Aktualisiert 19.08.2009 08:41

Steuerstreit mit USAWer US-Aktien besitzt, hinterlässt Steuerschulden

Wer nie in den USA war und auch nie mit einer amerikanischen Bank geschäftete, kann doch in den Vereinigten Staaten steuerpflichtig werden – und zwar im Todesfall. Das entsprechende Steuergesetz gibts schon lange, aber angewendet wurde es kaum. Das könnte sich ändern.

von
Werner Grundlehner

Die US-Regierung braucht dringend Geld. Der Schweizer Bankier Konrad Hummler befürchtet deshalb, dass die amerikanischen Steuerbehörden, ein bisher kaum angewendetes Gesetz aus der Schublade ziehen werden. Denn die US-Erbschaftssteuer gilt für alle Besitzer von US-Aktien - nicht nur für US-Bürger. Wer also zwecks Diversifikation seinem Wertschriftendepot Microsoft-Aktien und Treasuries (US-Staatsanleihen) beigemischt hat, könnte eine böse Überraschung erleben – beziehungsweise die Erben würden dies tun. Im Gespräch mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» meinte Konrad Hummler, geschäftsführender Teilhaber der Privatbank Wegelin, man müsse sich deshalb als Nicht-US-Bürger die Frage stellen, ob amerikanische Aktien und Obligationen noch interessant seien.

Weg mit US-Aktien

David Zollinger, Geschäftsleitungsmitglied bei Wegelin & Co., bestätigt gegenüber 20 Minuten Online, dass davon alle Wertschriften von US-Firmen betroffen sind. «Je nach Höhe des Freibetrages – abhängig von Nationalität, dem Wohnort und allfälligen Doppelbesteuerungsabkommen – wird der Rest des Erbes besteuert», fügt er an. Das müsse jedem bewusst sein, der US-Titel halte. «Wem das egal ist, der soll weiterhin US-Titel halten, alle anderen sollen sie verkaufen», erklärt der Wegelin-Manager. Die Kundenberater der Privatbank seien entsprechend geschult worden, sie «wissen, was sie ihren Kunden mitteilen müssen».

Dammbruch in der Gesetzgebung

Konrad Hummler, der auch im Aufsichtsrat der Deutschen Börse sitzt, gab der «Frankfurter Allgemeinen» zu Protokoll: «Die geplante Ausweitung der Erbschaftssteuer auf Bürger mit amerikanischen Wertschriften überall in der Welt stellt einen programmierten Dammbruch in der Steuergesetzgebung dieses Landes dar». Die Versuchung für Nicht-Amerikaner sei unter diesen Umständen gross, amerikanische Vermögenswerte in eine Gesellschaft oder eine Stiftung einzubringen, weil diese ein «ewiges» Leben besitzen. «Aber auch das nützt wenig wenn die neuen Transparenzregeln angewendet werden», sagt David Zollinger.

Diese Lösung dürfte wohl nur für vermögende Privatkunden in Frage kommen. Für «Otto Normalanleger» bedeutet dies vielmehr, Hände weg von Aktien wie Walt-Disney und General Electric. Auch wenn bisher nur Einzelfälle von Forderungen der US-Steuerbehörde IRS im Ausland bekannt wurden. Für Zollinger ist klar, das langfristig alle nicht-amerikanischen Privatinvestoren Alternativen suchen werden.

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