Falsches Vorurteil: Wer Trashfilme schaut, ist klüger als andere
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Falsches VorurteilWer Trashfilme schaut, ist klüger als andere

Sie mögen B-Movies à la «Sharknado»? Ab sofort müssen Sie sich dafür nicht mehr rechtfertigen. Denn: Das ist ein Zeichen von Intelligenz.

von
scy
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Von «Sharknado» gibt es mittlerweile vier Teile. Weitere vier sind in Planung. Hier eine Auswahl der besten B-Horrorfilme.

Von «Sharknado» gibt es mittlerweile vier Teile. Weitere vier sind in Planung. Hier eine Auswahl der besten B-Horrorfilme.

The Asylum
«Angriff der Killertomaten» stammt aus dem Jahr 1978. In einem amerikanischen Forschungslabor werden normale Tomaten zu Monstern, die Jagd auf die ganze Menschheit machen. Köstliche, mittlerweile legendäre Horror-Parodie.

«Angriff der Killertomaten» stammt aus dem Jahr 1978. In einem amerikanischen Forschungslabor werden normale Tomaten zu Monstern, die Jagd auf die ganze Menschheit machen. Köstliche, mittlerweile legendäre Horror-Parodie.

Four Square Productions
Ein skurriler Waldkauz will Touristen von seiner Stadt fernhalten. Deshalb mischt er ihnen Würmer unter das Essen, worauf sich die Menschen selbst in Würmer verwandeln. Gross. Aus dem Jahr 1977.

Ein skurriler Waldkauz will Touristen von seiner Stadt fernhalten. Deshalb mischt er ihnen Würmer unter das Essen, worauf sich die Menschen selbst in Würmer verwandeln. Gross. Aus dem Jahr 1977.

Cinema Features

Die Gleichung klingt eigentlich logisch: Wer sich solchen Schund wie «Sharknado» oder «Angriff der Killertomaten» ansieht, der muss zweifellos eine Macke haben und kann zwangsläufig nicht das hellste Kerzchen auf der Torte sein. Nun: Ersteres mag zutreffen, Letzteres stimmt definitiv nicht. Und das ist jetzt sogar wissenschaftlich bewiesen.

In einer Studie ging Keyvan Sarkosh vom renommierten Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt am Main der Frage nach der «Lust am filmischen Müll» nach. Als Vorlage diente dabei die «Sharknado»-Reihe, von der seit dem Original 2013 noch drei weitere Teile erschienen sind (die Nummern fünf bis acht sind schon in Planung).

Wer schaut sich solchen Schund an?

Die Handlung, sofern man von einer sprechen kann, geht so: Tornados wirbeln Haie in die Luft, die dann in Städten landen und dort Menschen fressen. Prominente Aushängeschilder der Filmserie sind so klingende Namen wie Tara Reid oder David Hasselhoff. «Ich habe mich gefragt, warum so etwas erfolgreich sein kann, wer solchen Schund guckt und vor allem – warum?», so Sarkosh im «Spiegel».

In Internetforen suchten er und Studien-Mitautor Winfried Menninghaus Menschen, die derartige Produktionen bewusst konsumieren – und nicht etwa aus Versehen entdeckt haben. Sarkosh: «Natürlich ist das nicht repräsentativ, aber empirisch und explorativ.»

«Kulturelle Allesfresser»

372 Teilnehmer haben die Fragen der beiden Forscher beantwortet. Sie stiessen dabei auf ein Publikum, das diese Art von Film mit einer «Lust am Billigen» konsumiert. «Wir haben es hier mit überdurchschnittlich gebildeten Zuschauern zu tun, die man in gewisser Weise als ‹kulturelle Allesfresser› bezeichnen könnte», resümiert Keyvan Sarkosh.

Er kommt zum Schluss, dass Anhänger von B-Movies sich absichtlich vom Mainstream-Film abkehren würden. Die Unterhaltung daran resultiere aus einem «künstlerischen Interesse». Denn: Trash-Streifen orientierten sich an Sci-Fi- und Tierhorror-Produktionen aus den 50er- bis 70er-Jahren, so Sarkosh. Spass mache das nur, wenn man diesen Hintergrund auch erkenne.

Laut der Studie mag es der Trash-Fan also, wenn der jeweilige Film auf gute Weise schlecht gemacht ist. «Sharknado» und ähnliche Kaliber wären damit kein Abfall für ein hirnloses Publikum, sondern Angebote für Cineasten mit einem bestimmten künstlerischen Anspruch. Bloss: Für eine Oscar-Nomination dürfte es dennoch knapp nicht reichen.

Eine Auswahl der bekanntesten Trash-Horrorfilme finden Sie in unserer Bildstrecke.

Trailer zu «Sharknado 4 – The 4th Awakens» (Quelle: Youtube)

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