Neue Regeln: Wer zahlt künftig das Porto für Zalando-Päckli?
Aktualisiert

Neue RegelnWer zahlt künftig das Porto für Zalando-Päckli?

Das neue Verbraucherrecht der EU tritt Mitte Juni in Kraft. Es betrifft den Online-Handel stark – auch für Schweizer Kunden. Experten raten darum zur Vorsicht.

von
C. Landolt
Ab Juni ändern sich in Europa die Geschäftsbedingungen für Online-Händler wie Zalando.

Ab Juni ändern sich in Europa die Geschäftsbedingungen für Online-Händler wie Zalando.

Wer bei der Online-Bestellung des neuen Sommerkleids im Internet die Rücksendung gleich mit einplant und daher verschiedene Grössen bestellt, hat ab 13. Juni unter Umständen ein Problem. Denn dann tritt die neue EU-Richtlinie über Verbraucherrechte in Kraft. Zwei Regelungen geben dabei besonders zu reden.

• Die Portokosten: Bisher gilt in der EU die 40-Euro-Klausel. Diese sieht vor, dass der Kunde das Porto nicht selbst bezahlen muss, wenn der Warenwert 40 Euro übersteigt. Bisher bezahlte der Onlinehändler. Die Gesetzesreform sieht nun vor, dass diese Kosten auf den Kunden abgewälzt werden.

• Das Widerrufsrecht: Erstmals im EU-Raum ist eine einheitliche Widerrufsbelehrung vorgesehen. Diese wird neu 14 Tage ab Erhalt der Ware betragen. Aktuell darf der EU-Kunde die Ware bis zu einem Jahr behalten und muss diese auch nicht in der Originalverpackung zurückschicken. Auch das ändert sich jetzt: In einer Widerrufsbelehrung muss der Händler den Kunden über seine Rechte und Pflichten ausdrücklich informieren.

Und: Verbraucher müssen ihren Widerruf künftig ausdrücklich erklären. Die alleinige Rücksendung der Ware genügt nicht mehr.

Was bedeutet das für die Schweiz?

Hat das auch Folgen für Schweizer Online-Shopper? Der Rechtsanwalt und IT-Rechtsexperte Martin Schirmbacher sagt, dass es stark davon abhängt, wie der E-Shop sich gestaltet. Da die Schweiz weder der EU noch dem EWR beigetreten ist, gelte bei Verbrauchern mit Schweizer Wohnsitz grundsätzlich das Schweizer Recht. «Der Endverbraucher sollte in den AGB ganz genau hinsehen, welche Rechte Schweizern gewährt werden», sagt Schirmbacher.

So müsse in der Schweiz per Gesetz kein Widerrufsrecht gewährt werden, eine Mehrheit der Versandhäuser gestatten es dem Kunden freiwillig. Sie machten gar keine Unterschiede beim Wohnsitz des Kunden. Der Vertrag gehe in jedem Fall vor.

Der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) ist das fehlende Widerrufsrecht ein Dorn im Auge. Das sei ein Zustand «wie im Mittelalter», findet Geschäftsleiterin Sara Stalder. «Wir kämpfen dafür, dass mit einem gesetzlich verankerten Widerrufsrecht ein Vertrauensumschwung für die Konsumenten entsteht.» Das Widerrufsrecht sei im Sommer ein Thema der Räte.

Insbesondere kleinere E-Shops ohne Lager müssen fortan genau betrachtet werden. Solche Shops gewährten oft kein Widerrufsrecht, weil sie aus logistischen Gründen kein Lager betreiben und keine Retouren anbieten wollen.

Portokosten abwälzen?

Dass Schweizer nun für ihre Bestellungen plötzlich ein Porto zahlen müssen, ist vorerst wenig wahrscheinlich. Eine Mehrheit der Konsumenten erwartet für ihre Online-Einkäufe grundsätzlich versandkostenfreie Lieferungen für Standardbestellungen und anfallende Retouren. Der Online-Händler Zalando beispielsweise betont, auch künftig am kostenfreien Versand festzuhalten. «Der kostenlose Versand und Rückversand stellt einen zentralen Bestandteil unseres Serviceversprechens dar», sagt Zalando-Sprecherin Kirstin Dolgner zu 20 Minuten. Auch Digitec.ch und Amazon teilen auf Anfrage mit, dass Schweizer Kunden derzeit nicht von den neuen Regelungen betroffen seien.

Ändern könnte sich das laut Schirmbacher dennoch, wenn das Porto für Retouren in Deutschland Standard wird. Der Konsumentenschutz empfiehlt, bei Retouren konsequent die günstigste Zustellungsart zu wählen.

Allen, die im grenznahen Deutschland ein Postfach eröffnet haben, empfehlen die Experten: Die AGB gründlich durchsehen. Und nicht zufriedenstellende Ware umgehend von Deutschland aus zurückzusenden. Denn Retouren aus der Schweiz bleiben teuer. Übrigens: Die oben genannten Widerrufsformulare werden auch all jenen zugestellt, die aus einem EU-Land bestellen. Laut Schirmbacher muss es jedoch nicht verwendet werden. Es reiche aus, das beigelegte Formular oder Retourenschein auszufüllen oder eine E-Mail zu schreiben.

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