Aktualisiert 26.06.2017 10:11

Haftstrafe in den USA

Wer zahlt, hat es im Knast besser als die anderen

Gegen Entgelt bekommen Kleinkriminelle in Kalifornien bessere Haftbedingungen. Doch auch andere Häftlinge profitieren von dem System.

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Gegen Bezahlung haben Gefängnisinsassen in Kalifornien eine Option auf bessere Haftbedingungen.

Gegen Bezahlung haben Gefängnisinsassen in Kalifornien eine Option auf bessere Haftbedingungen.

Screenshot NBC News
Halbprivate Zimmer, Zugang zu TV und Büchern – das gibt es ab 250 Franken pro Tag.

Halbprivate Zimmer, Zugang zu TV und Büchern – das gibt es ab 250 Franken pro Tag.

Screenshot NBC News
Eine der beliebtesten Anstalten ist das Gefängnis in der kalifornischen Surfergemeinde Seal Beach.

Eine der beliebtesten Anstalten ist das Gefängnis in der kalifornischen Surfergemeinde Seal Beach.

Screenshot NBC News

Der Leitsatz «Du wirst für deine Verbrechen bezahlen» bekommt im US-Staat Kalifornien eine wortwörtliche Dimension: Insassen, die nur leichte Verbrechen begangen haben, erhalten gegen Gebühr bessere Haftbedingungen. Für umgerechnet rund 250 Franken am Tag bieten allein 26 Haftanstalten rund um Los Angeles bequemere Zellen, Zugang zu TV und Büchern sowie unbegrenzte Handy-Nutzung an. Einige erlauben den Sträflingen sogar, tagsüber zur Arbeit zu gehen.

Eine der beliebtesten Anstalten ist das Gefängnis in der Surfergemeinde Seal Beach. Schon für nur umgerechnet 100 Franken haben die Insassen Anrecht auf halbprivate Zellen und Einzelduschen. Die Einnahmen der privaten Haftanstalten helfen vor allem kleinen Gemeinden, sich zu finanzieren.

Schwerverbrecher im Luxusknast

Das Zwei-Klassen-System im Knast wird stark kritisiert. «Wer Geld hat, kann sich ein Upgrade in einen schöneren Knast leisten, während Arme für dieselben Verbrechen ihre Strafe in einem Staatsgefängnis verbüssen müssen», sagt Lauren-Brooke Eisen vom Brennan Center for Justice in New York zum Sender «NBC News».

Einer Untersuchung der «Los Angeles Times» zusammen mit der Non-Profit-Organisation Marshall Project zufolge sind zudem 4,5 Prozent der zahlungsfähigen Insassen Schwerverbrecher, die eigentlich kein Anrecht auf ein Upgrade haben. Zu dieser Kategorie gehören Sexualstraftäter sowie gewalttätige Kriminelle.

Opfer Carole Markin war schockiert, als sie erfuhr, dass ihr Peniger heute dafür bezahlt, um seine Strafe bequem im Seal-Beach-Gefängnis abzusitzen. Auch Monica Fronti fand kürzlich heraus, dass der Mann, der sie sexuell missbrauchte, als sie zwölf Jahre alt war, jetzt in der Haftanstalt Alhambra östlich von Los Angeles seine Strafe verbüsst. «Ich habe nicht das Gefühl, dass das gerecht ist», sagt Fronti.

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