19-Grad-Regel des Bundesrates: Wer zuhause friert, hat Recht auf Mietzinsreduktion

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19-Grad-Regel des BundesratesWer zuhause friert, hat Recht auf Mietzinsreduktion

Vermieter befürchten, dass sie Abschläge gewähren müssen, wenn sie gezwungen sind, die Temperatur in Wohnräumen zu drosseln.

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Haben Mieterinnen und Mieter das Anrecht auf 20 Grad? Die Vermieter und Vermieterinnen fürchten eine Klagewelle. (Symbolbild)

Haben Mieterinnen und Mieter das Anrecht auf 20 Grad? Die Vermieter und Vermieterinnen fürchten eine Klagewelle. (Symbolbild)

20min/Simon Glauser
Im Krisenfall will der Bundesrat in Wohnungen nur noch 19 Grad erlauben.

Im Krisenfall will der Bundesrat in Wohnungen nur noch 19 Grad erlauben.

20min/Simon Glauser
Die Heizungen müssten also gedrosselt werden.

Die Heizungen müssten also gedrosselt werden.

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Darum gehts

Ausnahmsweise sind sich Mieter und Vermieterinnen einig: Die Vorschrift, wonach Wohnungen im Krisenfall nur noch auf maximal 19 Grad geheizt werden dürfen, ist untauglich. Der Schweizerische Verband der Immobilienwirtschaft (Svit) befürchtet, dass zahlreiche Mieter und Mieterinnen vor Gericht klagen werden, ihre Wohnung sei ungenügend geheizt, weil die Liegenschaftsverwaltung die Temperatur auf Geheiss des Bundesrates drosseln musste, wie die «SonntagsZeitung» schreibt.

Tatsächlich sind Vermietende verpflichtet, die Wohnungen ausreichend zu heizen. Gemäss Bundesgericht sollte eine Wohnung 20 bis 21 Grad warm sein. Weicht die Temperatur zu stark davon ab, haben Mietende ein Recht auf Entschädigung.

Für ältere und kranke Menschen nicht zumutbar

Unter Spezialisten ist umstritten, ob die Vermieter und Vermieterinnen auch dann Entschädigungen zahlen müssen, wenn sie die Heizung auf Weisung des Bundesrates heruntergedreht haben. Selbst die Juristen von Wirtschaftsminister Guy Parmelin, welche den Heizbefehl ausgearbeitet haben, sind sich nicht sicher, schreibt die Zeitung weiter. Sie schreiben in den Erläuterungen zwar, dass «in der schweizerischen Mietrechtspraxis eine Mindesttemperatur von circa 19 Grad durchaus noch als zulässig betrachtet werden kann». Doch laut Parmelins Juristen müssen «die für das Mietwesen zuständigen Gerichte für Klarheit sorgen.»

Würden Sie 19 Grad in Ihrer Mietwohnung akzeptieren?

Der Verband der Vermieter findet es stossend, dass der Bundesrat in der Verordnung nicht für Klarheit gesorgt hat, heisst es in der «SonntagsZeitung». Mietende hingegen kritisieren die 19-Grad-Grenze vor allem, weil sie zumindest für ältere und kranke Menschen nicht zumutbar sei. Für beide Verbände ist klar, dass die Heizvorschrift aus praktischen Gründen nicht durchsetzbar ist.

(chk)

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