Mehr Infektionen als gedacht - Werden als nächstes Katzen und Hunde gegen Covid-19 geimpft?
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Mehr Infektionen als gedachtWerden als nächstes Katzen und Hunde gegen Covid-19 geimpft?

Häufiger als erwartet sind auch Haustiere vom Coronavirus betroffen. Sie stecken sich bei ihren infizierten Besitzerinnen und Besitzern an. Sollte man mit ihnen also gleich verfahren wie die USA mit den Zootieren und sie impfen?

von
Fee Anabelle Riebeling
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Wer ein Haustier hat, kommt diesem auch schon einmal näher. Ist die Besitzerin oder der Besitzer aber mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert, kann das für das Tier Folgen haben. Sie stecken sich nämlich häufiger als angenommen bei ihren Halterinnen und Haltern an. 

Wer ein Haustier hat, kommt diesem auch schon einmal näher. Ist die Besitzerin oder der Besitzer aber mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert, kann das für das Tier Folgen haben. Sie stecken sich nämlich häufiger als angenommen bei ihren Halterinnen und Haltern an.

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Davon berichten gleich zwei Forschungsteams. Die Gruppe von der University of Guelph in Kanada wies nach,  dass Katzen (67 Prozent) häufiger als Hunde (43 Prozent) positiv getestet wurden. 

Davon berichten gleich zwei Forschungsteams. Die Gruppe von der University of Guelph in Kanada wies nach, dass Katzen (67 Prozent) häufiger als Hunde (43 Prozent) positiv getestet wurden.

ECCMID
Das Infektionsrisiko lag bei den Katzen umso höher, je inniger und länger die Besitzerinnen und Besitzer während ihrer Erkrankung mit ihnen schmusten. 

Das Infektionsrisiko lag bei den Katzen umso höher, je inniger und länger die Besitzerinnen und Besitzer während ihrer Erkrankung mit ihnen schmusten.

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Darum gehts

  • Haustiere infizieren sich bei ihren Besitzerinnen und Besitzern häufiger als erwartet.

  • Zu diesem Ergebnis kommen zwei voneinander unabhängige Studien.

  • Eine der Autorinnen gibt Tipps, wie man Hunde und Katzen vor der Ansteckung schützen kann.

  • Sie verrät ausserdem, was sie von Impfungen von Haustieren hält.

Wer an Covid-19 erkrankt, muss sich isolieren – am besten auch von seinen Haustieren. Denn diese können sich ebenfalls mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infizieren und Krankheitssymptome entwickeln. Diese ähneln dabei in der Regel einem leichten Verlauf beim Menschen.

Dazu zählen Antriebs- und Appetitlosigkeit, Husten und Durchfall, laufende Nase und Atemprobleme. Das berichteten unlängst zwei voneinander unabhängige Forschungsteams am Europäischen Kongress für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten ECCMID.

Zwei Studien, ein Ergebnis

Das Team um die Veterinärmedizinerin Dorothee Bienzle von der University of Guelph in Kanada stützt sich auf Daten von 198 Katzen und 54 Hunden. Rund 100 der Tiere stammten aus Haushalten, in denen eine Person an Covid-19 erkrankt war. Die restlichen lebten in Tierheimen oder waren Streuner.

Die Auswertung ergab, dass Ansteckungen umso wahrscheinlicher sind, je enger der Kontakt zwischen Mensch und Tier ist: So wiesen zwei von drei Katzen (67 Prozent) sowie zwei von fünf Hunden (43 Prozent), die mit Erkrankten unter einem Dach gelebt haben, Antikörper gegen Sars-CoV-2 auf – sie waren in der Vergangenheit also mit dem Coronavirus infiziert gewesen. Bei den Heimtieren und Streunern traf das noch nicht einmal auf jedes zehnte Tier zu. Insgesamt erkrankten drei Tiere schwer. Das Infektionsrisiko lag bei den Katzen umso höher, je inniger und länger die Besitzerinnen und Besitzer während ihrer Erkrankung mit ihnen schmusten. Bei den Hunden konnte ein solcher Zusammenhang nicht beobachtet werden.

