Aktualisiert 07.05.2018 09:08

«Menschenverachtend»

Wer zu oft krank ist, wird abgestraft

Die Deutsche Post stellt Mitarbeiter nur fest an, wenn sie gewisse Kriterien erfüllen. Kritiker nennen diese «menschenverachtend».

von
dob
1 / 5
Die Deutsche Post straft befristet angestellte Mitarbeiter ab, wenn sie zu lange krank sind.

Die Deutsche Post straft befristet angestellte Mitarbeiter ab, wenn sie zu lange krank sind.

Michael Gottschalk
Konkret: Wer innert zwei Jahren mehr als 20 Tage krank gewesen ist, bekommt keine feste Anstellung.

Konkret: Wer innert zwei Jahren mehr als 20 Tage krank gewesen ist, bekommt keine feste Anstellung.

Maurizio Gambarini
Zudem dürfen die Brief- und Päckli-Austräger höchstens zwei selbstverschuldete Unfälle mit einem Schaden von maximal 5000 Euro gehabt haben.

Zudem dürfen die Brief- und Päckli-Austräger höchstens zwei selbstverschuldete Unfälle mit einem Schaden von maximal 5000 Euro gehabt haben.

AP/Martin Meissner

Fast jeder Arbeitnehmer bleibt mal wegen Grippe zu Hause im Bett. Wer bei der Deutschen Post arbeitet, sollte sich eine Absenz aber ganz genau überlegen. Das Unternehmen stellt nämlich Brief- und Päckli-Austräger mit einem befristeten Vertrag nur dann fest ein, wenn sie innerhalb von zwei Jahren nicht mehr als 20 Tage krank gewesen sind, wie «Bild am Sonntag» berichtet.

Beim Entfristungskonzept handelt es sich um einen Kriterienkatalog, der laut einem Post-Sprecher den Vorgesetzten von Poststellen als «Orientierung» dienen soll. Demnach spielt für eine Festanstellung nicht nur die Zahl der Krankheitstage eine Rolle: Die Pöstler dürfen in drei Monaten für ihre Touren nicht mehr als 30 Stunden länger gebraucht haben als geplant. Auch wer mehr als zwei selbstverschuldete Autounfälle mit einem Schaden von über 5000 Euro verursacht, kann eine Festanstellung vergessen.

Hatte die Zahl Ihrer Krankheitstage schon einmal negative Folgen für Ihren Job? Erzählen Sie uns Ihre Erfahrungen.

«Völlig menschenverachtend und sittenwidrig»

«Dass wir im Konzern überlegen, wer auf Dauer den Anforderungen gewachsen ist, ist im Interesse aller Beteiligten, insbesondere der Kunden», teilt ein Sprecher der Deutschen Post mit. Die Kriterien würden sich im geltenden rechtlichen Rahmen bewegen.

Von der Arbeitnehmerseite hagelt es allerdings Kritik. «Diese Kriterien sind völlig menschenverachtend und sittenwidrig, und das bei einem Unternehmen, an dem die Bundesrepublik Deutschland beteiligt ist», sagt etwa Beate Müller-Gemmeke, Grünen-Sprecherin für Arbeitnehmerrechte.

Bleiben Sie über Wirtschaftsthemen informiert

Wenn Sie die Benachrichtigungen des Wirtschaftskanals abonnieren, bleiben Sie stets top informiert über die Entwicklungen der Business-Welt. Erfahren Sie dank des Dienstes zuerst, welcher Boss mit dem Rücken zur Wand steht oder ob Ihr Job bald durch einen Roboter erledigt wird.

Und so gehts: Installieren Sie die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippen Sie rechts oben auf die drei Streifen, dann auf das Zahnrad. Wenn Sie dann nach oben wischen, können Sie die Benachrichtigungen für das Wirtschafts-Ressort aktivieren.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.