat in der Leserschaft eine heftige Diskussion ausgelöst, in welcher nicht nur über die Finanzierungsfrage, sondern auch grundsätzlich über die Abtreibungsthematik gestritten wird.

«Abtreibung ist ein Mord, den ich nicht mitfinanzieren will», schreibt beispielsweise Dalibor Kalna. Ähnlich tönts bei Xehad: «Gerade für religiöse Menschen ist es ein Affront, wenn sie so etwas Scheussliches mitfinanzieren müssen. Ich bezahle 1000-mal lieber Sozialhilfe für Mutter und Kind, anstatt mich an einem Kindsmord zu beteiligen.»

«Seien wir nicht päpstlicher als der Papst», schreibt hingegen Manuel Koechlin und fragt, ob eine Abtreibung in der 12. Woche schon eine Tötung sei. Und wenn ja, wo dann die Grenze zu ziehen sei. Von Jonathan Diethelm erhält er postwendend eine Antwort: «In der 12. Woche schlägt das Herz, Hirnwellen können registriert werden und der Embryo hat einen eigenen Fingerabdruck. In den Genen dieses kleinen Wesens ist doch schon alles da.»

Wann ist es eine Notsituation?

Bei den Initiativbefürwortern finden sich viele, die in Ausnahmefällen eine Abtreibungsfinanzierung über die Grundversicherung zulassen wollen – etwa bei Vergewaltigungen oder bei medizinischen Komplikationen. Hingegen mögen die meisten nicht glauben, dass es sich in allen Fällen der jährlich über 10 000 Abtreibungen in der Schweiz um echte Notsituationen handelt. «Ich arbeite im Spital und sehe täglich Frauen, die aus manchmal wunderlichen Gründen abtreiben», so eine Leserin.

Auf der Gegenseite stösst diese Argumentation auf vehementen Widerspruch: «Eine Abtreibung ist wohlüberlegt, eine grosse psychische und physische Belastung und wird nicht einfach aus Spass gewählt», ist ein Leser überzeugt. Ein anderer meint: Es seien «verzweifelte junge Frauen, Frauen, die vom Mann sitzengelassen wurden, Frauen, die vergewaltigt wurden, Frauen, die eventuell ein behindertes Kind zu Welt bringen und das nicht unterstützen können», die zu einem Schwangerschaftsabbruch gezwungen seien.

Ein Leser findet die Initiative schlicht «frauenfeindlich», weil dann nur noch die Frauen selber für die Abtreibung bezahlen müssten: «Männer werden ja kaum eine Zusatzversicherung abschliessen.»

Verhüten statt abtreiben

Breiten Raum nimmt das Thema Verhütung ein, wobei auch an die Selbstverantwortung der Paarungswilligen appelliert wird. «Viele nehmen es mit der Verhütung nicht mehr so genau, gerade weil man ja so günstig abtreiben kann», schreibt Monika. Eine Leserin will insbesondere auch die Männer in die Pflicht nehmen: «Die Männer sind in der Verhütungsfrage eindeutig seit Jahrhunderten das schwache Geschlecht.» Und eine andere schreibt: «Wer nicht fähig ist zu verhüten, der soll die Abtreibung selbst bezahlen.»

Auf Kritik stösst zudem, dass zwar Abtreibungen bezahlt werden – nicht aber die Verhütung: «Die Kassen sollen konsequent sein und Prävention und Verhütung übernehmen oder eben Schwangerschaftsabbrüche nicht mehr bezahlen», findet ein Leser. Würde die Anti-Baby-Pille von den Kassen finanziert, könnten Abtreibungen verhindert werden, ist eine Leserin überzeugt.

Solidaritätsgedanke

Die Initiativgegner pochen vor allem auf den Solidaritätsgedanken, der für eine Finanzierung über die obligatorische Grundversicherung spricht. «Nur weil jemand gegen Bluttransfusionen oder Organspenden ist, käme auch niemand auf die Idee, dass so etwas selbst bezahlt werden soll», meint eine Leserin. «Als Nichtraucher muss ich auch die Krebsbehandlungen der Raucher bezahlen», findet Sammy.

Und schliesslich gibt es jene, die in Abtreibungen einen Beitrag gegen die Überbevölkerung sehen – wie Ralph Schibli: «Vielfach ist eine Abtreibung sinnvoll. Die Bevölkerungs-Explosion wird die Menschheit noch vor viele, viele Daseins-Probleme führen.»

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