Eishockey-Nati: «Werbe-Champanger» aus warmem Bier
Aktualisiert

Eishockey-Nati«Werbe-Champanger» aus warmem Bier

Die Länderspiele der Eishockey-Nati sind fast bedeutungslos. Trotzdem gelingt es dem Verband dieses «warme Bier» für gut und gerne zwei Millionen pro Jahr zu verkaufen.

von
Klaus Zaugg
Trotz mässiger Gegner ziehen die Eisgenossen die Sponsoren an.

Trotz mässiger Gegner ziehen die Eisgenossen die Sponsoren an.

«Arosa Challenge» heisst das Turnier. Es wird an diesem Wochenende in Herisau ausgetragen. Weil die Lokalitäten in Arosa erst 2012 bezugsbereit sind. Wichtiger als dies Partie gegen «Hockey-Hinterbänkler» wie Dänemark und Weissrussland ist das, was Marketing-Chef Lukas Hammer vor dem Spiel gegen Dänemark (3:0 für die Schweiz) verkünden durfte: Es ist gelungen, neue Sponsoren zu finden.

Damit erreichen die Gesamteinnahmen aus der Vermarktung des Nationalteams rund zwei Millionen Franken. ««Wir sind sozusagen ausverkauft», freut sich der Marketing-Chef. Deshalb ist es weiterhin nicht nötig, dass die verschiedenen Firmen von Verbandspräsident Philippe Gaydoul auch nur einen Rappen in die Eishockeywerbung investieren. Und das, obwohl die Nationalmannschafts-Sponsoren von der WM ausgeschlossen sind und sich mit der Präsenz bei den Testspielen begnügen müssen, die meist gegen zweitklassige Gegner ausgetragen werden. Weil die Schweiz im «Big Business» nicht mitmischen kann: Während der Saison spielen die grossen Vier (Russland, Tschechien, Finnland, Schweden) in einer Turnierserie unter sich. Erst im Frühjahr kommen für die letzten WM-Vorbereitungspartien ein bisschen bessere Gegner (B-Teams der grossen Vier) und es geht dann für die Spieler immerhin um die WM-Tickets. Im Vergleich zum «Marketing-Champagner» Spengler Cup sind die Auftritte der Hockey-Nati bloss warmes Bier.

Der Verband (Swiss Ice Hockey) garantiert seinen Werbekunden sechs bis neun Heimspiele pro Saison und drei davon live im TV, inkl. einem Turnier, das jeweils nach einem der Hauptsponsoren benannt wird: Wir hatten schon den «Nissan Cup», den «Skoda Cup» und nun eben die «Arosa Challenge». Deshalb ist der Verband auf die Nationalmannschaftspausen im November, Dezember und im Februar angewiesen: Er braucht diese Unterbrüche der Meisterschaft, um mit seinem «Wanderzirkus» namens Nationalmannschaft durchs Land zu tingeln.

«Plattform fürs Pflegen von Geschäftsbeziehungen»

Warum gelingt es trotz der Bedeutungslosigkeit der Länderspiele, Werbung für rund zwei Millionen zu verkaufen? Marketing-Chef Hammer sagt dazu: «Die Nationalmannschaft ist vor der WM während der ganzen Saison präsent und neben den drei Live-Länderspielen sind die Highlights der anderen Partien im Fernsehen zu sehen. Wir beschränken bei den Spielen die Präsenz im TV-Bereich auf sechs Sponsoren. So erreichen wir eine grössere Aufmerksamkeit. Zudem bieten wir eine ideale Plattform fürs Pflegen von Geschäftsbeziehungen.»

Das Publikums-Interesse an Hockeyländerspielen ist gering. Die Spiele in der NLA wollen durchschnittlich 6119 Fans sehen. Nationaltrainer Sean Simpson ist glücklich, wenn er mit seinem «Wanderzirkus» vor mehr als 3000 Zuschauern auftreten darf, zuletzt sind in Herisau gegen Dänemark etwas mehr als 1600 Fans angereist. «Wir unternehmen grosse Anstrengungen, um die Tickets für die Länderspiele zu verkaufen und es ist uns gelungen, die Zahlen in den letzten Jahren mehr oder weniger stabil zu halten», sagt Hammer. «Hingegen verkaufen wir ohne grössere Anstregnungen immer mehr VIP-Tickets.» Inzwischen gehen bei einem Länderspiel meist über 400 VIP-Eintritte zum Preis von bis zu 450 Franken weg. Ein Hinweis darauf, wie gut die Nationalmannschaft als Netzwerk-Plattform funktioniert. Das dürfte mit der Persönlichkeit des Verbands-Präsidenten in Zusammenhang stehen. Philippe Gaydoul gehört zu den Alphatieren in der Schweizer Wirtschaft. Ein begehrter Business-Partner, mit dem man am einfachsten über den Erwerb einer VIP-Karten oder eines Sponsorings bei einem Hockey-Länderspiel ins Gespräch kommt.

So gelingt es dem Verband, den Spielbetrieb der Nationalmannschaft mehr oder weniger durch Werbung bei bedeutungslosen Länderspielen zu finanzieren genauso wie die Preisgelder der WM. Eine erstaunliche Leistung.

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