Nach Schloters Tod: Wer wird neuer Swisscom-Chef?

Aktualisiert

Nach Schloters TodWer wird neuer Swisscom-Chef?

Der Schweizer Telekom-Riese braucht einen neuen CEO. Noch halten sich Branchenkenner zurück mit Spekulationen. Interims-Chef Urs Schaeppi gilt aber als aussichtsreicher Kandidat.

von
Sabina Sturzenegger

Die Swisscom befindet sich nach dem Tod ihres Chefs Carsten Schloter im Schockzustand. Das Bild des Managers und die Videobotschaft von Swisscom-Verwaltungsratspräsident Hansueli Loosli dominieren die Homepage des Telekom-Unternehmens.

Noch will niemand offiziell über einen Nachfolger reden. Dennoch sind bereits ein paar Namen von potenziellen Chefs gefallen, darunter Urs Schaeppi, Christoph Brand und Thomas Sieber.

Urs Schaeppi in Pole-Position

Swisscom-Schweiz-Chef Urs Schaeppi steht im Fokus, weil er als Nummer zwei des Konzerns die Leitung bereits interimistisch übernommen hat. Der 53-jährige Berner ist noch wenig bekannt und gilt als bodenständig und leicht hölzern im Auftreten.

Dennoch wird Schaeppi als aussichtsreicher Kandidat für die definitive Nachfolge gehandelt. Das bestätigt ein Insider gegenüber 20 Minuten. Er sei der «zweitbeste Mann hinter Schloter», wird zudem ein Analyst in der «Aargauer Zeitung» zitiert.

Brand und Sieber

Die «Handelszeitung» brachte derweil Christoph Brand und Thomas Sieber ins Spiel. Der ehemalige Sunrise-Chef Brand ist derzeit Geschäftsleitungsmitglied bei Tamedia, dem Medienhaus, das auch 20 Minuten herausgibt. Der Telekom-Manager wollte auf Anfrage zu den personellen Spekulationen keine Stellung nehmen.

Thomas Sieber, Verwaltungsratspräsident von Orange und ehemaliger CEO der Nummer drei auf dem Schweizer Telekom-Markt, wollte sich ebenfalls nicht äussern. Die Pressestelle von Orange lässt nach Rücksprache mit Sieber aber ausrichten, dass er «keine Absicht hat, Orange zu verlassen.»

Verankert und doch kosmopolitisch

Auch Torsten J. Gerpott, Professor für Telekommunikationswirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, will sich nicht zu Namen äussern. Zu den Fähigkeiten, die ein Nachfolger von Carsten Schloter haben müsste, sagt er aber: «Er muss gut verankert sein in der Schweiz, aber trotzdem kosmopolitische Facetten haben.» Dies verlange das Telekommunikationsgeschäft heute. «Es wäre von Vorteil, wenn diese Person neben Englisch und Französisch auch Italienisch sprechen würde», sagt der Professor.

Neben einer guten Vernetzung in der Politik und in der Telekom-Branche, bei Ausrüstern sowie bei Endgeräteherstellern, ist für Gerpott aber auch das Persönlichkeitsprofil zentral: «Nicht zuletzt braucht ein neuer Swisscom-Chef eine hohe Frustrationstoleranz und eine gesunde Physis.»

Grössere Restriktionen für Unternehmensführung

Als Chef eines Telekommunikationsunternehmens, das sich mehrheitlich in Staatseigentum befindet, könne man die eigenen unternehmerischen Vorstellungen «oft nur eingeschränkt oder gar nicht realisieren», erklärt Gerpott. «Er unterliegt stärker als der CEO eines Grosskonzerns in anderen Industrien politischen Restriktionen.»

Die Position verlange überdies einen hohen zeitlichen und mentalen Einsatz und sei verbunden mit internationaler Reisetätigkeit. «Das ist ohne gesunde Physis über längere Zeit nicht zu schaffen», lautet Torsten Gerpotts Fazit.

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