Ex-Miss Nadine Vinzens trotz Corona-Impfung auf Intensivstation
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Ex-Miss Nadine Vinzens nach Intensivstation «Wer weiss, wie meine Erkrankung ohne Impfung verlaufen wäre»

Nadine Vinzens lag mit Corona auf der Intensivstation. Nun spricht die Churerin über ihren Impfstoff-Entscheid und die erhaltene Kritik.

von
Toni Rajic
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Die Ex-Miss musste aufgrund ihres schweren Corona-Krankheitsverlaufs mit der Ambulanz ins Spital.

Die Ex-Miss musste aufgrund ihres schweren Corona-Krankheitsverlaufs mit der Ambulanz ins Spital.

Privat
Rund zwei Wochen verbrachte die hauptberufliche DJane unter ärztlicher Aufsicht – zwischenzeitlich gar auf der Intensivstation.

Rund zwei Wochen verbrachte die hauptberufliche DJane unter ärztlicher Aufsicht – zwischenzeitlich gar auf der Intensivstation.

Privat
Auch ihren Freund, den Frankfurter Techno-DJ Mark Reeve, hatte es erwischt.

Auch ihren Freund, den Frankfurter Techno-DJ Mark Reeve, hatte es erwischt.

Instagram/nadinevinzensofficial

Darum gehts

  • Die Ex-Miss-Schweiz Nadine Vinzens (38) und ihr Freund Mark Reeve (43) infizierten sich an einem Familienfest mit Corona.

  • Sie hatten beide einen schweren Verlauf und waren zwischenzeitlich auf der Intensivstation.

  • Das Paar entschied sich für eine Impfung mit Johnson & Johnson.

  • Nun spricht sie über ihre Wahl und den damit verbundenen Shitstorm.

Vor rund einem Monat infizierten sich die Ex-Miss-Schweiz Nadine Vinzens (38) und ihr Freund, der Techno-DJ Mark Reeve (43), an einem Familienfest mit Corona. Beide traf es so hart, dass sie im Spital auf der Intensivstation landeten – trotz Impfung. Erst vor zwei Tagen wurde die 38-Jährige nach Hause entlassen, ihr Freund soll heute folgen. Im Interview spricht die DJane über die Impfung, ihre Wahl und den Shitstorm.

Nadine Vinzens, wie hast du deine Corona-Erkrankung erlebt?

Es war schrecklich. So eine Erfahrung wünsche ich niemandem. Ich hatte zwischenzeitlich wirklich Angst, dies nicht überleben zu können. Das Fieber und die Übelkeit haben mich so viel Kraft gekostet.

Bist du vollständig geimpft?

Ja. Beziehungsweise gehe ich davon aus. Ich habe den Impfstoff von Johnson & Johnson verabreicht bekommen und damals hiess es, es wäre nur eine Dosis nötig. Inzwischen lese und höre ich überall etwas anderes, was mich selber verunsichert.

Wo und wann hast du dich impfen lassen?

Da ich viel Zeit bei meinem Freund in Deutschland verbringe, habe ich mich auch gleich hier in einem Impfzentrum vor etwa zwei Monaten impfen lassen.

Weshalb hast du so lange auf den Piks gewartet?

Ich gebe zu, dass ich zu Beginn etwas kritisch war. Alles ging unglaublich schnell, was mich misstrauisch werden liess. Ich habe das Virus nie geleugnet oder verharmlost, sondern nur etwas zugewartet. Schliesslich habe ich in erste Linie meine Angst vor Spritzen für mich und meine Sicherheit überwunden. In zweiter Linie aber auch aus Solidarität zu meinem Umfeld und den Mitmenschen.

