Aktualisiert 27.08.2012 15:12

Erziehungs-EinmaleinsWer Sackgeld kriegt, muss selber blechen

Ein Handy mit zwölf, unbeaufsichtigt in den Ausgang mit 15 - aber Zigaretten erst ab 18: Wenn es um Erziehung geht, haben unsere Leser klare Vorstellungen.

von
V. Weber

Kindererziehung ist ein heikles Thema - nicht umsonst gibt es dazu unzählige Beratungsbücher. Unsere Leser haben dennoch klare Vorstellungen davon, wie man ein Kind grosszieht. Das zeigt unsere Umfrage zum Thema Erziehung.

Sackgeld ist ein Muss - und das nicht zu spät

Beim Thema Taschengeld ist sich ein Grossteil der 6012 Befragten ziemlich einig: 88 Prozent geben ihren Kindern Sackgeld oder würden es tun, wenn sie Eltern wären. Und das vor allem schon recht früh: 44 Prozent halten das Alter zwischen sieben und acht Jahren für angemessen, weitere 13 Prozent würden sogar schon Kindern im Alter zwischen fünf und sechs Jahren Taschengeld geben.

Während der Betrag, den die Befragten ihren Kindern geben würden, im Alter zwischen fünf und 16 Jahren stetig steigt, kommt es ab dem Alter von 17 Jahren zu einem Bruch. Ab diesem Alter würde ein Drittel der Umfrageteilnehmer seinen Kindern gar kein Taschengeld mehr geben. Kindern im Alter von 18 Jahren und älter würden von einer deutlichen Mehrheit kein Taschengeld mehr bekommen.

Geld als Druckmittel, ja - aber als Belohnung, nein

90 Prozent der Umfrageteilnehmer glaubt, dass Kinder lernen, mit Geld umzugehen, wenn man ihnen Sackgeld gibt. Doch offenbar spielt es bei der Erziehung auch noch eine weitere Rolle. Denn knapp die Hälfte der Befragten findet, dass man das Taschengeld als Druckmittel gegen das Kind verwenden darf. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber nicht, dass man Kinder mit Geld belohnen sollte. Lediglich ein Drittel hält diese Methode für einen guten Ansporn.

Doch wofür gibt man seinen Kindern Taschengeld? Eine deutliche Mehrheit der Befragten ist der Meinung, dass Kinder, die Sackgeld bekommen, damit den Ausgang und Freizeitaktivitäten wie Kino und Schwimmbad bezahlen sollten. Auf Platz drei der meistgenannten Antworten rangiert mit 67 Prozent aber auch die Antwort «Handy-Rechnung bezahlen».

Wozu brauchen Kinder ein Handy?

Für die Mehrheit Befragten ist es sinnvoll, wenn Kinder ab dem Alter von etwa 12 bis 14 Jahren ein Handy besitzen. Der Grund für die meisten: «Damit sie in Notfällen jemanden anrufen können», aber auch «damit ich sie jederzeit erreichen kann». Lediglich ein Drittel findet, dass ein Kind ein Handy braucht, um die eigenen Freunde erreichen zu können.

Ausserdem gibt das Handy den Eltern eine gewisse Sicherheit: Die Hälfte der Befragten macht sich weniger Sorgen um das eigene Kind, wenn dieses im Ausgang ein Handy dabei hat. Insgesamt scheinen die Gründe dafür, dass der Nachwuchs mit einem Handy ausgestattet sein soll, eher eigennützig. Aus Sicht der Kinder scheint das nicht ganz fair: Wollen vor allem die Eltern ihre Kinder stets und immer erreichen können, sollen diese die Handy-Rechnung dennoch aus der eigenen Tasche zahlen.

Mit 15 unbeaufsichtigt in den Ausgang

In Punkto Alkohol- und Zigarettenkonsum stimmen die meisten Leser den gesetzlichen Regeln zu: Bier und Wein würden sie ihren Kindern ab 16 gestatten, härteren Alkohol und Zigaretten ab 18. Doch beim Thema Ausgang zeigen sich die Befragten deutlich weniger streng: Rund jeder Fünfte würde sein Kind schon im Alter von 15 Jahren unbeaufsichtigt in den Ausgang gehen lassen, weitere 14 Prozent sogar schon ab 14 Jahren.

Zwar zeigen sich die Leser insgesamt recht grosszügig bei der Erziehung, Grenzen sind dennoch wichtig: Für 65 Prozent der Umfrageteilnehmer ist es ganz normal, dass Kinder bestraft werden müssen, wenn sie nicht gehorchen. Lediglich ein Prozent ist der Meinung, dass Kinder selber wissen müssen, was richtig oder falsch ist.

Umfragedaten

An der nicht-repräsentativen Umfrage von 20 Minuten Online haben insgesamt 6012 Personen teilgenommen, davon 3093 Frauen und 2919 Männer. 52 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, ein oder mehrere Kinder zu haben, 48 Prozent waren kinderlos.

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