Gehirn in der Tasche: Wer oft am Smartphone hängt, wird denkfaul
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Gehirn in der TascheWer oft am Smartphone hängt, wird denkfaul

Wer häufig googelt, statt selbst zu denken, riskiert seine Intelligenz. Dies haben kanadische Forscher in einer Studie herausgefunden.

von
tob
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Der Basler Medienfuturist Gerd Leonhard geht davon aus, dass wir durch die zunehmende Abhängigkeit von unseren Smartphones verschiedene Fähigkeiten verlernen könnten. In einer aktuellen Mitteilung nennt er fünf mögliche Fälle von digitaler Demenz.

Der Basler Medienfuturist Gerd Leonhard geht davon aus, dass wir durch die zunehmende Abhängigkeit von unseren Smartphones verschiedene Fähigkeiten verlernen könnten. In einer aktuellen Mitteilung nennt er fünf mögliche Fälle von digitaler Demenz.

20 Minuten/Philipp Stirnemann
1. Fremdsprachen lernen
1. Fremdsprachen lernen

Künftig haben wir es nicht mehr nötig, Fremdsprachen zu lernen: «Mit der Software Skype Translate oder mit der App Say Hi können wir jetzt schon mit fremdsprachigen Menschen in unserer Muttersprache reden.»

Keystone/Gaetan Bally
«Was wir sagen, wird in Echtzeit übersetzt und kommt beim Empfänger in dessen Sprache an. Künftig können wir beispielsweise beim Daten oder im Restaurant das Handy reden lassen.»

«Was wir sagen, wird in Echtzeit übersetzt und kommt beim Empfänger in dessen Sprache an. Künftig können wir beispielsweise beim Daten oder im Restaurant das Handy reden lassen.»

Keystone/Gaetan Bally

Telefonnummern, Wegbeschreibungen oder Bewertungen von Restaurants: Mit dem Smartphone und Suchmaschinen lassen sich diese Informationen innert Sekunden herausfinden. Nun zeigen kanadische Forscher auf, dass uns diese Bequemlichkeit denkfaul macht. Es besteht die Gefahr, dass das Denken auf «das Gehirn in der Hosentasche» ausgelagert wird, schreiben die Forscher im Fachmagazin «Computers in Human Behaviour».

Anfällig für die Denk-Auslagerung seien vor allem Nutzer, die eher nach dem Bauchgefühl, sprich intuitiv, handeln. Dies hat eine Studie mit 660 Probanden gezeigt. «Sie suchen nach Infos, die sie eigentlich wissen oder leicht lernen können, weil sie sich nicht die Mühe machen wollen, nachzudenken», schreibt Gordon Pennycook, Co-Autor der Studie, in einer Mitteilung der Universität Waterloo in Kanada. Analytische Denker und intelligentere Personen hingegen würden viel weniger Zeit mit der Suchfunktion ihres Smartphones verbringen, so Pennycook.

Vor einer digitalen Demenz warnte jüngst auch der Schweizer Futurist Gerd Leonhard. Er ist der Ansicht, dass uns das Handy entmündigt und abhängig macht. Dank Apps wie Skype oder digitalen Karten würden wir wichtige Fähigkeiten verlernen, etwa die Orientierung im Raum oder das Lernen von Fremdsprachen.

Social Media? Kein Problem

Laut den kanadischen Forschern besteht ein Zusammenhang zwischen intensiver Smartphone-Nutzung und geringer Intelligenz. Ob die häufige Nutzung dazu führe, dass die Intelligenz verringert wird, bleibe eine offene Frage. Hier seien weitere Studien notwendig, so die Wissenschaftler. Pennycook hält es indes für möglich, dass sich diese vom Smartphone ausgelöste Denkmüdigkeit negativ auf den Alterungsprozess auswirkt.

Die positive Seite: Während die häufige Smartphone-Suche etwas über die Intelligenz aussage, habe das Betrachten von Medien und die Nutzung von sozialen Netzwerken keinen Einfluss auf die Intelligenz. So hätten die Forscher bei ihrer Studie keine Verbindung zwischen der Nutzung solcher Dienste und kognitiven Fähigkeiten gefunden.

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