Studie: Wer sich nicht ausbildet, kostet
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StudieWer sich nicht ausbildet, kostet

Leute ohne Lehrabschluss kosten den Staat im Durchschnitt 10 000 Franken – pro Jahr. Der Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse fordert daher, dass die öffentliche Hand mehr Geld für die Ausbildung bereitstellt.

«Die Kosten der Ausbildungslosigkeit sind enorm», sagte Martin Flügel, Präsident von Travail.Suisse, vor den Medien in Bern mit Verweis auf die von Travail.Suisse veranlasste Studie des Büro BASS.

Höhere Sozialkosten und geringere Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge kämen die Gesellschaft langfristig teuer zu stehen, sagte Flügel. Der Staat müsse darum ein Interesse haben, Personen ohne Lehrabschluss eine Ausbildung zu ermöglichen.

«Wenn beispielsweise ein ungelernter 25-jähriger Erwachsener eine vierjährige Lehre machen kann, dann werden gesellschaftliche Kosten von gegen 400 000 Franken vermieden», rechnete Flügel vor. «Dieses Sparpotenzial muss genutzt werden.»

Bildung statt neuer Job

Travail.Suisse wolle Arbeitslosigkeit und Armut an den Wurzeln bekämpfen anstatt gegen Symptome vorzugehen. Ausbildung vor Integration heisst die Lösung. «Bei Personen ohne Ausbildung ist das Streben nach einer möglichst raschen Integration in den Arbeitsmarkt verkehrt», sagte Flügel.

Allzu oft heisse schnelle Integration die Annahme einer unqualifizierten Arbeit zu geringem Lohn. Damit verbunden sei eine hohe Rückfallquote. «Die rasche Integration widerspricht einer nachhaltigen Integration diametral», sagte Flügel.

«Ein Umdenken bei der Arbeitslosenversicherung und der Sozialhilfe ist nötig.» Priorität müsse haben, den Arbeitslosen eine Ausbildung mit Berufsabschluss zu ermöglichen. Dies gelte im Übrigen nicht nur für Jugendliche, sondern auch für 40- und 50-Jährige.

1500 Franken weniger monatlich

Gemäss der Studie verdient ein Arbeitnehmender ohne nachobligatorische Ausbildung im Durchschnitt monatlich rund 1500 Franken weniger als einer mit Berufsabschluss. Folge davon: Menschen mit fehlender Ausbildung und Familie werden zu sogenannten Working Poor - Armutsbetroffene trotz Berufstätigkeit.

Die Umsetzung der Vorschläge von Travail.Suisse gestaltet sich indes schwierig. Eine Vielzahl von Behörden sind in die Thematik involviert: Kantone, die für die regionalen Arbeitsvermittlungsbürozentren (RAV) verantwortlich sind; die Gemeinden, die Sozialhilfe ausrichten; der Bund, welcher für die Arbeitslosenversicherung zuständig ist.

Travail.Suisse rief dazu auf, sich nicht hinter der künstlichen Aufgabenverteilung zu verstecken. Das Problem sei gerade in der derzeitigen Wirtschaftskrise zu gross, um nichts zu tun. Die Ämter müssten sich zusammensetzen und gemeinsam eine Lösung finden.

Kantone müssen umdenken

Für Matthias Kuert Killer, Leiter der Sozialpolitik von Travail.Suisse, sind in erster Linie die Kantone gefordert. Arbeitslose Personen ohne Erstausbildung sollten kostenlos eine Lehre absolvieren können.

«Da bei Bezug der Ausbildungszuschüsse momentan das Arbeitslosentaggeld wegfällt, sind die Zuschüsse für die Betroffenen finanziell nicht interessant», sagte Killer. Die Kantone hätten gute Gründe, die Kosten zu übernehmen, denn mit jedem Abschluss spare der Kanton jährlich Kosten. (sda)

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