Russische Mafia: Wer steckt hinter dem Brothers' Circle?
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Russische MafiaWer steckt hinter dem Brothers' Circle?

Ein in Luzern wohnhafter Russe soll der russischen Mafia angehören. Der so genannte Brothers' Circle ist hochgefährlich und wird selbst von Barack Obama gefürchtet.

von
bat
Der Brothers' Circle ist insbesondere im internationalen Drogenhandel tätig. So auch in Kolumbien, wo er mit Kokain handelt.

Der Brothers' Circle ist insbesondere im internationalen Drogenhandel tätig. So auch in Kolumbien, wo er mit Kokain handelt.

Mitten im idyllischen Luzern wohnt gemäss dem «Tages-Anzeiger» ein Mitglied der russischen Mafia . Der Russe befindet sich auf einer 2012 veröffentlichten US-Liste, auf der angebliche Terroristen und Kriminelle aufgeführt sind, und soll der russischen Mafia-Organisation Brothers' Circle angehören. Die Mafia-Bruderschaft wird von US-Präsident Barack Obama als äusserst gefährlich eingestuft. Sie sei eine transnational organisierte Gruppe von Kriminellen, die eine der grössten Gefahren für die Sicherheit der USA darstelle.

Gemäss dem Finanzministerium der Vereinigten Staaten besteht der Brothers' Circle aus Mafia-Mitgliedern verschiedener krimineller Gruppierungen, die mehrheitlich aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion stammen. Sie operieren in Europa, im Nahen Osten, in Afrika und in Lateinamerika. Der Brothers' Circle ist im weltweiten Drogenhandel tätig. Anführer der Gruppe sollen sieben Russen sein, darunter sind die Führungsköpfe Wladislaw Leontjew, Wassili Christoforow und Kamtschybek Kolbajew.

Kontakte zu Polizeistationen

Laut Mark Galeotti, einem Experten für die russische Mafia, ist Leontjew der klassische russische Gangster. Galeotti gab seine Einschätzungen zu den Mafia-Brüdern gegenüber der Organisation Organized Crime and Corruption Reporting Project im Jahr 2012 ab. Leontjew alias «Belobryssi» (Der Blonde) hat so einiges auf dem Kerbholz. Ihm werden Drogenhandel, Finanzverbrechen, Betrügereien, Autohehlerei und Erpressung vorgeworfen. Gemäss Galeotti hat Leontjew zwar keine direkten Verbindungen zur russischen Regierung. Er nütze aber Kontakte zu lokalen Polizeistationen, um Schutzgeld zu erpressen. Leontjew sei zudem in den USA tätig gewesen. Gemäss dem FBI war er am Heroin- und Kokain-Schmuggel zwischen Kolumbien und den USA beteiligt. Zurzeit wird er von den russischen Behörden wegen illegalen Handels von Edelmetallen und Betäubungsmitteln gesucht.

Auch Wassili Christoforow alias «Woskres» (Der Auferstandene) ist ein Schwerkrimineller. Gemäss dem FBI soll er in einer Schiesserei zwischen verschiedenen rivalisierenden kriminellen Gruppen involviert gewesen sein. Dabei ging es um Machtansprüche auf eine lokale Edelmetall-Firma.

Mächtige Beschützer

Kamtschybek Kolbajew ist der wichtigste Mittelsmann des Brüder-Zirkels beim internationalen Drogengeschäft. Er wird von Kirgisistan wegen organisierter Kriminalität und Verbrechen mit Waffen und Sprengstoffen gesucht. Gemäss Galeotti ist Kolbajew sehr vermögend. «Er hat viele Leute, die ihm einen Gefallen schulden - das schützt ihn», sagt er.

Laut dem Mafia-Experten kommen aber einige wichtige Köpfe der russischen Mafia auf der von den USA veröffentlichen Liste nicht vor. «Was auf der Liste fehlt, sind die klassischen russischen Kriminellen», sagt Galeotti. Er meint diejenigen in Moskau oder St. Petersburg, die hätten wohl mächtige Beschützer.

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