Nachfolger: Wer tritt in Freis Fussstapfen?
Aktualisiert

NachfolgerWer tritt in Freis Fussstapfen?

Mit Alex Frei wird im nächsten Sommer der Rekordtorschütze der Nati zurücktreten. Wer soll auf ihn folgen? Die kurzfristigen Aussichten sind nicht rosig.

von
Reto Fehr

Die Schweizer Fussball-Nati verfügt aktuell über drei gute Stürmer. Neben Alex Frei sind dies Marco Streller und Eren Derdiyok. Auch wenn beide im rot-weissen Dress in den letzten Spielen diesen Beweis schuldig geblieben sind, wären sie aktuell das Sturmduo der Schweiz, wenn Frei fehlt.

Nachdem die Problemzone der Nati sich in den letzten Jahren personell vom Sturm eher in die Verteidigung verschoben hat, könnte es nach dem Spiel gegen England wieder im Angriff einen Engpass geben. Vom WM-Sturm 2010 dürfte gut ein Jahr später nur noch Derdiyok übrig sein. Blaise Nkufo trat gleich nach der Endrunde zurück, Frei wird ihm in spätestens vier Partien folgen und Albert Bunjaku fehlt seit Mitte September wegen einer Knieverletzung seinem Klub und der Nati. Er dürfte bis im März ausfallen. Ob der dann 27-Jährige den Weg zurück in die Landesauswahl findet, bleibt abzuwarten. In der A-Nati hatte er zuvor in sechs Partien nie getroffen und in Nürnberg fiel seine Trefferquote in den letzten Monaten vor der Verletzung dramatisch. Seit dem 27. März 2010 wartete er auf ein Liga-Tor.

Junge ohne Spielpraxis

Bleibt der Blick auf die Jugend. Nassim Ben Khalifa war im Sommer nahe am WM-Aufgebot. Sein Wechsel zu Wolfsburg entpuppte sich aber kurzfristig zumindest als falscher Weg. Dem 18-Jährigen fehlt die Spielpraxis auf höchstem Niveau. 2011 könnte sich dies allerdings ändern. Nach YB ist auch Sion an einer Ausleihe des Talents interessiert. Falls der gebürtige Tunesier regelmässig spielt und auch wieder trifft, dürfte er dann die Schweizer Nummer 3 werden.

Ebenfalls ohne regelmässige Einsätze ist aktuell sein U17-Weltmeister-Sturmkollege Haris Seferovic. Dem 18-Jährigen ist trotz hervorragenden Anlagen die Etablierung bei den Profis noch nicht geglückt. Bisher kann er lediglich 18 Minuten in der Axpo Super League ausweisen. Für einen Stürmer, welche die Schweiz möglicherweise in den letzten drei EM-Qualifikationsspielen noch zur Endrunde schiessen soll, klar zu wenig. Mehr Einsatzzeit bei den Profis ist für ihn im Moment nicht in Sicht.

Schweiz hat nicht unendliches Reservoir an Stürmern

Ben Khalifa und Seferovic sind aktuell in der U21 im Einsatz – genauso wie der FCZler Admir Mehmedi. Dieser muss sich allerdings erst in der Axpo Super League durchsetzen, bevor er eventuell für die A-Nati in Frage kommt. In dieser Saison gabs für den 19-Jährigen erst eine Partie über die volle Distanz. Vierter U21-Akteur mit grossen Zukunftshoffnungen ist Mario Gavranovic. Während er bei Xamax Tore am Laufband schoss, verkümmert dieser jedoch seit Februar 2010 im Starensemble bei Schalke. Auch für ihn gilt – wie für seine jungen Kollegen: Es fehlt an Spielpraxis.

Dieses Handicap schleppt auch Alessandro Ciarrocchi mit sich herum. Der Hüne von Bellinzona ist bei Trainer Morinini bei weitem nicht mehr erste Wahl. Sein Leistungsausweis in der U21 liess auch wenig erhoffen: Acht Spiele ein Tor für den 22-Jährigen. Kein Einwegstürmer, aber auf jeden Fall ein Talent mit Offensivdrang wäre Ciarrocchis Teamkollege Frank Feltscher. Doch auch bei ihm ist der Weg nur schon an die nationale Spitze noch weit. Und nur schon der Fakt, dass wir bereits auf Bellinzonas Ersatzbank nach möglichen Nati-Spielern suchen, zeigt: Ein valabler Nachfolger für Alex Frei zu suchen, dürfte nicht ganz so einfach sein.

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