06.03.2020 11:50

Handy-Blitzer in Australien

Wer so Auto fährt, erhält jetzt eine hohe Busse

In Australien blitzt ein neues System Fahrer, die am Handy hantieren. Nach einem Test und Tausenden Verwarnungen wird jetzt gebüsst.

von
tob

Australien macht Ernst. Im Bundesstaat New South Wales gehen neue Hightech-Systeme definitiv in Betrieb. Jedes davon hat zwei Kameras: Eine erfasst das Nummernschild, die andere lichtet die Fahrer von schräg oben ab. Das System erkennt mithilfe künstlicher Intelligenz, ob die Autofahrer am Steuer ihr Handy nutzen.

In einem sechsmonatigen Test mit zwei Systemen wurden letztes Jahr 8,5 Millionen Autos gescannt und 100'000 Fahrer erwischt. Die Behörden beschlossen, im ganzen Bundesstaat mehrere Cams fest zu installieren. Seit Anfang Dezember wurden so 9 Millionen Autos erfasst und 33'000 Verwarnungen verschickt.

«Wie Alkohol am Steuer»

Seit Anfang März wird nun gebüsst. Wer geblitzt wird, muss umgerechnet rund 230 Franken bezahlen. Zudem erhalten die fehlbaren Fahrer fünf Minuspunkte. Ab 13 Punkten müssen australische Autofahrer ihren Fahrausweis für drei Monate abgeben. Sammelt man 20 oder mehr Punkte, so ist man das Billett fünf Monate los.

«Die Nutzung von Handys während der Fahrt setze ich gleich mit Alkohol am Steuer», sagte der Minister für Strassenverkehr, Andrew Constance, an einer Pressekonferenz 2019. Man wolle deshalb, dass jeder Fahrer wisse, dass er jetzt dabei erwischt und gebüsst werde.

Über einen Zeitraum von fünf Jahren sollen die neuen Systeme bis zu 100 tödliche Unfälle verhindern, erklärten die Behörden weiter. Ein weiterer Ausbau ist bereits geplant. Das System soll bis 2023 jährlich 135 Millionen Kontrollen durchführen. Im Bundesstaat gibt es 5,2 Millionen registrierte Fahrzeuge.

Lockerung geplant

Autofahrer im australischen Bundesstaat dürfen ihr Handy bei der Fahrt nicht anfassen – ausser, um es einem Beifahrer zu reichen. Auch ist die Nutzung an einer roten Ampel untersagt. Die Geräte dürfen aber mit Bluetooth-Freisprecheinrichtungen auch während der Fahrt genutzt werden.

Allerdings ist eine Lockerung des Gesetzes geplant, um Nutzern von Handy-Bezahldiensten entgegenzukommen. So soll es den Fahrern künftig erlaubt sein, bei einem Drive-in-Restaurant mit dem Smartphone an der Kasse die Rechnung zu bezahlen, wie der zuständige Minister Andrew Constance erklärte.

Und in der Schweiz?

Wie es bei der Schweizer Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) auf Anfrage heisst, würde man es befürworten, eine solche Massnahme zu prüfen. Denn jedes Jahr gebe es auf Schweizer Strassen rund 60 Tote und 1070 Schwerverletzte, weil eine Person unaufmerksam oder abgelenkt gewesen sei. «Bei gut 40 Prozent dieser Unfälle ist eine Autofahrerin oder ein Autofahrer hauptverantwortlich», sagte Sprecher Marc Kipfer Ende 2019.

Für ihn ist der Fall deshalb klar: «Neue technische Möglichkeiten wie die erwähnten Kameras in New South Wales sind für die Schweiz zumindest prüfenswert – es gilt aber, sorgfältig abzuklären, ob solche Kameras überhaupt eingesetzt werden dürfen.» Bei dieser Art von Filmaufnahmen sei die Privatsphäre tangiert, es würden sich daher auch Datenschutzfragen stellen, so Kipfer. Ein Sprecher des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) sagt dazu: «Auf Ebene Bund gibt es derzeit keine gesetzliche Grundlage, die solche Datenbearbeitungen rechtfertigen würde.»

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