Schülerin Marija (16): «Werde ich ausgeschafft, ist mein Leben zerstört»

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Schülerin Marija (16)«Werde ich ausgeschafft, ist mein Leben zerstört»

Die 16-jährige Marija Milunovic lebt seit zwei Jahren in Sargans SG und ist bestens integriert. Trotzdem soll sie ausgeschafft werden. Die Schule wehrt sich.

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afa
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Marija Milunovic lebt seit zwei Jahren in der Schweiz. Sie ist bestens integriert und besucht die Realschule in Sargans. Sie hat eine Lehrstelle im Kantonsspital in Glarus bekommen.

Marija Milunovic lebt seit zwei Jahren in der Schweiz. Sie ist bestens integriert und besucht die Realschule in Sargans. Sie hat eine Lehrstelle im Kantonsspital in Glarus bekommen.

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Marija ist leidenschaftliche Fussballerin ...

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... und spielt beim FC Balzers in Liechtenstein. (mittl. Reihe, 3. v.l.)

... und spielt beim FC Balzers in Liechtenstein. (mittl. Reihe, 3. v.l.)

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«Mir geht es elend! Ich soll die Schweiz verlassen und alleine nach Serbien gehen», sagt die 16-jährige Marija Milunovic. Weil sie keine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz erhält, soll sie noch vor dem Sommer nach Serbien ausgeschafft werden. «Die Schweiz ist mein Zuhause und ich fühle mich so wohl hier», sagt die 16-Jährige. «Muss ich nach Serbien gehen, dann geht mein Leben in die Brüche. Ich habe dort niemanden.»

Weil sie nicht mehr bei ihrem Vater wohnen konnte, war sie vor zwei Jahren in die Schweiz gekommen, um bei ihrer Mutter in Sargans zu leben. Das Verhältnis zum Vater habe sich kontinuierlich verschlechtert. Nun lebe dieser mit seiner neuen Familie zusammen und habe den Kontakt abgebrochen. «Am Anfang war es schwierig, denn ich sprach kein Wort Deutsch», sagt Milunovic. Nun spricht sie fliessend Deutsch, spielt aktiv Fussball beim FC Balzers und hat in der Schweiz viele Freunde gefunden. «Ich habe sogar eine Lehrstelle als Fachangestellte Gesundheit bekommen», erzählt die Realschülerin stolz.

Svetlana Schwendinger, die Mutter von Marija, ist am Boden zerstört: «Es ist, als würde uns der Boden unter den Füssen weggezogen.» Sie habe vor zwei Jahren einen Antrag für einen Familiennachzug gestellt. Dieser sei bereits von zwei Instanzen abgelehnt worden. Dies unter anderem wegen Fristen, die Schwendinger unwissentlich verpasst habe. «In Serbien haben wir keine Angehörigen mehr. Niemand würde Marija helfen», so Schwendinger. «Wir hoffen vor Bundesgericht auf ein Wunder.»

Marija erhält grosse Unterstützung von der Schule

Besonders viel Unterstützung erhält Milunovic von der Realschule in Sargans. «Marija tut mir sehr leid», sagt die Schulleiterin der Oberstufe in Sargans. «Sie hat von Anfang an eine bemerkenswerte Integrationsleistung erbracht.» Die Schülerin falle äusserst positiv auf, erledige alle Arbeiten gewissenhaft und korrekt. «Für die Schule ist es unverständlich, dass Marija nicht bei uns bleiben kann, sie gehört zu uns.»

Zusammen mit einer Lehrerin richtete die Schulleiterin eine Bittschrift an das Migrationsamt in St. Gallen. Darin steht unter anderem: «Wie die anderen Jugendlichen in ihrem Alter steht Marija im Moment in einer entscheidenden Phase im Berufswahl-Prozess; müsste sie nun die Schweiz verlassen, stünde sie vor dem Nichts.» Auch vier Gruppen von Milunovics Mitschülern verfassten Bittschriften an das Migrationsamt.

Parallel zum Gesuch auf Familiennachzug läuft ein Gesuch für eine Aufenthaltsbewilligung aufgrund eines ausserordentlichen Härtefalls. Dieses wurde beim Migrationsamt aber abgelehnt. Beim Amt will man sich zum konkreten Fall nicht äussern, verweist aber auf die Eingabefristen, die in Marijas Fall nicht eingehalten wurden. «Wir werden nicht aufgeben und den Rechtsmittelweg ausschöpfen», sagt Georg Kramer, der Rechtsanwalt der Familie.

«Es ist inakzeptabel, ein 16-jähriges Mädchen von der Mutter zu trennen und zurück nach Serbien zu schicken, wo sie keine Verwandten hat und buchstäblich vor dem Nichts stünde. Marija hat keine andere Wahl, als bei der Mutter zu bleiben», so Kramer. Noch bestehe eine Chance, dass Milunovic bleiben darf. «Dieser Fall ist besonders dramatisch, denn die junge Frau hat sich in der Schweiz vorbildlich integriert und kann hier bei ihrer Mutter leben. In Serbien hat sie keinerlei Perspektive. Es ist zu hoffen, dass die zuständigen Behörden bei ihrer Entscheidung das Kindeswohl gebührend berücksichtigen.»

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