Aktualisiert 11.01.2012 20:44

Lei und der Informant«Wer pushte hier wen?»

Hildebrand, Blocher, die SVP: Die Geschichte des Nationalbank-Präsidenten hat viele Darsteller. Die Rollen der Akteure sind noch unklar. Auch jene von Hermann Lei. War er bloss Mittelsmann oder treibende Kraft?

von
rme
«Sorry, aber das ist der absolute Witz»: Informant Reto T. ist sich mit Hermann Lei (rechts) plötzlich nicht mehr einig.

«Sorry, aber das ist der absolute Witz»: Informant Reto T. ist sich mit Hermann Lei (rechts) plötzlich nicht mehr einig.

Reto T., Informatiker bei der Bank Sarasin, besorgt sich Bankdaten von Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand. Diese lässt er seinem Jugendfreund, dem Thurgauer SVP-Politiker und Anwalt Hermann Lei zukommen. Soweit die Fakten, welche die beiden nicht bestreiten. Doch über die weiteren Schritte in der Affäre herrscht Uneinigkeit.

Die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens ist im Besitz einer E-Mail-Korrespondenz der beiden. «Das Ding hier hat Fleisch», lässt Reto T. seinen Freund am 29. November um 10.24 Uhr wissen. Das werde dem «Chef» (gemeint ist wohl SVP-Übervater Christoph Blocher) gefallen. T. kommuniziert übrigens über seine Geschäfts-Adresse bei der Bank Sarasin.

In der Folge treffen sich die beiden am 3. Dezember mit Christoph Blocher. Reto T. habe ihn gebeten, das Treffen mit dem Zürcher Nationalrat zu organisieren und auch mitzukommen, erklärt Lei in der «Rundschau». Sie hätten Blocher mit den Fakten konfrontiert. Er habe gesagt, wenn diese wirklich stimmen würden, dürfe das nicht gehen.

«Sorry, aber das ist der absolute Witz»

Am 8. Dezember sind sich T. und Lei nicht mehr einig. Weshalb, ist unklar. Aber um 13.10 Uhr scheint Lei Druck auszuüben: «Ich sehs so: du wolltest es rausbringen und hast mich sogar dazu bewegt, einen Termin mit dem Chef abzumachen.» Es dauert bloss 15 Minuten, bis T. empört reagiert: «Sorry, aber das ist der absolute Witz. Wer pushte hier wen?»

Reto T. befindet sich nach wie vor in psychiatrischer Obhut. Lei hingegen nahm in der «Rundschau» Stellung zum E-Mail-Verkehr. Er beteuerte, dass alle Aktionen gemeinsam abgesprochen waren. Der Anwalt ist zudem nach wie vor davon überzeugt, richtig gehandelt zu haben. «Für mich liegt eine grosse Verfehlung des Nationalbank-Präsidenten vor. Es gab keine andere Möglichkeit, diese ans Licht zu bringen.»

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