Heisser freier Trainer: Wer schnappt sich Kevin Schläpfer?
Aktualisiert

Heisser freier TrainerWer schnappt sich Kevin Schläpfer?

Einige Hockey-Clubs sind schlecht gestartet. Über ihren Trainerkabinen schwebt ein Damoklesschwert, auf dem der Name Kevin Schläpfer eingraviert ist.

von
Marcel Allemann
1 / 3
Kevin Schläpfer ist bekannt dafür, dass er an der Bande Emotionen zeigt. Nun will er für Feuer beim EHC Kloten sorgen.

Kevin Schläpfer ist bekannt dafür, dass er an der Bande Emotionen zeigt. Nun will er für Feuer beim EHC Kloten sorgen.

Keystone/Dominic Steinmann
Letzte Saison litt Kevin Schläpfer an gesundheitlichen Problemen, nun ist er wieder fit.

Letzte Saison litt Kevin Schläpfer an gesundheitlichen Problemen, nun ist er wieder fit.

Keystone/Marcel Bieri
Schläpfer tritt die Nachfolge von Pekka Tirkkonen an.

Schläpfer tritt die Nachfolge von Pekka Tirkkonen an.

Keystone/Patrick B. Kraemer

Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Früher oder später fliegt der erste Trainer. In den letzten zehn Jahren gab es in unserer höchsten Eishockey-Liga pro Saison immer zwischen zwei (2011/12) und sechs (2012/13, 2010/11 und 2008/09) Trainerwechseln.

Im Lauf der letzten Saison wechselten ebenfalls nicht weniger als fünf Clubs ihren Übungsleiter aus, zwei davon bereits in den ersten Wochen der neuen Spielzeit. So zog sich Gerd Zenhäusern bei Fribourg vorzeitig in den Junioren-Bereich zurück, und die SCL Tigers feuerten nach neun Niederlagen aus zehn Spielen Scott Beattie.

Ein spektakulärer Kandidat

In dieser Saison ist die Situation noch eine Spur brisanter. Dies, weil mit Kevin Schläpfer einer der spektakulärsten möglichen Trainer-Nachfolger auf dem Markt ist. Der Baselbieter, der im vergangenen November beim EHC Biel entlassen wurde, hat sich inzwischen von seiner schweren Infektion im Knie, die ihn damals massiv in seinem Wirken beeinträchtigte, erholt. Schläpfer ist wieder fit, frisch und auch willens, eine neue Herausforderung anzunehmen.

Mit seinem Status, seiner Energie und seinem Wesen ist er so etwas wie der perfekte Kandidat, um einen in die Krise geratenen Club aus einer Depression zu befreien. Zudem könnte Schläpfer wohl auch die Fans und Sponsoren begeistern, denn mit ihm wäre garantiert, dass im Verein wieder etwas läuft. Nicht umsonst trägt der 47-Jährige seit dem legendären Vorfall mit dem damaligen ZSC-Trainer Marc Crawford in den Playoffs 2015 den Übernamen «Hollywood».

Doch es gibt nur einen Kevin Schläpfer. Das heisst: Nur ein in die Krise geratener Verein wird sich seine Dienste sichern können. Wer schnappt sich Schläpfer? Und wer guckt anschliessend in die Röhre? Sich mit seiner Personalakte befassen werden sich alle Vereine, die einen Trainerwechsel ins Auge fassen.

Die SCL Tigers – oder gar die ZSC Lions?

Erste Krisenherde sind bereits in den ersten zwei Meisterschaftswochen entstanden, und schlecht aus den Startlöchern zu kommen war ohnehin noch für keinen Trainer wirklich gesund. Am unschönsten sieht die Lage derzeit für den EHC Kloten mit 0 Punkten aus 5 Spielen aus. Doch woher das Geld für Schläpfer nehmen, wenn nicht stehlen? Ein Trainerwechsel ist in Klotens Budget schlicht nicht vorgesehen und schon gar nicht im Herbst.

Miserabel gestartet sind auch die SCL Tigers. Nur ein Pünktchen, aber schon 23 Gegentore in 5 Spielen. Der Betonmischer von Trainer Heinz Ehlers verweigert plötzlich den Dienst, und dann steht der Däne auch noch im Ruf, bei Niederlagenserien enorm negativ zu werden. Schläpfer seinerseits hat eine interessante Vergangenheit bei den Emmentalern. Von 1996 bis 1998 war er als Spieler dort und stieg mit dem Team in die NLA auf. Auch würde Schläpfer nach Langnau passen, da das Team ähnlich gestrickt ist wie sein vormaliger Arbeitgeber EHC Biel.

«Ich würde mich freuen, eine Chance zu erhalten»

Besorgniserregend sind für ihre Fans auch die aktuellen Begebenheiten bei den ZSC Lions. Der Titelaspirant überzeugte in dieser Saison noch in keinem Spiel und hat nach der Klatsche gegen Lugano (1:6) und der Heimpleite gegen Fribourg (1:2) ein Null-Punkte-Wochenende hinter sich. Der Druck auf Trainer Hans Wallson, der noch nicht viel bewegt hat, steigt, seine Schonfrist läuft ab. Nur schon der Gedanke daran, dass im Hallenstadion an der Bande auf den emotionslosen Schweden der pulsierende Schläpfer folgen könnte, ist reizvoll. Doch hätten die ZSC Lions wirklich den Mut, auf den Schweizer zu setzen?

Eine weitere Schlüsselfrage: Wie geht Schläpfer taktisch vor? Nimmt er die erstbeste Jobofferte (beispielsweise in Langnau) an, weil er auf eine Rückkehr brennt? Oder hat er die Nerven, darauf zu warten, dass er die Chance bei einem Titelkandidaten (beispielsweise den ZSC Lions) erhält, und riskiert dabei, am Ende doch übergangen zu werden?

Hinsichtlich seiner Zukunft sagt Schläpfer gegenüber 20 Minuten lediglich: «Es ist sicher so, dass ich mich freuen würde, wenn ich eine Chance erhielte. Doch über einzelne Clubs äussere ich mich nicht.» Es wartet ein spannender Eishockey-Herbst. Nicht nur für Kevin Schläpfer.

Deine Meinung