Das Team um die Veterinärmedizinerin Els Broens von der Universität Utrecht in den Niederlanden untersuchte 154 Katzen und 156 Hunde aus rund 200 Haushalten, in denen Covid-19-Patienten lebten. Hier zeigten positive PCR- oder Antikörpertests, dass sich in jedem fünften Haushalt Tiere angesteckt hatten. Damit ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Haustier bei seiner an Covid-19 erkrankten Halterin oder seinem Halter infiziert doch grösser als eine Studie der Vetsuisse-Fakultät an der Universität Zürich vergangenes Jahr zeigte.

In den USA werden Zootiere nun geimpft

Die Ergebnisse überraschen nicht. Schliesslich gab es im ersten Jahr der Pandemie immer mal wieder Berichte über mit Sars-CoV-2 infizierte Haustiere. Doch nicht nur sie sind betroffen. Es tauchten auch Meldungen über infizierte Zootiere auf: Im Louisville Zoo im US-Bundesstaat Kentucky waren es drei Schneeleoparden, im Bronx Zoo in New York ein Tigerweibchen und im Zoo von San Diego zwei Gorillas. Sie alle haben sich mutmasslich bei erkrankten Pflegern angesteckt.

Während Tierparks in Europa auf die Meldungen mit Abstandsvorgaben, Streichel- und Fütterungsverboten reagierten oder gar gewisse Tierhäuser sperrten, haben einige Zoos in den USA begonnen, gefährdete Zootiere zu impfen. Darunter der Zoo San Diego oder der Oakland Zoo bei San Francisco. Die Affen, Tiger, Bären und Pumas erhalten dabei einen speziell für Tiere entwickelten Impfstoff.

Geht von den Haustieren eine Gefahr für den Menschen aus?

Welche Rolle Haustiere in der Pandemie spielen, ist nach wie vor nicht gänzlich geklärt. Aber: «Man kennt derzeit weder Fälle, in denen Haustiere Personen angesteckt haben noch Fälle, bei denen sich Haustiere ausserhalb von Laborbedingungen gegenseitig angesteckt haben», zitiert die NZZ den Virologen Christian Griot vom Institut für Virologie und Immunologie (IVI). Katzen können, das zeigte eine bereits im Mai 2020 im Fachjournal «Science» veröffentlichte Studie, Sars-CoV-2 an Artgenossen weitergeben.

Laut einer anderen, ebenfalls im «Science» erschienen Arbeit, können zumindest Nerze das Virus auf den Menschen übertragen. Die Untersuchungen auf Nerzfarmen zeigten aber auch, dass die besonderen Bedingungen in den Zuchtanlagen Virus-Übertragungen begünstigen.

Einige Länder haben deshalb drastische Massnahmen ergriffen, um zu verhindern, dass sich der Erreger auf Nerzfarmen verbreitet. So schlachteten Dänemark und die Niederlande fast 20 Millionen Tiere.

Impfungen auch für Haustiere?

Laut Bienzle sind Covid-19-Impfungen für Tiere ein sinnvoller Schritt – aber nur, wenn es um den Schutz bedrohter Tierarten und alter Tiere gehe, die einen sogenannten genetischen und ethnologischen Wert hätten. Dann sei eine Impfung angebracht, zitiert sie Deutschlandfunknova.de.

Von einer Impfung von Katzen und Hunden hält die Veterinärmedizinerin dagegen nicht viel. «Covid-19 ist in erster Linie eine menschliche Krankheit». Entsprechend sollten auch die Menschen die Schutzmassnahmen treffen: «Wenn Sie Covid-19 haben, gehen Sie zu Ihren Haustieren auf Abstand und isolieren sich.» Und zwar in dem gleichen Mass, wie man es auch bei einem Menschen tun würde, so Bienzle zu NYTimes.com. Auch in der Gegenwart des Tieres Maske zu tragen, könne helfen. Eine weitere Vorkehrung zum Schutz seines Vierbeiners sei zudem, sich impfen zu lassen.

Den Tieren selbst Masken aufzusetzen, ist dagegen keine gute Idee. Davor warnten Tierschützerinnen und Tierschützer schon im vergangenen Jahr. Denn die Bedeckungen können bei den Tieren zu Atemnot und Panik führen.

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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