14.02.2015 22:13

Fundamentalistische Hindus

«Wer sich heute küsst, wird zwangsverheiratet»

Hindu-Nationalisten verachten den Valentinstag. Um die indische Jugend davon abzuhalten, ihn zu feiern, greifen sie zu rabiaten Mitteln.

von
nsa
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Mitglieder einer Lokalpartei demonstrieren im indischen Bundesstaat Maharashtra gegen den Valentinstag. Am 14. Februar 2015 suchen die Aktivisten in den sozialen Medien nach dem Satz «Ich liebe dich» - wer ihn schreibt, soll zwangsverheiratet werden.

Mitglieder einer Lokalpartei demonstrieren im indischen Bundesstaat Maharashtra gegen den Valentinstag. Am 14. Februar 2015 suchen die Aktivisten in den sozialen Medien nach dem Satz «Ich liebe dich» - wer ihn schreibt, soll zwangsverheiratet werden.

AFP/Narinder Nanu
Auch auf der Fahndungsliste der Fundamentalisten: Pärchen, die in der Öffentlichkeit Rosen bei sich haben.

Auch auf der Fahndungsliste der Fundamentalisten: Pärchen, die in der Öffentlichkeit Rosen bei sich haben.

AFP/Diptendu Dutta
Die Nationalisten verachten den Valentinstag als «ausländisches Festival».

Die Nationalisten verachten den Valentinstag als «ausländisches Festival».

AFP/Diptendu Dutta

In Indien tobt seit Jahren ein Krieg. Nicht der ewig latente Konflikt mit dem Nachbarn und Erzrivalen Pakistan ist damit gemeint. Auch nicht der Kampf gegen Dschihadisten und maoistische Rebellen. Hindu-Fundamentalisten haben dem Valentinstag den Krieg erklärt. Nun drohen sie Pärchen, die den «V-Day» feiern, mit Konsequenzen.

In mehreren Städten haben die Hindus laut der «Times of India» Patrouillen organisiert. «Wir sind nicht gegen Liebe», sagt Chandra Prakash Kaushik, Chef der fundamentalistischen Hindu-Mahasabha-Partei, «aber wenn wir am V-Day ein Hindu-Pärchen in der Öffentlichkeit erwischen, werden wir sie zwangsverheiraten.» Seine Anhänger verachten den Valentinstag als «ausländisches Festival». Besonders haben es die Fundamentalisten auf Pärchen mit Rosen abgesehen.

Auch Social-Media-Kommentare bleiben nicht verschont

Fluchtort vor den fundamentalistischen Liebestötern war für viele Inder bisher das Internet. In der Zeit um den Valentinstag blieben sie zuhause und kommunizierten über die sozialen Medien – auch dagegen haben die Fundamentalisten nun ein Mittel gefunden.

Alleine im Grossraum von Dehli durchsuchen acht Teams das Internet. «Wer in der Woche um den Valentinstag Liebe zeigt, widerspricht indischen Traditionen», sagt Hinduführer Kaushik. Dazu gehörten auch Social-Media-Posts. Wer von seinen Teams beim Posten des Satzes «Ich liebe dich» erwischt werde, komme unter die Haube – ob er wolle oder nicht.

«Nur ein Abendessen am Valentinstag»

Anderes Land, gleiche Sorgen: Auch das thailändische Kulturministerium kämpft mit dem Valentinstag, wie Associated Press berichtet. Bei einer Umfrage haben die Beamten herausgefunden, dass 83 Prozent der verliebten Teenager des Landes vorhaben, am 14. Februar miteinander zu schlafen – ein Umstand, der der frisch an die Macht geputschten Militärregierung nicht ins konservative Konzept passt.

Das Kulturministerium startete nun eine Aktion mit der Mahnung: «Nur ein Abendessen am Valentinstag.» Danach sollten unverheiratete Paare und besonders Jugendliche schnurstracks nach Hause gehen und sich nicht etwa in Kinos, Bars oder Nachtclubs in Versuchung führen lassen. Junge Leute sind aufgefordert, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter den Hashtag #DinnerOnly zu teilen.

Mitglied der war auch schon Nathuram Vinayak Godse, der Mörder von Mahatma Gandhi. Nach dem Mordfall hat die Partei massiv an Wählergunst verloren. Sie existiert noch immer in ganz Indien, hat aber nur noch in Maharashtra wirklich Einfluss – also der Region um Mumbai.

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