Landesverweis für rasenden Kosovaren - «Wer so fährt, nimmt einen tödlichen Unfall in Kauf»
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Landesverweis für rasenden Kosovaren«Wer so fährt, nimmt einen tödlichen Unfall in Kauf»

Das Baselbieter Strafgericht hat gegen einen 29-jährigen Kosovaren einen Landesverweis verfügt. Der Mann hatte im September 2018 in Liestal einen schweren Selbstunfall verursacht und das Leben seiner Beifahrerin gefährdet.

von
Steve Last
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Im September 2018 kam es in Liestal zu einem schweren Selbstunfall. Der 29-jährige Kosovare, der am Steuer sass, soll des Landes verwiesen werden.

Im September 2018 kam es in Liestal zu einem schweren Selbstunfall. Der 29-jährige Kosovare, der am Steuer sass, soll des Landes verwiesen werden.

Polizei BL
Der Mann war innerorts mit 108 Kilometern pro Stunde gefahren und hatte Driftmanöver durchgeführt. Dabei verlor er die Kontrolle.

Der Mann war innerorts mit 108 Kilometern pro Stunde gefahren und hatte Driftmanöver durchgeführt. Dabei verlor er die Kontrolle.

Polizei BL
Seine Beifahrerin erlitt ein Schleudertrauma. Der Mercedes C63 AMG (Symbolbild) erlitt Totalschaden, und auch im Unfallbereich wurden zahlreiche Gegenstände in Mitleidenschaft gezogen.

Seine Beifahrerin erlitt ein Schleudertrauma. Der Mercedes C63 AMG (Symbolbild) erlitt Totalschaden, und auch im Unfallbereich wurden zahlreiche Gegenstände in Mitleidenschaft gezogen.

Wikimedia/Alexandre Prévot

Darum gehts

  • Ein 29-jähriger Kosovare soll wegen eines Selbstunfalls, den er 2018 verursacht hat, ausgeschafft werden.

  • Seine Beifahrerin wurde dabei verletzt und es entstand hoher Sachschaden. Der Mann gefährdete mit seiner Fahrweise das Leben der Frau, hiess es im Urteil.

  • Die Verteidigung hat bereits angekündigt, dass sie den Entscheid des Baselbieter Strafgerichts anfechten wird.

Nicht einmal die Staatsanwaltschaft wollte den 29-jährigen Kosovaren ausschaffen. Sie warf ihm wegen des schweren Unfalls, den er im September 2018 verursacht hatte, zwar Gefährdung des Lebens vor – ein Katalogdelikt. Jedoch erkannte sie in ihm einen Härtefall. Der Unternehmer – er hat einen Autohandel – sei in der Schweiz, seit er drei Jahre alt ist und gut integriert, hiess es. Das Baselbieter Strafgericht sah das am Montag anders und verfügte einen Landesverweis von fünf Jahren.

«Es ist uns nicht einfach gefallen, aber wir wenden das Gesetz an», sagte der Gerichtspräsident. Für ihn und seine zwei Kolleginnen, die über den Fall befanden, stand ausser Frage, dass der Beschuldigte das Unfallauto gefahren hat. Auch erachteten sie es als erwiesen, dass er innerorts mit 108 Kilometern pro Stunde versucht hatte, mit dem 460-PS-starken Mercedes AMG zu driften. Dabei verlor er die Kontrolle und kollidierte mit allem, das in seinen Weg kam – der Bolide erlitt Totalschaden.

Der Beifahrerin imponieren

Weshalb genau der 29-Jährige aufs Gas trat und am Steuer riss, war bei der Befragung nicht festzustellen. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass er seiner Beifahrerin imponieren wollte. Die beiden hatten sich zu einem Geschäftsessen getroffen. Die Verteidigung hielt es für unsinnig, dass er sie mit dem Auto habe beeindrucken wollen, wo er doch von ihr habe Autos kaufen wollen – und nicht umgekehrt. Das Gericht folgte jedoch der Staatsanwaltschaft und stufte das Motiv für die Fahrweise als «nichtig» im Verhältnis zur «riesigen Gefahr» ein.

Das brachte ihm einen Schuldspruch für die Gefährdung des Lebens seiner Beifahrerin sowie anderer Verkehrsteilnehmender ein, die er durch den Unfall herbeigeführt hat. «Wer so fährt, nimmt einen tödlichen Unfall in Kauf», sagte der Richter. Hinzu kam eine Verurteilung wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln durch die «massiv überhöhte Geschwindigkeit» und die Driftmanöver. Neben dem Landesverweis wurde ihm eine bedingte Freiheitsstrafe von 22 Monaten mit einer Probezeit von vier Jahren auferlegt.

Verurteilter will sich wehren

Der Verteidiger des Kosovaren will gegen das Urteil vorgehen. Das sagte er nach Absprache mit seinem Mandanten am Montag. In seinem Plädoyer hatte er noch Freisprüche in allen Punkten gefordert. Einerseits könne die qualifizierte Geschwindigkeitsübertretung nicht nachgewiesen werden. Andererseits sei die Gefährdung des Lebens nur möglich gewesen, habe sich aber nicht verwirklicht. Nun wolle er das Urteil ans Kantonsgericht weiterziehen. Ausschlaggebend dürfte der unerwartete Landesverweis sein.

Das Gericht stellte entgegen der Verteidigung voll auf das verkehrstechnische Gutachten ab. In diesem sei die Geschwindigkeit anhand der dokumentierten Kollisionen berechnet worden. Der Mann hatte beim Unfall zwei Strassenlaternen, das Schild einer Busstation, einen Abfalleimer, einen Hydranten und ein Metallprofil mitgenommen.

«Verantwortung übernehmen»

Bezüglich der Lebensgefährdung verwies das Gericht auf einen anderen Fall, in dem eine Person verurteilt worden war, weil sie auf der Autobahn über eine längere Distanz drängelte. Dabei sei es nicht einmal zu einem Unfall gekommen. Zudem bemängelte das Gericht, dass der Beurteilte die Ereignisse verdränge, wie er selber sagte.

Sein vages Aussageverhalten könnte mit seinem nachgewiesenen ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätssyndrom) zusammenhängen. «Manchen unangenehmen Sachen muss man sich stellen und die Verantwortung übernehmen», hielt der Richter jedoch fest.

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