Aktualisiert 13.01.2017 09:03

Luzern

Werbeagentur sucht Praktikant im Rentenalter

Kreativ-Agenturen suchen normalerweise Digital Natives als Praktikanten. Nicht so das Luzerner Werbebüro Rocket: Hier will man explizit einen Silver Surfer.

von
mme

«Too young to feed the birds?» Mit dieser Frage buhlt die Luzerner Werbeagentur Rocket um einen neuen Praktikanten. Alle, die unter 65 Jahre alt sind, müssen sich gar nicht erst bewerben: Gesucht wird explizit jemand im Rentenalter.

25-Jährige sucht 65-Jährige

Werberin Sandra Fischer, selber 25 Jahre alt, ist mit der Rekrutierung betraut. Sie erklärt, warum sie jemanden anstellen möchte, der mindestens vier Jahrzehnte mehr auf dem Buckel hat als sie selber: «Wir machen das in Form eines Experimentes. Denn wir sind überzeugt, dass eine ältere Person unserem jungen Team neue Inputs geben kann und uns neue Sichtweisen vermittelt.» Zum Beispiel könne es wertvoll sein, wenn die Agentur etwa eine Werbekampagne für die Zielgruppe ab 65 geben kann. «Dann kann der neue Praktikant aus seinem eigenen Leben sprechen.»

Natürlich reicht es nicht, einfach 65 Jahre alt zu sein, um die begehrte Werbe-Praktikumsstelle zu erhalten. Gefragt sind weitere Skills: «Wir wünschen uns jemanden, der Englisch spricht, da wir viele internationale Kunden haben. Und natürlich braucht es auch Computerkenntnisse.» In der Stellenausschreibung heisst es weiter: «Wir sind der Meinung, dass Diversität einer der wichtigsten Treiber von Kreativteams ist. Ob dies stimmt, möchten wir mit einem Ü-65-Praktikanten testen.»

Chance auf Festanstellung besteht

Laut Fischer könne sich der neue Praktikant darauf freuen, die interessante Werbebranche kennen zu lernen. «Und wenn die Person schon Erfahrungen in der Branche hat, dann kann er oder sie sicher neue Erfahrung mit einem ganz jungen Team sammeln.» Bestimmt mache es sich auch im CV gut, wenn eine 65-jährige Person noch ein Praktikum mache. Und vor allem sagt Fischer: «Wenn alles stimmt und eine Stelle frei ist, können wir uns auch vorstellen, den Ü-65-Praktikanten später fest zu beschäftigen.»

Auf die Frage, ob das Werbebüro mit der ungewöhnlichen Aktion auch auf PR in eigener Sache aus ist, sagt Fischer: «Uns war schon bewusst, dass dies auf mediales Interesse stossen wird, wie ja auch dieser Bericht von 20 Minuten zeigt. Das freut uns natürlich. Aber es war sicher nicht der Hauptgrund für unser Experiment.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.