Wer sind die Menschen, die trotz doppelter Covid-19-Impfung schwer erkranken?
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Erste AnhaltspunkteWer sind die Menschen, die trotz doppelter Impfung schwer erkranken?

Trotz hoher Wirksamkeit der mRNA-Impfstoffe kommt es vor, dass doppelt Geimpfte hospitalisiert werden müssen. Nun liefern Forschende eine erste mögliche Erklärung.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Die Impfungen gegen Covid-19 wirken. 

Die Impfungen gegen Covid-19 wirken.

AFP
Geimpfte Menschen müssen nur sehr selten mit schweren Verläufen von Covid-19 in die Klinik, sondern können ihre Erkrankung zuhause auskurieren. (Im Bild: eine Person in Kuala Lumpur, 2021)

Geimpfte Menschen müssen nur sehr selten mit schweren Verläufen von Covid-19 in die Klinik, sondern können ihre Erkrankung zuhause auskurieren. (Im Bild: eine Person in Kuala Lumpur, 2021)

REUTERS
Wen es doch trifft, der leidet häufig an Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Krebs.

Wen es doch trifft, der leidet häufig an Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Krebs.

Fabian Strauch/dpa

Darum gehts

  • Vereinzelt tauchen Meldungen auf, wonach Personen trotz doppelter Covid-19-Impfung schwer erkranken oder gar sterben.

  • Forschende haben nun analysiert, wer von solchen sogenannten Impfdurchbrüchen betroffen ist.

  • Das Ergebnis ist eindeutig, doch noch sind Fragen offen.

Obwohl die Infektionen in vielen Ländern stark zunehmen, ist die Lage in den Spitälern deutlich besser als bei den vergangenen Wellen. Zu verdanken ist dies den Impfungen. Dennoch tauchen immer wieder Meldungen auf, dass sich auch vollständig Geimpfte noch mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert haben. Ansteckungen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 sind weiterhin möglich, aber unwahrscheinlicher. Es wurden auch bereits wenige Fälle publik, in denen Personen nach doppelter Impfung im Zusammenhang mit dem Virus verstorben sind.

Forschende aus Israel haben nun erstmals an einer kleinen Personengruppe nachvollzogen, wann eine Infektion trotz Impfung einen schweren beziehungsweise tödlichen Verlauf nehmen kann. Die Studie wurde im Fachjournal «Clinical Microbiology and Infection» veröffentlicht.

So gut schützen unsere mRNA-Impfstoffe

Frühere Studien waren zum Schluss gekommen, dass eine vollständige Covid-19-Impfung mit Biontech/Pfizers Comirnaty oder Modernas Spikevax zu 96 Prozent beziehungsweise 94 Prozent vor schweren Erkrankungen mit Spitalaufenthalten schützt. Diese Daten beziehen sich jedoch auf die bisher zirkulierenden Hauptvarianten wie dem Ursprungsvirus aus Wuhan und der bislang dominierenden Alpha-Mutante.

Wie gut die Impfstoffe gegen die nun vorherrschende Delta-Variante wirken, ist dagegen noch unklar, da es noch keine unabhängigen Daten dazu gibt. Auch die Meldungen aus Israel, wonach der Impfstoff von Biontech/Pfizer nur zu 60 bis 80 Prozent vor der Ansteckung schützt, sollten uns laut Fachleuten aus dem In- und Ausland nicht beunruhigen: Dabei handele es sich nicht um eine auf wissenschaftlichen Daten beruhende Aussage. Zudem wäre der Schutz vor schweren Verläufen dann immer noch sehr hoch.

Die Expertinnen und Experten gehen nach wie vor davon aus, dass eine vollständige Impfung – und nur die – auch gegen die Delta-Variante wirkt, allerdings möglicherweise etwas schlechter als gegen andere Varianten.

Reale Fälle untersucht

Das Team um Tal Brosh-Nissimov vom Samson Assuta Ashdod University Hospital und der Ben Gurion University of the Negev hatte dafür die Krankenakten von 152 Frauen und Männern ausgewertet, die in 17 verschiedenen Spitälern behandelt wurden. Das, so heisst es in der Arbeit, entspricht der Hälfte der hospitalisierten, vollständig geimpften Patientinnen und Patienten in Israel.

Alle hatten mindestens acht Tage nach der zweiten Comirnaty-Impfdosis Covid-19-Symptome entwickelt und mussten in der Folge mechanisch beatmet werden oder starben. Die meisten von ihnen hatten sich nach Informationen von Spiegel.de (kostenpflichtiger Inhalt) mit der ursprünglich in Grossbritannien nachgewiesenen Alpha-Variante infiziert.

Bluthochdruck- und Diabetes-Patienten und -Patientinnen

Die Auswertung zeigte, dass nur sechs Prozent der Covid-19-Patientinnen und -Patienten zuvor gesund war. Die anderen 146 Personen litten an mindestens einer Vorerkrankung. Dabei handelte es sich um solche Leiden, die auch bei Ungeimpften die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Covid-19-Verlauf erhöhen, so die Studienautorinnen und -autoren.

Am weitesten verbreitet waren demnach Bluthochdruck (71 Prozent), Diabetes (48 Prozent) sowie chronisches Nierenversagen (32 Prozent). Weiter wurden Herzleiden (28 Prozent), Lungenleiden (24 Prozent), Krebs (24 Prozent) und Demenz (19 Prozent) dokumentiert. Bei rund 40 Prozent handelte es sich zudem um immunsupprimierte Personen, bei denen das Immunsystem herunterreguliert ist, etwa aufgrund einer Chemotherapie oder einer Organtransplantation. Betroffen waren vor allem Männer. Das mittlere Alter lag bei 71 Jahren. 61 Prozent entwickelten einen schweren oder kritischen Krankheitsverlauf, 22 Prozent starben an den Folgen der Covid-19-Infektion.

Weitere Untersuchungen könnten dazu beitragen, besonders gefährdete Menschen zu erkennen, Handlungsempfehlungen für sie zu entwickeln und sie besser zu schützen, schlussfolgern die Forschenden. Israel hat bereits Anfang Juli damit begonnen, Patientinnen und Patienten mit einem geschwächten Immunsystem Auffrischimpfungen anzubieten.

Hohe Durchimpfungsrate wichtig

So eindeutig das Ergebnis der Studie ist, so viel ist auch noch unklar: Zum einen ist die Zahl der untersuchten Fälle mit 152 sehr klein, zum anderen ist auch unklar, ob es sich bei diesen überhaupt um Impfdurchbrüche handelt. Denn nur knapp zwei Drittel der Patientinnen und Patienten waren aufgrund ihrer Covid-19-Erkrankung hospitalisiert worden. Beim restlichen Drittel war dies auch aufgrund der Vorerkrankung geschehen, so Spiegel.de. Auch sagt die Untersuchung nichts darüber aus, wie häufig solche Fälle sind.

Dennoch zeigt die Arbeit eines deutlich: wie wichtig eine möglichst hohe Durchimpfungsrate ist. Denn wenn es gelingen würde, eine Herdenimmunität zu erreichen, wären auch diejenigen geschützt, bei denen die Mittel nicht wirken. Davon betroffen sind nicht nur Vorerkrankte: «Kein Impfstoff kann zu 100 Prozent Krankheiten bei geimpften Menschen verhindern», schreiben die US-Gesundheitsbehörden CDC: «Es wird einen kleinen Prozentsatz von vollständig geimpften Menschen geben, die trotzdem krank werden, ins Spital eingeliefert werden oder an Covid-19 sterben.»

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