Schmutz im Zug: Wer pendelt, sollte diese Bereiche nicht anfassen
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Schmutz im ZugWer pendelt, sollte diese Bereiche nicht anfassen

Der Bund stuft die Qualität im öffentlichen Regionalverkehr als insgesamt gut ein. Aber: Verbesserungspotenzial gibts bei der Sauberkeit und bei Durchsagen in Fahrzeugen.

von
daw
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Bei vielen Regio-Linien bemängelten Testkunden die Sauberkeit in den Regionalzügen.

Bei vielen Regio-Linien bemängelten Testkunden die Sauberkeit in den Regionalzügen.

Keystone/Martin Ruetschi
Am Samstagabend sinkt die Bewertung rapide.

Am Samstagabend sinkt die Bewertung rapide.

Nicola Pitaro

Vor zwei Jahren startete das Bundesamt für Verkehr (BAV) mit dem Aufbau eines Qualitätsmesssystems im öffentlichen regionalen Personenverkehr. Für 2017 liegen erstmals die Ergebnisse für ein volles Kalenderjahr vor, wie das BAV am Montag mitteilte.

Laut diesen Angaben bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Unternehmen. 41 Prozent erfüllen etwa bei den Haltestellen den Mindeststandard nicht und haben einen Nachholbedarf. Verbesserungspotenzial sieht das BAV beispielsweise bei der generellen Sauberkeit von Wartehäuschen, von Abfallbehältern oder dem Vorhandensein von Liniennetzplänen.

Fehlende Durchsagen

Im Busverkehr schneiden 13 Prozent ungenügend ab, im Bahnverkehr sind es 23 Prozent. Als Mängel eingestuft werden beim Busverkehr etwa fehlende Durchsagen im Fahrzeug zum nächsten Halt oder die Sauberkeit von Fenstern. Insgesamt 17 Prozent der Unternehmen fielen bei der Sauberkeit ihrer Busse durch.

Bei den Bahnen führte unter anderem eine mangelnde Sauberkeit von Toiletten, Böden und Fenstern zu einer schlechteren Bewertung – am schlechtesten ist die Sauberkeit am Samstagabend. 17 Prozent der Unternehmen erfüllten den Mindeststandard nicht.

So sind bei Haltestellen die Sitze am saubersten. Am dreckigsten sind die Glasflächen der Wartehäuschen.

Im Zug kommen die Haltestangen auf sehr gute Werte. Auch die Sitze und Ablageflächen sind relativ sauber. Ganz anders die Aussenflächen der Züge und der Boden der Toiletten. Auch der WC-Ring und der WC-Deckel sind oft schmutzig.

Im Bus wird die Sauberkeit der Fenster als schlecht bewertet. Auch die Glastrennwände schneiden schlecht ab.

46'941 Bewertungen von Testkunden

Das BAV stellt fest, dass die Qualitätsunterschiede unabhängig von der Unternehmensgrösse seien. Es seien auch keine signifikanten regionalen Unterschiede feststellbar. In vielen Bereichen sehr gut abgeschnitten hätten allerdings die Verkehrsbetriebe der Zentralschweiz.

Karin Blättler, Präsidentin der Bahnkunden-Lobby Pro Bahn, überraschen die Resultate nicht: In allen öffentlichen Räumen und Einrichtungen seien Verschmutzung und Vandalismus ein Problem: «Die Sauberkeit an Haltestellen und in den Fahrzeugen leidet am gesellschaftlichen Verhalten. Dem kann nur mit verstärkten Reinigungseinsätzen begegnet werden, was die Kosten massiv steigern wird.»

Auch bei der Kommunikation gebe es Verbesserungsbedarf: «Die Kundeninformationen sind nicht nur an den Haltestellen und in den Fahrzeugen im Regionalverkehr, sondern ein grundsätzlicher Schwachpunkt. Kundeninformationen im Verspätungsfall oder bei Pannen sind oftmals ungenügend.»

SBB: 1200 Mitarbeiter im Einsatz

Die Transportunternehmen betonen, bereits heute viel zu tun. «Die SBB investiert sehr viel in die Sauberkeit von Bahnhöfen und Zügen: 1200 Mitarbeitende sind täglich im Einsatz, um Abfall zu beseitigen, Züge zu putzen und die rund 800 Bahnhöfe zu reinigen – auch an Samstagabenden», sagt etwa SBB-Sprecher Reto Schärli. So habe beim grössten S-Bahn-Netz in der Region Zürich auch bei der Sauberkeit gute Noten vom Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) erhalten.

2017 wurden insgesamt 46'941 Erhebungen von Testkunden bei 88 Bahn- und Bus-Unternehmen durchgeführt. Das BAV hat Zielwerte festgelegt. Erreicht ein Unternehmen diese nicht, so muss es Massnahmen zur Verbesserung ergreifen. Tritt längerfristig keine Besserung ein, ist eine Ausschreibung der entsprechenden Linien denkbar. (daw/sda)

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