Demo gegen «Steinzeit-Mode»: Wer Pelz trägt, bekam den «Arschloch»-Sticker
Aktualisiert

Demo gegen «Steinzeit-Mode»Wer Pelz trägt, bekam den «Arschloch»-Sticker

Mehrere hundert Personen haben am Samstag in der Zürcher Innenstadt gegen das Tragen von Pelz demonstriert. Sie fordern ein Importverbot für Pelz.

von
D. Waldmeier

Lautstarker Protest: So lief die Anti-Pelz-Demo ab. (Video: daw / 20 Minuten)

«Wut und Empörung wie noch nie, auf die gesamte Pelzindustrie» oder «Pelzfarmen gehören abgeschafft»: Solche Parolen skandierten die rund 300 bis 500 Demonstranten unablässig, als sie am Samstagnachmittag durch die Zürcher Bahnhofstrasse zogen.

Wenn ein Passant trotz der spätsommerlichen Temperaturen bereits seinen Pelzkragen ausführte, bekam er einen Sticker auf die Jacke geklebt, der wenig Interpretationsspielraum offen liess: «Ich bin ein Arschloch und trage Pelz», hiess es darauf.

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Gegen Käfighaltung: Tierfreunde protestieren in Zürich gegen Pelz.

Gegen Käfighaltung: Tierfreunde protestieren in Zürich gegen Pelz.

Wut und Empörung wie noch nie, auf die gesamte Pelzindustrie» oder «Pelzfarmen gehören abgeschafft» skandierten die Demonstranten.

Wut und Empörung wie noch nie, auf die gesamte Pelzindustrie» oder «Pelzfarmen gehören abgeschafft» skandierten die Demonstranten.

Zur Anti-Pelz-Demonstration hatten verschiedene Tierschutz-Organisationen aufgerufen.

Zur Anti-Pelz-Demonstration hatten verschiedene Tierschutz-Organisationen aufgerufen.

«Ich finde es beschämend»

Julie, eine der Demonstrantinnen, sagt zu 20 Minuten: «Wir wollen bewirken, dass Pelz abgeschafft wird.» Dass auch von ihren Kollegen einige ein Fell tragen, erklärt sie sich wie folgt: «Es sieht edler aus, es sieht schicker aus, man hat Geld – aber kein Herz.»

Primarlehrer Robert Rauschmeier trägt zum Zeichen des Protests ein Imitat eines gehäuteten Nerzes um den Hals. Er sagt: «Ich stehe für Tiere ein, die keine Stimme haben und sich nicht wehren können.» Er finde es beschämend, dass Menschen noch immer Pelz tragen würden.

Importverbot für Echt-Pelz gefordert

Zur Anti-Pelz-Demonstration hatten verschiedene Tierschutz-Organisationen aufgerufen, darunter die Anti Fur League und tier-im-fokus. Einer der Redner sprach vom Pelz als «Statussymbol des Todes». Dem «ignoranten Konsumenten» von Pelzprodukten gehe es um «Mode und um sein Ego». «Im Fachjargon wird das Töten der Tiere Ernte genannt. Doch es ist keine Ernte, es ist Folter und Mord», rief er in die Menge. Dies alles geschehe für eine Mode, die in die Steinzeit gehöre, aber sicher nicht ins 21. Jahrhundert.

Nina Bachellerie, Co-Organisatorin der bewilligten Demonstration und Gründerin der Anti Fur League, sagt: «In den 90er-Jahren war das Pelztragen noch verpönt, jetzt gibt es einen riesigen Boom. Seit 26 Jahren wurde nie mehr so viel Pelz in die Schweiz importiert wie heute.» Jetzt, da die Wintermode in die Geschäfte komme, wolle man die Bevölkerung sensibilisieren.

Mit der Demonstration möchten die Organisationen zudem der Forderung nach einem Importverbot für Pelz aus tierquälerischer Produktion Nachdruck verleihen. «Der Import von Robbenprodukten ist ebenfalls verboten worden», sagt die Aktivistin. Dies zeige, dass ein Verbot trotz der Verpflichtungen der Schweiz im Freihandel möglich sei.

Deklarationspflicht seit 2013

Hierzulande gilt seit 2013 eine Deklarationspflicht für Pelze. So müssen Verkäufer angeben, woher und aus welcher Produktion der Pelz stammt – etwa aus Pelzfarmen mit Gitterboden oder aus Fallenjagd.

Zudem beteuern Hersteller wie die kanadische Firma Woolrich, die beliebte Daunen-Parkas mit Fellkragen fertigt, dass sie ethische Standards bei der Produktion einhielten. Hasenfell etwa sei ein Nebenprodukt der Nahrungsmittelproduktion, Kojotenfell stamme von vertrauenswürdigen kanadischen Pelzjägern.

Die Pelzgegner glauben das nicht: «Standardmethoden in der Pelzproduktion nicht nur in China, sondern auch in Europa, erfüllen in der Schweiz den Tatbestand der Tierquälerei», sagt Bachellerie. Über 100 Millionen Tiere würden jährlich für die Pelzindustrie getötet. «Sie werden vergast, erschlagen oder lebendig gehäutet.» Die Deklarationspflicht in der Schweiz habe nicht funktioniert: Es werde leider zu oft nicht korrekt deklariert. Deshalb müsse die Politik nun handeln.

Wie Passanten in der Zürcher Bahnhofstrasse auf den Demonstrationszug reagieren, sehen Sie im Video oben.

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