Neuer Schweizer Pass: Werbefilm erntet Kritik und Spott

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Neuer Schweizer PassWerbefilm erntet Kritik und Spott – «Bund hat definitiv zu viel Geld»

Seit Montag gibt es den Schweizer Pass in neuem Design. Der Bund bewirbt ihn mit einem Film – der auf Twitter für kontroverse Reaktionen sorgt.

von
Claudia Blumer
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Erinnert ein wenig an einen Einspieler von Schweiz Tourismus: Der Werbefilm des Bundes zum neuen Schweizer Pass, der seit 31. Oktober erhältlich ist.

Erinnert ein wenig an einen Einspieler von Schweiz Tourismus: Der Werbefilm des Bundes zum neuen Schweizer Pass, der seit 31. Oktober erhältlich ist.

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Der Pass erhält neue Sicherheitselemente und vereint laut Bund «Sicherheit, Funktionalität und Ästhetik».

Der Pass erhält neue Sicherheitselemente und vereint laut Bund «Sicherheit, Funktionalität und Ästhetik».

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Neue Sicherheitselemente wurden im neuen Pass eingebaut.

Neue Sicherheitselemente wurden im neuen Pass eingebaut.

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Darum gehts

Der Bund bewirbt den neuen Schweizer Pass mit einem Werbefilm, der ein wenig an einen Einspieler von Schweiz Tourismus erinnert, der im Kino die Zuschauer auf den Abend einstimmt: elektrisierende Musik mit starkem Bass, Drohnenaufnahmen vom Rheinfall, der St. Galler Stiftskirche, dem Gotthardmassiv, dem Genfersee. Im Eilzugstempo durch die Schweiz. Berge und Wasser sind das Hauptelement.

Der knapp eineinhalb Minuten dauernde Film ist ästhetisch, doch im Publikum kommt er nicht gut an: «Mir wärs recht, man würde meine Steuergelder nicht für Imagefilmli einsetzen, die genau nichts bringen», schreibt eine Twitter-Userin. Ein anderer äussert sich so: «Momente, in denen ich mich frage, ob es vielleicht nicht doch zu viele Social-Media-Stellen in der Bundesverwaltung hat.» Und jemand schreibt: «Ganz schön grosser Aufwand für ein amtliches Dokument, das kein Marketing braucht. Bund hat definitiv zu viel Geld.»

Gerade eben hat die Neuigkeit für Kritik gesorgt, dass das Bundesamt für Gesundheit (BAG) den früheren SRF-Moderator und Kommunikationscoach Patrick Rohr als externen Berater engagiert hat – obwohl der Bund bereits 400 Angestellte im Bereich Kommunikation beschäftigt. Erst im Oktober lancierte die SVP die Forderung, dass die Zahl der Bundesangestellten generell reduziert werden müsse. Das Hauptproblem sei jedoch nicht die Zahl der Bundes-Angestellten, sagte Arbeitsmarktexperte Marco Salvi, sondern deren «Sesselkleber-Mentalität».

Darauf zielt die Kritik des Baselbieter FDP-Landrats Stefan Degen, der sich auf Twitter über den Werbefilm zum neuen Pass äussert:

«Es ist ein toller Film und sicher aufwändig gemacht», sagt Degen gegenüber 20 Minuten. «Doch wofür braucht es diesen Film? Will man ausländische Staatsangehörige dazu animieren, sich einbürgern zu lassen?» Es mache schlicht keinen Sinn, die Nachfrage für ein Produkt anzukurbeln, zu dem es keine Alternative gibt, sagt Degen. «Eine einfache Medienmitteilung und ein Faktenblatt hätten genügt.»

Ein solcher Film sei reine Steuergeld-Verschleuderung, sagt Degen, der auch Präsident der Liga Baselbieter Steuerzahler ist. «Überhaupt stellt sich die Frage, warum der Bund Hunderte von Medienleuten, inklusive Socia-Media-Teams, beschäftigt. Der Bund hat die Aufgabe, die Bevölkerung zu informieren. Dazu braucht es kein aufwändiges Marketing.» 

fedpol: «Das ist keine Werbung»

Christoph Gnägi, Mediensprecher des fedpol, kontert: «Dieser Film ist kein Werbefilm, sondern zur Information und Veranschaulichung für die Bevölkerung und unsere Partner gedacht.» Der neue Pass enthalte Sicherheitselemente, die teilweise erst durch UV-Licht sichtbar würden, sagt Gnägi. Das habe man in einem Film darstellen wollen. Er verweist zudem darauf, dass es der erste neue Pass seit 20 Jahren ist und dass sich die Gebühr für den Pass seither nicht verändert habe.

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