«Wer stoppt diese Frau?»

Aktualisiert

«Wer stoppt diese Frau?»

Die SVP nutzt Micheline Calmy-Reys Auftritt mit Kopftuch für eine neue Kampagne. Sie reagiert damit auf Dutzende Meldungen aus der Bevölkerung, die «diese Frau» stoppen wollen.

von
Tina Fassbind

Micheline Calmy-Rey strahlt übers ganze Gesicht unter dem lässig um den Kopf geschwungenen Tuch hervor, während ein finster dreinblickender Ayatollah Khomeini die Szenerie von einem Bild an der Wand herab beobachtet. Die Aufnahme der Aussenministerin ist während ihres Besuchs beim iranischen Präsident Mahmud Ahmadinejad entstanden. Ein starkes Bild. So stark, dass Calmy-Rey deswegen in die Kritik geriet, vom iranischen Regime instrumentalisiert worden zu sein.

Nun haben andere die Wirkung dieser Fotografie entdeckt und instrumentalisieren das Bild für ihre Zwecke. «Darum SVP» steht in grossen grünen Lettern unter der Kopftuch-Fotografie der SP-Bundesrätin. Weiter unten dann noch die Aufforderung, der SVP beizutreten und sich mit der Partei «für eine sichere und neutrale Schweiz» einzusetzen.

«Die Leute sind besorgt über Calmy-Reys Handeln»

«Wir haben in den letzten Tagen Dutzende Anrufe von Leuten bekommen, die sich besorgt zeigten über Frau Calmy-Reys Handeln», erklärt SVP-Pressesprecher Markus Zollinger die Entstehung der Kampagne gegenüber 20minuten.ch. «Viele haben das Gefühl, die Bundesrätin setze sich für alle und alles ein - einfach nicht für die Schweiz.» Wer stoppt diese Frau? Was kostet uns das? Was passiert mit der Neutralität? Das sind die Fragen, die den Leuten gemäss Angaben von Markus Zollinger unter den Nägeln brennen.

Frage der Neutralität

«Neben der Frage der Neutralität besteht auch die Frage nach dem Umgang mit fremden Kulturen», ergänzt Yves Bichsel, Generalsekretär der SVP Schweiz. «Gewisse Vertreter des Islams treten in der Schweiz sehr selbstbewusst und fordernd auf. Wir kritisieren mit unserer Kampagne, dass Frau Calmy-Rey diesem Druck nachgibt. Man muss der schweizerischen Kultur und Lebensart Achtung verschaffen. Das muss Priorität haben vor Kulturen, die aus dem Ausland in die Schweiz gebracht werden.»

Die neue Kampagne der SVP wurde heute lanciert. «Wir haben noch keine Rückmeldungen erhalten, aber das wird sicher in Kürze losgehen», meint Markus Zollinger. Er habe aber heute bereits einen Anruf von einem Herrn erhalten, der sich für die Kampagne bedankt hat: «Er sei zwar noch kein SVP-Mitglied, aber das werde in der gegenwärtigen politischen Situation sicher nicht mehr lange dauern.»

SP schweigt, EDA kein Kommentar

Die SP Schweiz wollte die Kampagne auf Anfrage nicht kommentieren. «Kein Kommentar und keine Reaktion auf die SVP-Kampagne» sagt Jean-Philippe Jeannerat, Leiter des Informationsdienstes im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA. Die SP-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey selbst ist derzeit in Pristina.

Kopftuch: Merkel schlägt Calmy-Rey

Die Schweizer Aussenministerin trug in Teheran Kopftuch, um ihre Höflichkeit zu demonstrieren. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel war in Saudi-Arabien nicht so höflich: Sie parlierte barhäuptig mit König Abdullah.

20minuten.ch fragte die User, welche Politikerin das richtige Verhalten an den Tag gelegt habe — Merkel oder Calmy-Rey. Das Verdikt war eindeutig: Von den insgesamt über 11 300 Teilnehmenden gaben 7104 (63%) Merkel Recht.

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