Warnung des BAG: Wer zu viel trinkt, tut peinliche Dinge
Publiziert

Warnung des BAGWer zu viel trinkt, tut peinliche Dinge

Das Bundesamt für Gesundheit lanciert eine neue Alkoholpräventions-Kampagne. Die Botschaft: Wer trinkt, läuft Gefahr, sich mit peinlichem Verhalten zu blamieren.

von
lüs

Während er sich in seinem Keller mit Bier volllaufen lässt, verwandelt sich ein biederer Typ mit karierten Socken in einen wilden Rocker – und hält sich dabei für sehr cool. Diese Szenen zeigt ein neues Video zur Kampagne «Wie viel ist zu viel?» des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

Was der alkoholisierte Möchtegern-Rocker cool findet, berührt den Betrachter eher unangenehm. Darauf aufmerksam zu machen, ist das Ziel des BAG: «Wir wollen mit diesem Film zeigen, dass die Selbst- und Fremdwahrnehmung umso stärker auseinanderdriften, je mehr man trinkt», sagt Barbara Kull, Sprecherin der Sektion Alkohol des BAG. «Man findet sich selber cool, andere finden einen peinlich.»

Peinliche Aufnahmen verbreiten sich unkontrolliert

Und ein peinlicher Auftritt könne heute gravierendere Konsequenzen haben als früher, so Kull. Früher sei der Kreis derer, die davon erfahren hätten, beschränkt gewesen. «Heutzutage aber ist das Risiko gross, dass man dabei fotografiert oder gefilmt wird und sich die Aufnahmen über die sozialen Netzwerke unkontrolliert weiterverbreiten.»

Dies bestätigt auch Larissa Maier, die beim Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung den Alkoholkonsum in der Schweiz erforscht: «Weil Bilder vom Ausgang oft per Facebook, Whatsapp oder Snapchat verschickt werden, werden Betroffene zum Teil auch lange nach einem solchen Vorfall an Dinge erinnert, die sie gern vergessen würden.» Die Folge: «Die Scham, die man nach einem solchen Aussetzer meist sowieso empfindet, wird umso grösser.»

Mit Alkohol Schüchternheit überwinden

Der Versuchung, Alkohol zu nutzen, um sich befreit und cool zu fühlen, würden viele Menschen erliegen, gerade junge, sagt Kull. Besonders gefährdet seien sehr schüchterne Menschen: «Wenn sie beginnen, Alkohol zu trinken, um besser mit anderen Menschen interagieren zu können, kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.» Auch Maier sagt: «Wer sich angewöhnt, sich Mut anzutrinken, um sich auf die Tanzfläche zu wagen, kann früher oder später ein Alkoholproblem entwickeln.»

Studien zeigen, dass Menschen sich selber positiver wahrnehmen, sobald sie trinken. Nur bedeutet dies nicht, dass die Mitmenschen dies ebenso empfinden. Dass man im Rausch Dinge macht, die man danach bereut, zeigen auch die Resultate der Schweizer HSBC-Studie, die den Lebensstil von Schülern untersucht: Von den 15-Jährigen, die im letzten Monat Alkohol getrunken hatten, gaben 36 Prozent an, im Rausch etwas Peinliches gesagt oder getan zu haben.

Gefahr einer Blamage schreckt mehr ab als Gesundheitsrisiko

Und nicht immer bleibt der peinliche Auftritt harmlos. «Weitere Folgen von übermässigem Trinken können Gewalt, Blackouts, Sachbeschädigung oder ungeschützter Geschlechtsverkehr sein», sagt Kull. Hinzu komme das Unfall- und Gesundheitsrisiko. «Die Schädigung der eigenen Gesundheit ist für viele jedoch weniger relevant als das Risiko, sich zu blamieren», sagt Kull. «Deshalb legen wir den Finger in unserer neuen Kampagne bewusst auf diesen wunden Punkt.»

Weitere Infos zur Kampagne des BAG gibt es hier.

Deine Meinung