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Politiker fordern«Werbung für Sex ohne Kondom gehört verboten»

«Tabulos und alles ohne Schutz» - so werben zahlreiche Bordelle und Prostituierte für Sex ohne Kondom. In der Schweiz ist das legal. Politiker wollen dies ändern.

von
T. Bircher

Viele Freier wollen beim Sex mit Prostituierten keinen Gummi tragen müssen. Wer die Freier-Geheimsprache kennt, erreicht dieses Ziel übers Internet schnell. Dort wimmelt es von Werbungen mit Codes wie «AO und tabulos». «AO» bedeute «alles ohne», sagt ein Bordellbetreiber. Gibt man diese Abkürzung und beispielsweise «Zürich» bei Google ein, hat man nach einem Klick eine grenzenlose Auswahl an Angeboten für Sex ohne Kondom.

«Der Konkurrenzkampf im Sexgewerbe ist derzeit gross», sagt der Sexclub-Betreiber aus St. Gallen weiter. Vor allem online sehe er zunehmend Werbungen von privaten Prostituierten, aber auch von Studios, die Freier mit den Worten «AO» oder «tabulos» anlocken wollten.

Schlechtes Geschäft und Angst um Gesundheit

Doch für Bordellbesitzer wie er, die diese Dienstleistung nicht offerieren, ist die Situation ärgerlich. «Viele Freier laufen wieder raus, wenn ich ihnen sage, dass es bei mir keinen Sex ohne Kondom gibt», sagt er. Ausserdem mache er sich Sorgen um die Gesundheit seiner Angestellten. Zusammen mit zwei weiteren genervten Clubbetreibern hat er deshalb die kantonale Fachstelle Maria Magdalena kontaktiert, die Prostituierte berät, wie das St. Galler Tagblatt schreibt. «Wir wollen, dass sich die Ämter einschalten und etwas dagegen unternehmen», sagt er.

Marja Jozic von Maria Magdalena sagt: «Leider gibt es keine gesetzliche Grundlage, um irgendjemandem zu verbieten, ungeschützten Geschlechtsverkehr anzubieten. Das Einzige, was wir tun können und in diesem Fall auch getan haben, ist die Frauen auf die Risiken hinzuweisen.»

Prostituierte wollen keinen ungeschützten Verkehr

Braucht es denn ein solches Gesetz? «Ich persönlich würde ein Werbeverbot für Sex ohne Kondom gutheissen», sagt Jozic. Die beste Lösung wäre ihrer Meinung nach, wenn man solche Werbungen verbieten würde. «Ich habe immer wieder Prostituierte bei mir, die sich darüber beschweren, wie aggressiv die Konkurrenz mit ungeschütztem Verkehr wirbt.» Viele Freier setzten diese Frauen dann unter Druck, dasselbe anzubieten. «Es ist immer der Mann, der Sex ohne Kondom will, ich kenne keine Frau, die einen Freier freiwillig dazu auffordern würde.»

Politiker verlangen ein Werbeverbot

Nationalrätin Margret Nellen Kiener (SP) unterstützt Jozic: «Ein rechtlich abgestütztes Werbeverbot wäre in diesem Fall sehr sinnvoll.» Es gehe um den Schutz vor verheerenden tödlichen Krankheiten.

Nellen Kieners Parteikollege, Nationalrat Carlo Sommaruga, sagt: «Diese Art von Werbung schockiert mich, ein Verbot dafür muss im Gesetz verankert werden.» Die Frage sei lediglich, ob dies auf kantonaler oder Bundesebene getan werden müsse. «Ich unterstütze aus Gründen der öffentlichen Gesundheit und dem Schutz der Sexarbeiterinnen ein Werbeverbot.»

Auch SVP-Nationalrat Erich von Siebenthal zeigt sich entrüstet: «Für mich ist das ein Armutszeugnis unserer Gesellschaft.» Dass man Frauen auf diesem tiefsten Niveau missbrauche, sei unglaublich und enttäusche ihn bitter. «Die Politik muss sich dieser Misere stellen und ein Gesetz für ein Werbeverbot prüfen.»

Ein Gesetz gegen Sex ohne Kondom würde nicht greifen

Grundsätzlich würden alle befragten Politiker einem Gesetz zustimmen, das Sex mit Prostituierten ohne Kondom verbietet. Es sei jedoch aus Gründen der Kontrollbarkeit kaum umzusetzen.

Die Aids-Hilfe Schweiz rät von einem solchen Gesetz ab: «Es könnte einen Druck auf die Prostituierten generieren und sie somit in die Illegalität driften lassen», sagt Sprecher Harry Witzthum. Sie setzten sich aber schon lange für einen Minimalstandard ein. Das bedeute, dass die Sexarbeiterinnen Zugang zu Kondomen und Präventionsmaterial haben und, dass die Beraterinnen von Aids-Hilfe Schweiz sie in den Bordellen besuchen und aufklären dürfen. «Das ist derzeit noch nicht überall möglich», so Witzthum.

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