Faktencheck: mRNA-Impfstoff kennt man seit 1961

Die Covid-19-Impfstoffe, die in der Schweiz primär zur Anwendung kommen, funktionieren mit sogenannter Boten- oder mRNA. Massgeblich entwickelt hat die Technologie die ungarische Biochemikerin Katalin Karikó. Es wurmt sie, dass Menschen behaupten, die mRNA-Impfstoffe seien viel zu schnell entwickelt worden und damit gefährlich. Schliesslich kenne man mRNA seit dem Jahr 1961. Seither sei viel dazu geforscht worden und das nicht nur von ihr. «1993 erschien erstmals eine Studie, in der mRNA in einem Impfstoff verwendet wurde», so Karikó. Ausserdem sei die Technologie schon lange vor Covid-19 an Menschen getestet worden. «Deshalb waren wir uns vergangenes Jahr ziemlich sicher, dass es mit dem Impfstoff gegen Covid-19 klappt.»

Konntest du den Impfstoff selber wählen?

Ich habe mir intensiv Gedanken gemacht und mich informiert. Für mich hat intuitiv der Impfstoff von Johnson & Johnson am besten gepasst. Als Laien ohne medizinischen Hintergrund habe ich auf die altbewährte Methode vertraut.

Wusstest du, dass dieser Impfstoff eine geringere Wirksamkeit hat als die mRNA-Impfungen?

Das war mir bewusst, dennoch habe ich auf einen gewissen Schutz gehofft. Ich bin froh, habe ich sie gemacht. Ehrlich gesagt will ich nicht wissen, wie meine Erkrankung ohne Impfung verlaufen wäre.

Deine Entscheidung wird im Netz scharf kritisiert.

Ich habe es gesehen und es tut weh. Man impft sich – unter anderem aus Solidarität – und wird dann angefeindet. Jeder soll doch das tun, was er oder sie für richtig hält. Wie die Anfeindungen ausgesehen hätte, wenn ich nicht geimpft gewesen wäre, will ich mir gar nicht ausmalen. Wiederum brüsten sich die Gegner jetzt, dass es nicht gewirkt hätte. Ich will Impfungen nicht bewerben, bin aber froh, dass ich eine hatte.

Infobox: Das ist der Johnson & Johnson-Impfstoff

Swissmedic hat im Frühling 2021 den vom Pharmakonzern Johnson & Johnson entwickelten Covid-19-Impfstoff zugelassen. Dabei handelt es sich um einen vektorbasierten Impfstoff auf Basis eines abgeschwächten Erkältungsvirus, das so verändert wurde, dass es einen Bauplan für das Virus in die Zelle einschleust, damit das Immunsystem Antikörper gegen SARS-CoV-2 produziert. Der Impfstoff wird einmal verabreicht und ist für Personen ab 18 Jahren zugelassen. In den Zulassungsstudien zeigt er durchschnittlich einen zu etwa 65 Prozent wirksamen Schutz vor einer Covid-19-Infektion. Die in der Schweiz verwendeten mRNA Impfstoffe haben gemäss dem RKI hingegen eine Wirksamkeit von rund 90 Prozent. Während beispielsweise in Deutschland eine Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff angeraten werden, gibt es in der Schweiz noch keine entsprechenden Empfehlungen – weder mit dem gleichen Impfstoff noch mit einem der beiden mRNA-Impfstoffe.

Wie kannst du es dir erklären, dass du und dein Freund beide einen derart schweren Verlauf hattet?

Keine Ahnung, ich bin weder Forscherin noch Wissenschaftlerin. Ich möchte mich nicht mit falschen Aussagen zu weit aus dem Fenster lehnen. Ich glaube aber, es ist einfach Pech und Unglück.

Inzwischen wird beispielsweise in Deutschland eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Stoff empfohlen. Wirst du dies nachholen?

Nach diesem Horror im Spital hoffe ich nun, dass einige Antikörper hängengeblieben sind. Es entwickelt sich alles so schnell. Ich werde mich zu gegebener Zeit informieren lassen und entsprechend entscheiden.

Du scheinst trotz dieser extremen Erfahrung zögerlich zu klingen.

Nein, ich brauche einfach einen Moment, um das Erlebte zu verdauen, meine Gedanken zu sortieren und vor allem wieder zu Kräften zu kommen. Und nach dieser Erfahrung habe ich auch unglaublich Angst vor einer erneuten Corona-Erkrankung. Das will ich nie wieder erleben müssen.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Corona-Zeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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