Zürich: Wer Stadion baut, soll FCZ und GC Millionen geben
Publiziert

ZürichWer Stadion baut, soll FCZ und GC Millionen geben

Derzeit läuft der Investorenwettbewerb für das neue Hardturm-Stadion, doch die Interessenten zögern. Denn wer baut, muss die Vereine während Jahren finanziell unterstützen.

von
som
1 / 15
Die Stadt Zürich sucht jetzt ein Bieterteam, das ein Fussballstadion, gemeinnützige Wohnungen und ein Investorenprojekt auf eigene Rechnung und Risiko plant, baut und finanziert. Erst vor Kurzem wurde auf dem Hardturm wieder Fussball gespielt...

Die Stadt Zürich sucht jetzt ein Bieterteam, das ein Fussballstadion, gemeinnützige Wohnungen und ein Investorenprojekt auf eigene Rechnung und Risiko plant, baut und finanziert. Erst vor Kurzem wurde auf dem Hardturm wieder Fussball gespielt...

Keystone/Dominic Steinmann
...es war das Legendenspiel GC gegen Xamax am 5. September 2015. Das Spiel wurde von Grasshopper-Fans organisiert, um darauf aufmerksam zu machen, dass auf dem Hardturm endlich ein neues Fussballstadion gebaut werden soll.

...es war das Legendenspiel GC gegen Xamax am 5. September 2015. Das Spiel wurde von Grasshopper-Fans organisiert, um darauf aufmerksam zu machen, dass auf dem Hardturm endlich ein neues Fussballstadion gebaut werden soll.

Keystone/Dominic Steinmann
Im Mai 2015 campierten vorübergehend Fahrende auf dem Areal des ehemaligen Fussballstadions.

Im Mai 2015 campierten vorübergehend Fahrende auf dem Areal des ehemaligen Fussballstadions.

Keystone/Ennio Leanza

Noch ist das Hardturm-Areal eine Brache – verschiedene Immobilien wie die Swiss Prime Site (SPS) und die Halter AG bekundeten bereits ihr Interesse, dass sie darauf ein Fussballstadion bauen möchten. Doch seit die Stadt Zürich im September ihre Bedingungen für den Investorenwettbewerb mitgeteilt hat, zögern die Unternehmen mit der Bekanntgabe der Teilnahme.

Nicht nur, dass neben dem Stadion 175 gemeinnützige Wohnungen entstehen müssen, wirft Fragen auf, sondern auch eine bislang unbekannte Forderung. In einem Papier, das an die Wettbewerbsbedingungen des Finanzdepartements angehängt ist, schreiben die Präsidenten der beiden Fussballclubs FCZ und GC laut dem «Tages-Anzeiger»: «Die beiden Clubs erwarten vom Gewinner des Investorenwettbewerbs bis zum Bezug des neuen Stadions je einen jährlichen Betriebskostenzuschuss von 1,5 Millionen Franken.» Das bedeutet, dass der Investor etwa sieben Prozent des Budgets der Vereine übernehmen soll.

18 Millionen Franken würden zusammenkommen

In den fünf bis sechs Jahren, die nach dem Wettbewerbsentscheid im Juni 2016 vergehen, würden also für die beiden Clubs 18 Millionen Franken zusammenkommen. Sie verlangen diesen Zustupf wegen ihrer prekären Finanzlage, wie im Papier steht. Es sei für sie nicht möglich, am Standort Zürich ohne die erhebliche finanzielle Unterstützung von Privatpersonen weiterzumachen. Das bestehende Stadion im Letzigrund lasse sich kommerziell zu wenig nutzen.

Angst, dass sie Investoren durch diese Forderung abschrecken, haben die Clubverantwortlichen nicht: «Wir sehen das als Basis für eine ausgewogene Partnerschaft», sagt etwa FCZ-Präsident Ancillo Canepa. Schliesslich könne der Investor im Gegenzug für den Stadionbau auf einem Teil des Hardturm-Areals ein rentables Immobilienprojekt realisieren.

Forderung überrascht

Patrick Pons, Sprecher des Finanzdepartements sagt dazu zum «Tages-Anzeiger»: «Da ein Stadion realisiert werden soll, das den Bedürfnissen der Clubs entspricht, ist es für einen Bewerber natürlich hilfreich, wenn sein Projekt auch deren Vorstellungen so weit wie möglich abdeckt.» Man gehe davon aus, dass Investoren das direkte Gespräch mit den Clubverantwortlichen suchen, wenn sie mit deren Ansprüchen nicht einverstanden seien.

Doch sowohl Canepa als auch GC-Präsident Stephan Anliker machen klar, dass sie nicht davon abrücken wollen. Eine überraschende Erwartungshaltung, zumal die Clubs vor der verlorenen Stadionabstimmung in die Kritik geraten waren, weil sie sich nicht finanziell am Bau beteiligen wollten. Anliker und Canepa finden jedoch, dass sie diesmal eine andere Ausgangslage haben, da Private und nicht die öffentliche Hand den Stadionbau übernehmen.

Deine Meinung