Proteste in Zürich: «Die linksextremen Gruppen machen sich diese Entwicklung zu Nutze»
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Proteste in Zürich«Die linksextremen Gruppen machen sich diese Entwicklung zu Nutze»

Im Zürcher Kreis 4 demonstrierten am Samstag linke Kreise unter dem Motto «Wir tragen eure Krise nicht». Zum Corona-Protest aufgerufen hatte ein gleichnamiges Kollektiv.

von
Lynn Sachs

In Zürich wurde am Samstag demonstriert.

BRK News

Darum gehts

  • Unter dem Motto «Wir tragen eure Krise nicht» nahmen am Wochenende rund 200 Personen in Zürich an einer unbewilligten Demo teil.

  • Dabei ging es unter anderem um «linke Kritik an den Corona-Massnahmen», wie auf einem Flyer steht.

In Zürich formierten sich am Wochenende Protestierende unter dem Motto «Wir tragen eure Krise nicht». Zum Corona-Protest aufgerufen hatte ein gleichnamiges Kollektiv. «Wir formulieren linke Kritik an den Corona-Massnahmen, da diese vor allem die Wirtschaft schützen und nicht die Menschen. Unsere Forderung lautet, dass alle Menschen gut und sicher leben sollen», heisst es auf einem Flyer. Laut eigenen Angaben handelt es sich beim Kollektiv um «einen linken, widerständigen, revolutionären Zusammenschluss aus Zürich, der sich gemeinsam die Strasse nehmen will».

Laut der Stadtpolizei Zürich nahmen an der unbewilligten Demo am Samstag rund 200 Personen teil. Wie bereits in den Wochen zuvor kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demonstrierenden. Fünf Personen wurden vorläufig festgenommen, eine Person wurde der Staatsanwaltschaft zugeführt.

Laut Adrian Oertli, Experte für Linkextremismus, stellen sich die Linksextremen im Gegensatz zu den Corona-Skeptikern grundsätzlich hinter die Massnahmen des Bundes. Die Proteste der linksextremen Gruppen seien vielmehr ein Ausdruck von Ohnmacht. «Sie glauben nicht daran, dass unsere gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme in dem jetzigen System gelöst werden können. Sie wollen einen Systemsturz.»

Die Gruppierungen unterstützen zwar, dass der Staat die Pandemie regelt, fordern jedoch im Gegenzug, dass keine Person zurückgelassen wird, so Oertli. «Linksextreme wollen verhindern, dass die finanziellen Folgen von Corona auf diejenigen abgewälzt werden, die schon jetzt wenig haben.»

Laut Oertli haben während der Pandemie viele Junge begonnen, die Gesellschaft radikal zu hinterfragen. «Die linksextremen Gruppen machen sich diese Entwicklung zu Nutze, um die sozialen Strukturen, die es bei einer Revolution braucht, aufzubauen.» Gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei seien dabei nicht überraschend. «Linksextreme Gruppen sehen keinen anderen Weg das System zu ändern, als durch den gewalttätigen Widerstand.»

Video sorgt für Wut in Community

Bereits vor rund drei Wochen kam es im Zusammenhang mit dem 8. März, dem internationalen Tag der Frauen, in der Zürcher Innenstadt zu mehreren unbewilligten Demonstrationen und Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demonstrierenden. Das Kollektiv «Feministischer Streik Zürich» rief zuvor zu Veranstaltungen in der Stadt auf. Die Stadtpolizei markierte Präsenz, ging gegen die Protestierenden vor und setzte Reizstoff ein. Besonders ein Video sorgt seitdem für viel Wut in der Community. In der Aufnahme ist zu sehen, wie ein Polizist offenbar mit der Faust auf eine Demonstrantin schlägt, die am Boden liegt.

Laut der Stadtpolizei Zürich sind die Bilder bei einer Verhaftungsaktion im Zürcher Kreis 4 entstanden. Zuvor sei es zu Gewalt und Drohung gegen Beamte gekommen. «Aufgrund der Bilder ist eine vertiefte Abklärung zweifellos notwendig. Neben der strafrechtlichen Frage, die durch die Staatsanwaltschaft geklärt wird, muss unter Einbezug des betroffenen Mitarbeiters auch geklärt werden, ob zusätzlich personalrechtliche Massnahmen angezeigt sind.»

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Fachstelle Frauenberatung

Online- und Einzelchatberatung für Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder

Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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