Fertig «Stopp Werbung»-Aufkleber - Wer Werbung annimmt, kriegt Schoggi von der Post
Publiziert

Fertig «Stopp Werbung»-AufkleberWer Werbung annimmt, kriegt Schoggi von der Post

Die Post will mehr Werbung verteilen können. Dafür bietet sie jetzt allen, die den «Stopp Werbung»-Aufkleber entfernen, Süssigkeiten an. Konsumentenverbände kritisieren die Aktion.

von
Barbara Scherer
1 / 8
Die Anti-Werbung-Kleber am Briefkasten sind der Post ein Dorn im Auge.

Die Anti-Werbung-Kleber am Briefkasten sind der Post ein Dorn im Auge.

20min/Michael Scherrer
Darum bietet die Post jetzt Schokolade, wenn man den Kleber entfernt oder durch einen «Werbung OK» ersetzt.

Darum bietet die Post jetzt Schokolade, wenn man den Kleber entfernt oder durch einen «Werbung OK» ersetzt.

Getty Images/iStockphoto
Wer mitmacht, erhält laut Post einmal im Monat ein Warenmuster von ausgewählten Geschäftskunden in den Brief- oder Milchkasten zugestellt.

Wer mitmacht, erhält laut Post einmal im Monat ein Warenmuster von ausgewählten Geschäftskunden in den Brief- oder Milchkasten zugestellt.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Die Post kämpft mit Schokolade gegen «Stopp Werbung»-Aufkleber.

  • Wer den Kleber vom Briefkasten nimmt, erhält einmal im Monat ein Warenmuster.

  • Konsumentenverbände kritisieren die Aktion.

  • Aus Marketingsicht wirkt die Kampagne nicht nachhaltig.

Papierwerbung wandert oft vom Briefkasten direkt ins Altpapier. Darum setzen immer mehr Schweizerinnen und Schweizer auf «Stopp Werbung»-Aufkleber. Für die Post ist das schlecht fürs Geschäft. Sie verdient Geld mit dem Verteilen von nicht adressierten Werbesendungen.

Darum will die Post die Leute nun davon überzeugen, dass sie ihre Kleber abnehmen oder ihn sogar mit einem Aufkleber mit dem Slogan «Werbung OK» ersetzen. Wer darauf eingeht, soll dafür in Zukunft Schoggi der Marken Knoppers, Lindor oder Kägi erhalten, wie «Watson» berichtet.

Es gibt ein Warenmuster pro Monat

Laut Post handelt es sich bei der Aktion um eine Verkaufsförderungsmassnahme, wie ein Mediensprecher gegenüber 20 Minuten sagt. Dabei werde nicht nur Schokolade verschickt: «Die Empfänger erhalten pro Monat ein Warenmuster von ausgewählten Geschäftskunden in den Brief- oder Milchkasten zugestellt.»

Klar ist auch: Wenn durch die Aktion «Stopp»-Kleber dauerhaft von Briefkästen entfernt werden, kann die Post zusätzliche Sendungen zustellen und damit im schrumpfenden Briefmarkt Arbeit für ihre Mitarbeitenden sichern. Ähnliche Aktionen hätten gezeigt, dass Warenmuster den Trend zu «Stopp Werbung»-Aufkleber abschwächten.

Zudem kommen die Produkte bei der Bevölkerung gut an: «Sie schätzen es, nicht nur Informationen auf Papier im Briefkasten zu erhalten, sondern kleine Dinge des alltäglichen Gebrauchs direkt zu Hause ausprobieren zu können.» Zur aktuellen Aktion gebe es aber noch kein Feedback.

Aktion passt nicht zum Bild der Post

Die Stiftung für Konsumentenschutz kritisiert das Vorgehen der Post: Leute, die sich für «Bitte keine Werbung»-Kleber entschieden hätten, mit Schokolade umstimmen zu wollen, sei eine billige Strategie, heisst es gegenüber «Watson».

Das Schweizerische Konsumentenforum bezeichnet die Idee der Post als seltsam: «Schokolade für Werbung anbieten, das passt nicht zum Bild eines seriösen, halbstaatlichen Unternehmens wie der Post», sagt Präsidentin Babette Sigg zu 20 Minuten.

Langfristig nicht erfolgreich

Die Strategie der Post ist laut Marketing-Spezialistin Johanna Gollnhofer von der Universität St. Gallen nur kurzfristig erfolgreich: «Es gibt sicher Leute, die für etwas Schokolade ihren Anti-Werbung-Sticker vom Briefkasten nehmen.» Nachhaltig sei das aber nicht.

Denn nur, weil die Werbung wieder ins Haus flattert, werde sie nicht unbedingt mehr beachtet. «Werbung wird analog und digital nur wahrgenommen, wenn sie wirklich interessant für die Betroffenen ist», erklärt Gollnhofer.

Um langfristig erfolgreich zu sein, müsste die Post nur noch Werbung zustellen, die die Empfängerinnen und Empfänger auch wirklich interessiert. Nur so bieten Werbesendung einen Mehrwert. Doch ob das technisch umsetzbar ist, sei fraglich.

466 Millionen weniger Werbesendungen

Laut Post nimmt die Anzahl «Stopp Werbung»-Kleber seit Jahren leicht zu. Gleichzeitig bricht der Markt mit den nicht adressierten Werbesendungen mehr und mehr weg. So hat die Post vor fünf Jahren noch 1,915 Milliarden Sendungen ohne Adressen verteilt. 2020 waren es dagegen nur noch 1,449 Milliarden.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

18 Kommentare