Neuer Abgasskandal: Werden auch Schweizer Autos zurückgerufen?

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Neuer AbgasskandalWerden auch Schweizer Autos zurückgerufen?

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte zieht immer weitere Kreise: Deutsche Autobauer rufen Hunderttausende Autos zurück. Hier gibts Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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vb/lin/sda

Was ist passiert?

Die Autohersteller Audi, Porsche, Mercedes, Volkswagen und Opel werden nach Angaben des deutschen Verkehrsministers Alexander Dobrindt freiwillig 630'000 Fahrzeuge in die Werkstätten zurückrufen. Auch andere Hersteller wie etwa Renault hätten ähnliche Zusagen gemacht, erklärte Dornbrindt. Hintergrund sind Nachprüfungen der Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen, die das deutsche Bundesverkehrsministerium nach dem VW-Skandal in Auftrag gegeben hatte. Getestet wurden nicht nur Dieselautos von VW, sondern auch von anderen Herstellern.

Was wird den Herstellern angekreidet?

Die deutschen Autobauer Audi, Porsche, VW, Opel und Mercedes sollen Steuerungen eingebaut haben, die bei Unterschreitung bestimmter Aussentemperaturen die Reinigung giftiger Stickoxid-Abgase abstellt – ähnlich wie im vergangenen Jahr VW. Gemäss Medienberichten sei das bei gewissen Modellen bereits bei einer Aussentemperatur von 18 Grad der Fall gewesen.

Erleben wir gerade einen zweiten Fall VW?

Grundsätzlich nicht. Bei den getesteten Fahrzeugen ist keine illegale Software entdeckt worden. Dass bei bestimmten Aussentemperaturen die Reinigung der Abgase zurückgefahren wird, ist laut einer EU-Richtlinie zwar erlaubt – aber nur, wenn ansonsten ein Motorschaden oder ein Unfall droht. Das schreibt die Nachrichtenagentur AFP. Bei den betroffenen Autoherstellern ist aber unklar, ob das Zurückfahren der Abgasreinigung tatsächlich notwendig ist.

Wie reagieren die Hersteller?

Nach den Tests wurden die Autohersteller aufgefordert, das sogenannte Thermofenster zu beschränken. Die Konsequenz daraus sei nun der freiwillige Rückruf, heisst es aus Regierungskreisen in Berlin. Daimler hat laut der «Welt» bereits eingeräumt, eine Steuerung einzusetzen, die bei Temperaturen unter zehn Grad zum Schutz des Motors die Abgasreinigung drosselt.

Was hat Bosch damit zu tun?

Der Autozulieferer Bosch soll Steuerungsgeräte für Motoren hergestellt haben, die über einen Mechanismus verfügen, um die Abgasreinigung zu deaktivieren. Das berichtet der «Spiegel». Bosch soll die Steuerungen nicht nur an VW, sondern auch an andere Autobauer geliefert haben. Gemäss dem Nachrichtenmagazin könnten sämtliche Autos mit 1,6- bis 2,8-Liter-Motoren von verschiedenen Herstellern, die der Euro-6-Norm unterliegen, mit der Steuerung ausgestattet sein. Ob bei den nun zurückgerufenen Fahrzeugen Steuerungen von Bosch eingebaut waren, ist aber noch nicht klar.

Werden auch in der Schweiz Autos zurückgerufen?

Das ist noch nicht klar. Das Bundesamt für Strassen (Astra) konnte sich dazu auf Anfrage von 20 Minuten nicht äussern.

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