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Spontan statt ListeWer ohne Liste einkauft, gibt zu viel aus

Statt mit Liste wird heute meist nur noch spontan eingekauft – zumindest bei Singles und Doppelverdienern. Das fördert die Verschwendung, sagt ein Experte.

von
vro
Ohne Einkaufszettel kaufen die Leute mehr ein, als sie brauchen. Trotzdem lassen vor allem Singles und Dinks Listen heutzutage weg.

Ohne Einkaufszettel kaufen die Leute mehr ein, als sie brauchen. Trotzdem lassen vor allem Singles und Dinks Listen heutzutage weg.

Lange Einkaufslisten mit den Zutaten minutiös ausgearbeiteter Speisepläne und bis an den Rand gefüllte Taschen nach dem Wocheneinkauf – was früher in praktisch allen Haushalten Norm war, verschwindet zunehmend. Das Einkaufsverhalten der Menschen ändert sich, wie eine Umfrage des britischen Lebensmittelunternehmens Co-operative Food zeigt.

Die Resultate zeigen, dass Eltern aufgrund langer Arbeitszeiten weniger Zeit für die Planung und Durchführung von grossen Wochen- oder Monatseinkäufen haben, wie die britische «Daily Mail» schreibt. Weniger als ein Zehntel der 2000 Befragten plant seinen wöchentlichen Lebensmittelbedarf im Voraus.

Einer von sechs hat keine Einkaufsliste

Die Umfrage zeigt einen weiteren Trend: Einkäufe werden immer häufiger Mitte der Woche getätigt statt am Wochenende. Ausserdem werden kleinere Convenience Stores grossen Supermärkten vorgezogen. Der Grund dafür liegt in der steigenden Zahl von Single-Haushalten und dem Bedürfnis, Food Waste entgegenzuwirken, wie Co-op erklärt.

Sie schreiben noch Postizettel oder erstellen einen auf einer App? Schicken Sie uns das Foto oder den Screenshot ihrer Liste:

Weshalb immer mehr Leute lieber spontan einkaufen gehen, erklärt sich das Unternehmen damit, dass viele beschäftigte Menschen erst wenige Stunden im Voraus entscheiden, was sie essen wollen. Entsprechend fehlt einem Sechstel der Befragten ein wichtiges Accessoire: der Einkaufszettel.

Anbieter begünstigen Spontankäufe

Konsumpsychologe Christian Fichter erklärt, dass der Trend weg vom Einkaufszettel hin zu Spontankäufen auch auf die Schweiz zutreffen dürfte. Konkrete Daten dazu gebe es zwar nicht, jedoch könne man diese Schlussfolgerung aufgrund der demographischen Entwicklung machen: «Es gibt immer mehr Single- und Dink-Haushalte. Die Bezeichnung Dink steht dabei für «Double Income, No Kids» – also kinderlose Doppelverdiener-Paare. «Solche Menschen können trotz eines Vollzeitberufs spontaner sein. Sie haben es nicht mehr nötig, lange zu planen», sagt Fichter.

Dazu komme, dass sich auch die Bedingungen geändert haben. «Mit den erweiterten Ladenöffnungszeiten erhalten Singles und Dinks eine grössere Freiheit betreffend der Tagesplanung», so Fichter. Ausserdem würden auch die Anbieter vieles dafür machen, Spontaneinkäufe zu fördern.

Planung ist anstrengend, aber sinnvoll

Schweizer Familien setzen laut dem Experten jedoch nach wie vor auf Einkaufslisten. Müssen sie auch: «Familien müssen nicht nur mit der Zeit, sondern auch mit dem Geld haushälterisch umgehen können.» Sie hätten deshalb kaum eine andere Wahl. Den wöchentlichen Lebensmittelbedarf für eine ganze Familie in kleinen Läden einzukaufen, liege finanziell nicht drin.

Ausserdem kann es laut Fichter auch nachteilig sein, ohne Zettel einzukaufen. Spontanes Einkaufen ermögliche im Alltag zwar einen Moment des Lustgewinns, doch kaufe man auf diese Weise zu viel ein. Folglich würden die Leute auch mehr Geld ausgeben und zur allgemeinen Verschwendung beitragen.

«Daher wäre es wünschenswert, wenn wir unsere Einkäufe wieder besser planen würden», sagt der Experte. Zwar sei das anstrengend und wenig lustvoll, aber: «Ein Einkaufszettel ist nicht nur Nostalgie, sondern ein effektives Instrument zur Steigerung von Wirtschaftlichkeit und Effizienz der Privathaushalte.»

7 goldene Regeln für richtiges Einkaufen

Einkaufszettel machen: Notieren Sie, in welche Geschäfte Sie gehen wollen, was Sie dort kaufen wollen und gegebenenfalls wie viel davon.

Budget: Erstellen Sie für jeden Einkauf ein Budget. Das geht Hand in Hand mit dem Einkaufszettel.

Bedenkzeit: Bei grösseren Einkäufen niemals sofort zugreifen, sondern immer mindestens eine Nacht drüber schlafen. Oft ist das positive Bauchgefühl dann weg und das Verlangen nach dem Produkt auch.

Kinder zu Hause lassen: Wenn möglich ohne Kinder einkaufen. Sie haben eine mangelhafte Impulskontrolle, die sich beim Einkaufen auf die Erwachsenen überträgt.

Routine einhalten: Nicht einmal hier, einmal dort einkaufen, sondern möglichst dieselbe Routine abwickeln. So spart man Zeit und Geld und kommt nicht so schnell in Versuchung, «mal was Neues auszuprobieren» - was natürlich eine Marketingstrategie ist, um uns unnötige Dinge anzudrehen.

Richtiges Timing: Kaufen Sie nicht vor dem Essen ein. Wer hungrig ist, kauft mehr als er tatsächlich braucht.

Im Rahmen bleiben: Aktion hin oder her, kaufen Sie nur das, was Sie wirklich benötigen.

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