Anschlag in New York: Wer steckt hinter der Bombe am Times Square?

Aktualisiert

Anschlag in New YorkWer steckt hinter der Bombe am Times Square?

New York rätselt über Urheber und Motiv des gescheiterten Bombenanschlags am Times Square. Als mögliches Ziel gelten die Produzenten von «South Park».

von
Peter Blunschi

Wer hinter dem versuchten Anschlag in New Yorks Theaterdistrikt steckt, ist nach wie vor unklar. Zwar hat sich die Gruppe Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) dazu bekannt, doch die Behörden sind skeptisch. Dafür gebe es bisher keine Anhaltspunkte, sagte der New Yorker Polizeichef Raymond Kelly. Die Ermittler gehen eher von einem Einzeltäter aus. Die bislang heisseste Spur führt zu einem etwa 40-jährigen Mann, doch die Polizei muss noch Hunderte Stunden Videomaterial aus Überwachungskameras vom Times Square auswerten.

Die Machart der Bombe aus drei Gasflaschen, zwei Benzinkanistern und acht Düngersäcken deutet auf wenig Fachkenntnis hin. Richard Clarke, der wohl bekannteste Terrorexperte der USA, bezeichnete sie gegenüber der «Washington Post» als «sehr amateurhaft». Ein Polizeisprecher sagte der «New York Times», die Bombe hätte «tote Menschen und zersplitterte Fenster» zur Folge gehabt, aber «kein Gebäude zum Einsturz gebracht». Ein ehemaliger CIA-Kadermann meinte, falls eine Verbindung zu Al Kaida bestehe, hätten die Terroristen «erheblich an Fähigkeiten eingebüsst». Für ihn wirke die Sache «hausgemacht».

«South Park» oder Armee?

Gerätselt wird auch über das Motiv: Im Vordergrund steht die Absicht, möglichst viel Chaos und Zerstörung auf einem Platz anzurichten, der als eigentliches Herz der Stadt gilt und jeden Abend von Menschenmassen bevölkert ist. Doch es wird auch über konkrete Ziele spekuliert. So war der Geländewagen in der Nähe des Hauptsitzes des Medienkonzerns Viacom parkiert. Ihm gehört der Sender Comedy Central, der die Cartoonserie «South Park» ausstrahlt. Diese zeigte erst kürzlich den Propheten Mohammed in einem Bärenkostüm, worauf die Produzenten von radikalen Islamisten in den USA bedroht wurden.

Die Polizei wollte einen möglichen Zusammenhang nicht ausschliessen. Ganz in der Nähe des Tatorts befindet sich ausserdem das Rekrutierungszentrum der US-Armee auf dem Times Square. Das 1946 auf einer Verkehrsinsel zwischen dem Broadway und der 7. Avenue errichtete Büro ist längst eine New Yorker Touristenattraktion, es war wegen seiner exponierten Lage aber auch öfter im Visier von Pazifisten. Im März 2008 schleuderte ein Velofahrer eine kleine Bombe gegen das Zentrum, die kaum Schaden anrichtete. Gegner des Irakkriegs bekannten sich damals zu dem Anschlag.

Mysteriöser Anruf

Daneben untersuchen Polizei und FBI laut «New York Times» einen angeblichen Anruf auf die Notrufnummer 911 um 4 Uhr in der Nacht zum Sonntag, in dem behauptet wurde, der missglückte Anschlag sei nur ein Ablenkungsmanöver für eine viel grössere Explosion gewesen. Laut Polizeichef Kelly gibt es jedoch keine Aufzeichnung dieses Anrufs. Die New Yorker reagierten auf den Anschlag auf ihre Art: Bereits am Sonntagabend herrschte wieder das übliche Gedränge auf dem Times Square. Bürgermeister Michael Bloomberg ging mit gutem Beispiel voran: Er ass in einem Restaurant in der Nähe des Tatorts, zusammen mit dem Polizisten Wayne Rhatigan, er als erster beim Bombenauto war.

Deine Meinung